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An Ostersonntag geht es für die Crew von "Das Traumschiff" wieder auf hohe See.Bild: dpa / Dirk Bartling
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Mehr Zuschauer durch Social-Media-Stars? Darum geht die Strategie von "Das Traumschiff" nicht ganz auf

17.04.2022, 11:1017.04.2022, 13:48

"Das Traumschiff" läuft seit über 40 Jahren im deutschen Fernsehen und hatte in den vergangenen vier Jahrzehnten mehrere Kapitäne. Zuletzt gab es vor drei Jahren einen Personalwechsel: Auf Sascha Hehn folgte Schlagerstar und Moderator Florian Silbereisen, der in der Rolle des Kapitän Max Parger Weihnachten 2019 das erste Mal in See stach.

Und seit Florian Silbereisen Kapitän des "Traumschiffes" ist, fällt auf, dass immer mehr junge Stars bei dem Fernseh-Dauerbrenner mitmachen, die vor allem auf Social Media eine große Reichweiter haben. In der Folge "Malediven", die im April 2021 ausgestrahlt wurde, war zum Beispiel Victoria Swarovski zu sehen. An Neujahr 2022 machten Sarah Engels und Caro Daur bei "Das Traumschiff" mit. Und auch in der Oster-Folge "Mauritius" entdeckt man im Cast einen Social-Media-Star: Influencerin Paola Maria, die auf Instagram 4,8 Millionen Follower hat, geht mit an Bord.

Watson hat mit Medienexpertin Janine Griffel über dieses Entwicklung gesprochen und sie bewertet die scheinbare Verjüngungs-Strategie des ZDF-Klassikers. Außerdem verrät sie, welche Motivation sie bei jungen Webstars vermutet, die bei "Das Traumschiff" mitmachen. Darüber hinaus sprach watson mit Schauspieler Marc Barthel, der eine Rolle in der kommenden "Traumschiff"-Episode hat. Der Mann von Ex-"Bachelorette" Anna Hofbauer gewährt einen Einblick hinter die Kulissen und erzählt, warum er für das "Das Traumschiff" zugesagt hat.

Instagramerin gab in "Das Traumschiff" ihr Debüt als Schauspielerin.
Instagramerin gab in "Das Traumschiff" ihr Debüt als Schauspielerin.zdf/Dirk Bartling

Sinkende "Traumschiff"-Quoten – wegen Influencer?

Für Medienexpertin Griffel steht fest, dass für "Das Traumschiff" ganz bewusst Bloggerinnen und Influencerinnen engagiert werden, weil sonst die "Zielgruppe wegstirbt oder von Bord springt". Gleichzeitig gibt sie gegenüber watson zu bedenken:

"Ob die Verjüngungskur an Bord wirklich funktioniert, sollte jeder selbst entscheiden."
Auch Sarah Engels schipperte bereits auf dem "Traumschiff".
Auch Sarah Engels schipperte bereits auf dem "Traumschiff".zdf/dirk bartling

Und genau damit trifft Griffel einen wichtigen Punkt: Wenn man die letzten Quoten von "Das Traumschiff" betrachtet, muss man ganz klar sagen, dass die Strategie nur teilweise aufgeht: Die Neujahrs-Folge mit Caro Daur und Sarah Engels hatte zwar mehr jüngere Zuschauer, doch insgesamt hatte die Episode schwächere Quoten, wie man den Zahlen von "DWDL" entnehmen kann.

Die erste "Traumschiff"-Folge mit Florian Silbereisen als Kapitän lockte 7,8 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Als es für das Traumschiff jedoch am 1. Januar 2022 nach Namibia ging, gab es nur noch 6,4 Millionen Zuschauer. Natürlich immer noch ein toller Wert, aber auch ganz klar ein Sinkflug, schließlich sind das 1,4 Millionen Zuschauer weniger als bei Silbereisens Debüt. Gleichzeitig landete die Neujahrs-Episode von diesem Jahr bei 16,3 Prozent der 14- bis 49-Jährigen, was als Erfolg verbucht werden kann.

Ein Blick auf Twitter verrät einen möglichen Grund für den Quoten-Schwund: Ausgerechnet das Engagement diverser Social-Media-Stars ist für viele Fans ein Grund abzuschalten. So schreibt eine Userin auf der Social-Media-Plattform:

"Wenn beim 'Traumschiff' jetzt Influencerinnen statt Schauspielerinnen engagiert werden, ist das das Ende! Die Zielgruppe des 'Traumschiffs' kennt die jungen Influencerinnen nicht."

Und es gibt noch weitere vernichtende Urteile in diesem Kontext: "Ich bin gespannt, welche Models, Sänger und Influencer dieses Jahr das Ensemble in den vier Folgen verschlimmern werden", "Schauspieler ist ein Ausbildungsberuf, anders als Influencer" oder "Warum glaubt jeder Influencer, der sich filmt, er sei Schauspieler?"

