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Shindy gegen Kollegah: Was es mit dem Rapper-Beef des Jahres auf sich hat

12.04.2018, Berlin: Die Rapper Kollegah (l) und Farid Bang kommen zu der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Rapper Kollegah und Farid Bang: Die beiden stehen auf einer Seite. Bild: dpa-Zentralbild / Britta Pedersen
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Shindy gegen Kollegah: Der Rapper-Beef des Jahres und was es damit auf sich hat

08.07.2023, 11:3317.07.2023, 15:03
Leon Schäfers
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Kaum ein anderes Thema unterhält die Deutschrap-Landschaft derzeit so sehr wie Shindys Disstrack gegen Kollegah. "Free Spirit" heißt der Song, der Ende Juni urplötzlich releast wurde und einer etwas verstaubten Disstrack-Kultur wieder ganz neues Leben eingehaucht hat.

Dass dabei ausgerechnet Shindy und Kollegah aneinandergeraten, lässt sich aber nicht nur auf die letzten Wochen zurückführen. Im Gegenteil: Die beiden Rapper haben schon eine lange, gemeinsame Vergangenheit hinter sich.

Kollegah und Farid Bang vs. EGJ: die Anfänge

Erinnern wir uns zu Beginn an das Jahr 2014. Dort releaste Shindy sein zweites Solo-Album "Fuck Bitches Get Money" und damit einhergehend auch den Song "Alle meine Fans" – die erste und bis heute einzige Zusammenarbeit von Shindy und Kollegah.

Im selben Jahr ist mit "Gangsta Rap Kings" außerdem ein gemeinsamer Track von Kollegah, seinem langjährigen Kollaborations-Partner Farid Bang sowie Bushido erschienen. Das ist wichtig zu erwähnen, da Shindy zur damaligen Zeit bei Bushidos Label ersguterjunge unter Vertrag stand. Bis hierhin schienen alle genannten Musiker also gut miteinander auszukommen. Es sollte aber nicht mehr lange dauern, bis sich die Fronten zwischen Kollegah und Farid Bang auf der einen und dem gesamten ersguterjunge-Camp auf der anderen Seite verhärten.

Was diesen zähen und langanhaltenden Beef ursprünglich ausgelöst hat, hat Farid Bang erst vor wenigen Monaten in einem Livestream erklärt. Demzufolge habe er Bushido beim Videodreh von "Gangsta Rap Kings" im Grunde noch als "ganz nett" wahrgenommen. Im Nachhinein, so Farid, soll Bushido sich in Interviews über ihn und Kollegah jedoch ziemlich abfällig geäußert haben. Auch, wenn er heutzutage Frieden mit dem EGJ-Chef geschlossen habe, sei das für ihn der "Start dieser extremen Antipathie" gegenüber Bushido gewesen.

Shindy selbst hat dabei eigentlich nur wenig zum Beginn dieses Beefs beigetragen. Nichtsdestotrotz haben sich in dieser Zeit zwei entgegengesetzte Lager gebildet. Weitere Sticheleien beider Seiten haben auch in den Folgejahren nicht dazu beigetragen, dass sich die Situation zwischen Kollegah, Farid Bang und den ersguterjunge-Mitgliedern entspannt hat. Seinen Höhepunkt dürfte der Streit wohl 2017 erreicht haben.

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Bushido signt Laas bei ersguterjunge

Laas Unltd., der vielen heute als Texteschreiber von Shirin David bekannt sein dürfte, stand zwischen 2017 und 2018 bei Bushidos Label unter Vertrag. Mittels Video-Ansage stellte der Label-Chef kurz vor dem Signing klar, dass "die Zeiten […] vorbei" sind, in denen man sich Laas als "Punching Bag" vorknöpfen sollte. Damit wollte Bushido wohl auch auf Kollegah und Farid Bang anspielen, für die es lange Zeit eine Art Running Gag war, sich über Laas lustig zu machen. Wer den Deutschrap-Gossip schon lange verfolgt, dürfte sich wahrscheinlich an folgendes Video erinnern:

Natürlich dauerte es nicht lange, bis Kollegah und Farid Bang auf Bushidos Ansage reagierten, indem sie – wie soll es auch anders sein – Laas den einen oder anderen Seitenhieb verpasst haben. Der wiederum hat auf Twitter mit Lines gegen die beiden geantwortet, Bushido und Shindy haben sich mit Retweets auf seine Seite geschlagen. Ein Streit, der wenig später auch die Sphären des Internets verlassen sollte.

