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 Salomon Kalou beim Training von Hertha BSC auf dem Olympiagelaende  2020 fußball live spiele abo

Salomon Kalou, mittlerweile suspendierter Profi bei Hertha BSC. Bild: imago images/Andreas Gora

Meinung

Das Kalou-Video zeigt die ganze Absurdität der Debatte um den Bundesliga-Neustart

Hertha-Profi Salomon Kalou hat mit seinem Facebook-Live-Video am Montag das DFL-Hygienekonzept innerhalb weniger Minuten ad absurdum geführt und ist damit den Plänen zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs ordentlich in die Quere gekommen. Auch die Reaktionen und Stellungnahmen der Verantwortlichen rundherum haben etwas Absurdes an sich.

Von allen Seiten wurde sofort versucht, krampfhaft an der Fortführung der Bundesliga festzuhalten, niemand will sich eingestehen, dass das DFL-Konzept vielleicht doch nicht aufgeht, weil sich erwachsene Menschen nicht an einfachste Regeln halten können.

Kalous Facebook-Video: Viele fordern jetzt den Bundesliga-Abbruch, andere versuchen, es mit Humor zu nehmen

In den sozialen Netzwerken war das Echo am Montag groß, nachdem das mittlerweile auf Facebook gelöschte Video die Runde gemacht hatte. Viele forderten den sofortigen Abbruch der Bundesliga, viele andere versuchten, das Ganze erstmal mit Humor zu nehmen. Vom "Zerstörer der Bundesliga" war in Anlehnung an Rezo die Rede. Oder von Kalou, dem "Whistleblower", der à la Edward Snowden der Welt leakte, was in den Kabinen eines Bundesligaklubs alles schiefläuft. Andere verglichen ihn wegen seiner Dokumentation auch mit Investigativ-Ass Günter Wallraff.

Aber Spaß beiseite. Mit seiner Live-Übertragung hat Kalou öffentlich alles konterkariert, was eigentlich glaubhaft machen soll, dass der Spielbetrieb unter Einhaltung von bestimmten Regeln möglich ist.

Salomon Kalou: Zeitpunkt des Videos hätte nicht ungünstiger sein können

Für die DFL kam das Video zur Unzeit. Im dümmstmöglichen Moment. Am Mittwoch will die Liga von den Ministerpräsidenten der Bundesländer und Kanzlerin Angela Merkel das Go bekommen, dass es im Mai weitergehen kann mit der Bundesliga. Jetzt kommt die Nuance hinzu, dass gestandene Spieler wie der 34-jährige Kalou das Konzept zwei Tage vor dieser Entscheidung veralbern, es nicht einhalten können und offenbar den Ernst der Lage nicht verstehen. Das Video von Kalou erschien zudem auch noch ausgerechnet an jenem Tag, an dem die Bundesliga insgesamt zehn positive Corona-Tests meldete.

Entsprechend wutschnaubend war auch die erste Reaktion der DFL via Twitter: "Die Bilder von Salomon #Kalou aus der Kabine von Hertha BSC sind absolut inakzeptabel. Hierfür kann es keine Toleranz geben – auch mit Blick auf Spieler und Klubs, die sich an die Vorgaben halten, weil sie die Ernsthaftigkeit der Situation erfasst haben." Das Video erschütterte die Glaubwürdigkeit der DFL und ihres Hygienekonzepts.

Salomon Kalou: Der Eindruck bleibt, dass die Profis nicht professionell genug sind

Während der Video-Sequenz gibt Kalou immer wieder Mitspielern oder Vereinsmitarbeitern die Hand und verstößt damit gegen die von der DFL in ihrem Konzept gemachten Vorgaben. Unter anderem zeigt das Video auch, wie in einem Nebenraum ein Hertha-Mitarbeiter bei Verteidiger Jordan Torunarigha einen Abstrich macht und bemerkt, dass Kalou die Szene mit dem Handy filmt. Der Mitarbeiter trägt lediglich einen einfachen Mund-Nasen-Schutz. Die Aufforderung "Sala, bitte, lösch das jetzt!" quittiert der ivorische Offensivspieler nur mit einem Lachen. Dann quiekt er wie Sängerin Cardi B laut "Coronavirus!" durch die Kabinengänge. Dass Kalou auch noch mit seinem Gehaltsscheck in die Kamera wedelt und sich über Kürzungen beschwert, rundet die PR-Katastrophe ab.