Social-Media-Stars beim "Traumschiff": Diese Motivation vermutet die Expertin

Mit der "Verjüngungskur" bewegt sich das ZDF also auf dünnem Eis. Aber warum sagen Social-Media-Stars überhaupt zu? Auf die Zuschauer des "Traumschiffs" sind Webstars wie Caro Daur oder Paola Maria nicht angewiesen. Janine Griffel vermutet im Hinblick darauf mehrere Beweggründe:

"Man könnte fies behaupten wegen der Kohle, aber da möchte ich den Sendeanstalten nicht zu nahe treten. Für viele ist es sicherlich auch ein erster Schritt in die Schauspielerei, bevor sie wieder im Bermudadreieck verschwinden."
Victoria Swarovski an der Seite von Ferdi Özten bei "Das Traumschiff".
Victoria Swarovski an der Seite von Ferdi Özten bei "Das Traumschiff". zdf/dirk bartling

Leider ist nicht bekannt, wie viel das ZDF für eine Rolle bei "Das Traumschiff" zahlt und die Stars verraten es natürlich nicht. Doch es könnte noch andere Gründe als Geld geben.

Man darf nicht vergessen: "Das Traumschiff" ist immer noch eine feste Größe im deutschen Fernsehen – das bestätigt auch Griffel gegenüber watson: "Nicht zu Unrecht ist 'Das Traumschiff' eines der Aushängeschilder der Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland. Auch für die Schauspieler – bis das der Tod sie scheide."

Für viele ist es wahrscheinlich eine Selbstverständlichkeit und Ehre, beim "Traumschiff" mitzumachen. So sagt Schauspieler Marc Barthel, der in der "Mauritius"-Folge zu sehen sein wird, über den Grund für seine Zusage:

"Natürlich bin ich mit deutschem Fernsehen aufgewachsen und 'Das Traumschiff' lief damals schon bei uns im Wohnzimmer. Ich habe gerade erst mit meiner Mutter darüber gesprochen, wie verrückt es ist, mich dort jetzt zu sehen."

Ähnliches erwiderte auch Comedian Bülent Ceylan, als watson in einem früheren Interview mit ihm über seinen Gastauftritt in der "Schweden"-Folge von "Das Traumschiff" sprach:

"Ich sag mal so, ich kenne 'Traumschiff' schon, seit ich Kind bin und ich hätte so oder so mitgemacht. Das ist so kultig, da geht es gar nicht darum, jetzt hier die emotionale oscarreife Vorstellung zu geben, sondern es geht darum, dabei zu sein, Spaß zu haben – auch für die Zuschauer. Und ich fand das total toll dabei zu sein. Und ich würde immer wieder auf das Schiff wollen."
Bülent Ceylan würde immer wieder bei "Das Traumschiff" mitmachen.
Bülent Ceylan würde immer wieder bei "Das Traumschiff" mitmachen.zdf/dirk bartling

"Das Traumschiff" + Rolle = Urlaub

Es gibt aber noch einen wichtigen Anreiz, den ein Dreh bei "Das Traumschiff" bietet: bezahlten Urlaub! Mit dem ZDF-Kreuzer geht es immer an die exotischsten Plätze: Mauritius, Namibia, die Malediven, Marokko, Kapstadt, die Seychellen, um nur einige Beispiel zu nennen.

Und die Schauspieler haben offenbar genügend Zeit, die schönen Plätze zu genießen. So verriet zum Beispiel Christoph Maria Herbst in seinem Buch "Ein Traum von einem Schiff" über seinen Dreh für die "Traumschiff"-Folge "Bora Bora", die 2011 lief: "Ich hatte fünf Drehtage in sechs Wochen, Vollbeschäftigung sieht nun wirklich anders aus."

Und auch Marc bestätigt gegenüber watson, dass er parallel zu seinem Dreh auch Zeit für Urlaub hatte:

"Zwischen den Drehtagen konnte ich wirklich super entspannen. Ich hatte meinen besten Freund dabei und konnte neben unglaublich leckerem Essen und viel Sport die Zeit an den wunderschönen Stränden genießen. Ich war vor fünf Jahren schon einmal mit meiner Frau auf Mauritius – somit fielen die Touri-Trips für uns weg."
Marc Barthel bei "Das Traumschiff".
Marc Barthel bei "Das Traumschiff".screenshot zdf

Insgesamt habe der Dreh acht Wochen gedauert, so der 32-Jährige: "Das Team war insgesamt knapp vier Wochen vor Mauritius auf dem Schiff. Hier haben wir den Schiffsteil abgedreht. Anschließend ging es für weitere vier Wochen nach Mauritius." Seine Frau Anna habe in der Zeit mit ihrem Sohn die Stellung gehalten und er habe sich ganz auf den Dreh konzentrieren können.

Am Ende lässt sich also festhalten: Das ZDF hat dank der Social-Media-Stars zwar mehr jüngere Zuschauer, doch der Sender läuft gleichzeitig Gefahr, dadurch viele Stammzuschauer zu verlieren. Und für Influncerinnen und Bloggerinnen lohnt sich ein "Traumschiff"-Dreh vor allem deshalb, weil sie parallel zu ihrer Arbeit Urlaub machen können.

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