Im Juni 2017 kam es auf dem Münchener "Hip Hop Bewegt"-Festival nämlich zu einer heiklen Situation zwischen Bushidos Crew und Kollegah, der dort das Gespräch gesucht haben soll, um über die vorherrschenden Streitigkeiten zu sprechen. Aufnahmen, die nur kurz nach dem Festival im Internet zu sehen waren, zeigen: Kollegah konnte vorerst nur mit Arafat Abou-Chaker reden, da Bushido und Shindy in ihrem Künstlerzelt geblieben sind und die Situation von dort aus beobachtet haben.

Wenig später soll Kollegah dann aber doch noch Zugang zum besagten Zelt bekommen haben. Laut damaliger Augenzeugenberichte seien von außen lautstarke Diskussionen zu hören gewesen, bei denen Kollegah wohl beinahe von einem weiteren Mitglied der Abou-Chaker-Familie erschossen worden wäre – so steht es jedenfalls in der Autobiografie von Bushido. Da das Buch erst erschienen ist, als sein eigener Prozess mit Arafat schon gelaufen war, ist diese Info also mit Vorsicht zu genießen.

JBG 3 mit unzähligen Disses

Noch zum Ende desselben Jahres haben Kollegah und Farid Bang ihr gemeinsames Album "Jung Brutal Gutaussehend 3" auf den Markt gebracht. Dort haben, wie für die Album-Reihe der beiden typisch, einige Vertreter der Deutschrap-Szene ihr Fett wegbekommen. Besonders viele Lines gingen hier natürlich in Richtung von Bushido, Laas und Shindy. Auch abseits davon blieb "JBG 3" nicht von Kontroversen verschont – erinnern wir uns nur mal an den Echo-Skandal zurück, den Kollegah und Farid Bang mit ihrem Album im Alleingang ausgelöst haben.

Apropos kontrovers: Mitte 2018 haben Kolle und Farid mit "Platin war gestern“ direkt das nächste Kollabo-Album nachgeliefert. Farids Strophe auf dem Song "Der letzte Krieg“ besteht größtenteils aus Gewaltfantasien gegenüber Shindy. Er rappt dort Dinge wie: "Ich werd‘ Shindy wegen Raubmotiv aus dem Auto zieh’n/ Drei Stunden später liegt der Hund bei der Autopsie/ Sie fanden sein’n Kadaver mit Tesafilm am Mund/ Ihn hab’n mehrere gebumst laut dem DNA-Befund"

Andersherum hat sich das EGJ-Camp mit offiziellen Antworten in Form von Songs ziemlich bedeckt gehalten. Wenn man mal von der geleakten Version von Bushidos "Sodom & Gomorrha" absieht.

"In seiner Blüte" vs. "Free Spirit"

Seitdem ist einige Zeit ins Land gegangen. Weder Shindy noch Laas sind noch Teil von ersguterjunge. Natürlich sind hier und da ein paar Sticheleien nicht ausgeblieben, beispielsweise als Farid Bang gegen den Online-Shop von Shindy geschossen hat. Alles in allem schien es aber so, als sei etwas Gras über den Beef gewachsen. Das änderte sich vor Kurzem.

Shindys neuestes Album "In meiner Blüte" sollte eigentlich schon 2021 erscheinen. Immer wieder musste der Rapper aus Bietigheim-Bissingen sein Album aber verschieben, sodass der Release schlussendlich auf den Juni 2023 fiel. Dieses "Album-Larifari" hat Kollegah dazu veranlasst, den Track "In seiner Blüte" zu droppen. Das (Achtung!) "Promophasennebenbeiexclusive" ist eine Persiflage auf sowie eine Provokation in Richtung von Shindy. Dieser indirekte Disstrack sei aber sportlich zu verstehen, wie Kollegah klargestellt hat.

Mit seiner Antwort "Free Spirit", dessen Titel auf Kollegahs Album aus dem letzten Jahr anspielt, stellt Shindy unter Beweis, dass er die Vergangenheit nicht vergessen hat – was auch erklärt, warum er Farid Bang auf dem Track ebenfalls disst. Auch der "Eichhörnchen Freestyle", den er nur wenige Tage nachgeliefert hat, zeigt: Shindy meint es ernst. Skurril ist, dass er mit dem Trubel um die beiden Disstracks sein eigenes Album in den Schatten gestellt hat, das noch in der Woche davor nach jahrelangen Verschiebungen erschienen ist.

Kollegah stellt die Situation im Nachhinein nun so dar, als sei es von Anfang an Teil seines Plans gewesen, Shindy aus der Reserve zu locken. In einer seiner "Mitten im Bosslife"-Folgen hat er unter Freudentränen mit diversen Comedy-Skits auf "Free Spirit" reagiert. Auch im Bild-Interview sagt er, er hätte all das "im Interesse des deutschen Raps getan". Gleichzeitig kündigt Kollegah dort an, dass das "letzte Wort" in der Sache noch nicht gesprochen sei. Wie sich der Beef weiter entwickeln wird, bleibt also spannend zu beobachten.

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