Der Eindruck bleibt, dass die Profis nicht professionell genug sind, um sich an die Regeln zu halten, die Grundlage dafür sein sollen, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Beziehungsweise: Dass das seitenlange DFL-Konzept auf tönernen Füßen steht. Denn, das kommt noch hinzu, bis auf den Hertha-Mitarbeiter, der um Löschung des Videos fleht, scheinen Kalous Regelverstöße in der Kabine niemanden zu stören.

Kalou-Video: Stellungnahme von Hertha BSC wirkt etwas hilflos

Noch absurder erscheint Kalous Aktion vor dem Hintergrund, dass er noch vor wenigen Tagen gegenüber der BBC Sätze sagte wie: "Wir alle lieben den Fußball, auf dem Platz, vor dem Fernseher. Aber wir sollten niemanden einem Risiko aussetzen, nur weil wir das Spiel lieben." Oder: "Alle müssen geschützt und vor allem gesund sein. Wir müssen das sicherstellen, bevor wir daran denken, wieder zu spielen. Die Gesundheit aller ist das Wichtigste." Die Frage bleibt: Wer hat der BBC diese Aussagen gegeben? Kalous Berater?

Wie auch immer. Hertha BSC – der Klub hat Kalou noch am Montag suspendiert – gab nach dem Video eine Stellungnahme heraus, die etwas verzweifelt und hilflos wirkt. Der Spieler habe "den Eindruck vermittelt, dass die Spieler die vorgegebenen Abstands- und Hygieneregeln seitens der Gesundheitsbehörden nicht ernst nehmen".

 Salomon Kalou beim Training von Hertha BSC auf dem Hans Braun Sportplatz am 11.02.20 in Berlin Hertha BSC Training nach Klinsmann Rücktritt *** Salomon Kalou at Hertha BSC training on the Hans Braun sports field on 11 02 20 in Berlin Hertha BSC training after Klinsmanns retirement

Salomon Kalous Vertrag läuft im Sommer aus. Bild: imago images/Mauersberger

Er hat "den Eindruck vermittelt"? Er hat es vor Augen geführt, liebe Hertha! Michael Preetz muss darüber hinaus noch "ausdrücklich betonen, dass wir alle Beteiligten intensiv auf die Hygiene- und Abstandsregeln hingewiesen haben und auf deren konsequente Einhaltung achten". Scheint aber nicht zu funktionieren, liebe Hertha!

"Es tut mir leid, wenn ich mit meinem Verhalten den Eindruck erweckt habe, dass ich Corona nicht ernst nehme. Ich habe nicht wirklich nachgedacht und mich darüber gefreut, dass unsere Tests alle negativ waren", lautet die offizielle Entschuldigung von Kalou.

Fehltritt, Stellungnahme, erhobener Zeigefinger und weiter geht's

Es ist das übliche Spiel, es sind die üblichen Mechanismen. Ein Fußballprofi leistet sich einen öffentlichen Fehltritt, dann war alles nicht so gemeint, der Klub gibt eine Stellungnahme heraus, muss den Nestbeschmutzer aber suspendieren, um sein Gesicht zu wahren. Alles wieder einigermaßen gut.

Und so ist das Absurdeste an der ganzen Geschichte: Die Bundesliga wird, das vermeldete die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag, wohl noch in diesem Monat wieder starten, in nicht einmal zwei Wochen, am 15. Mai, heißt es. Trotz allem, obwohl die Aktion von Kalou ein riesiger Schwall Wasser auf die Mühlen der Bundesliga-Restart-Kritiker war, die hinter verschlossenen Türen einen eher laxen Umgang mit den Regeln vermuten.

Am Mittwoch wird wohl nur nochmal von der Politik der Zeigefinger erhoben: So geht's aber nicht! Dann heißt es mit großer Wahrscheinlichkeit: Lasset die Spiele beginnen. Und das Kalou-Video wird am Ende doch nur das retardierende Moment des Bundesliga-Dramas sein.

(as)

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