BERLIN, GERMANY - AUGUST 17: Rapper Bushido attends court during the Arafat Abou-Chaker trial on August 17, 2020 in Berlin, Germany. Abou-Chaker, as well his three brothers Yasser, Nasser and Rommel,  ...
Rapper Bushido steht seinem früheren Manager Arafat Abou-Chaker seit über zwei Jahren vor Gericht gegenüber. Bild: Getty Images Europe / Pool

Bushido-Prozess: Richter verkündet Plan zu Vernehmung von brisantem Zeugen

26.10.2022, 17:20
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Der 85. Prozesstag muss vielen Verfahrensbeteiligten vorgekommen sein wie eine Zeitreise. Eine Zeitreise, die ihnen vor Augen gehalten hat, wie lange sich dieser außergewöhnliche Prozess schon zieht.

Seit über zwei Jahren stehen Arafat Abou-Chaker und seine Brüder Yasser, Nasser und Rommel in Berlin vor Gericht. Der Rapper Bushido wirft seinem früheren Manager Arafat und dessen mitangeklagten Brüdern vor, ihn 2018 bedroht, beschimpft und verletzt zu haben. Der Streit soll eskaliert sein, weil Bushido die geschäftlichen Beziehungen zu Arafat beenden wollte.

Bushido-Dokumentation wird als Beweismittel gesichtet

Bei dem Prozesstag am Mittwoch war der Rapper selbst nicht anwesend. Als Nebenkläger muss er, im Gegensatz zu den angeklagten Abou-Chakers, nicht bei jedem Gerichtstermin erscheinen. Die Brüder wiederum verfolgten vor Ort im Berliner Amtsgericht Tiergarten, wie erneut der Beamer angeschmissen und die Episoden 5 und 6 der Dokumentation "Unzensiert – Bushidos Wahrheit" im Gerichtssaal abgespielt wurden.

HANDOUT - 08.10.2021, Berlin: Rapper Bushido in einer Szene der Serie
Bushido macht Arafat in "Unzensiert – Bushidos Wahrheit" schwere Vorwürfe.Bild: dpa

Alle Anwesenden reisten somit zurück an jenen Tag im August 2020, an dem dieses schier endlose Verfahren gestartet ist. In der Dokumentation begleitet ein Filmteam Bushido und seine Frau Anna-Maria Ferchichi in den Wochen und Monaten vor dem Prozess. Wie der Titel schon verrät, schildert Bushido darin seine Sicht auf die Dinge, seine "Wahrheit" – und die ist mitunter ganz schön drastisch.

Der Rapper wirft seinem ehemaligen Manager vor, ihn um Millionen betrogen und das Leben seiner Familie bedroht zu haben. Während Bushido ihn in der Dokumentation aufs Übelste beleidigt, sitzt Arafat im Gerichtssaal und starrt konzentriert auf die Leinwand. Seine Brüder stecken ab und zu die Köpfe zusammen, doch Arafat selbst lässt sich trotz der wüsten Beschimpfungen Bushidos nichts anmerken.

Arafats Anwalt unterbricht Bushidos Schimpftirade

Irgendwann wird es aber Arafats Anwalt, Hansgeorg Birkhoff, zu bunt. Nach einer besonders heftigen Beleidigung Bushidos in Richtung seines Mandanten bittet er Richter Martin Mrosk, das Video zu pausieren. Er weist auf die "verbalen Entgleisungen" Bushidos hin und betont gleichzeitig, dass Arafat weiterhin davon absehen werde, Anis Ferchichi, so Bushidos bürgerlicher Name, für diese Beleidigungen anzuzeigen.

Auch Rechtsanwalt Michael Martens, der die Abou-Chakers ebenfalls vertritt, wertet die Dokumentation als "emotionale Abrechnung" Bushidos, nicht aber als wahrheitsgemäße Abbildung der Ereignisse.

Er kritisiert die Auftritte des Rappers und dessen Frau als "Inszenierung" und sieht Logiklücken in ihrer Darstellung. So habe das Ehepaar zum Beispiel die Gesichter ihrer Kinder nicht verpixeln lassen, was für den Rechtsanwalt unverständlich ist, wenn die Bedrohungslage nach dem Streit mit Arafat Abou-Chaker doch so hoch gewesen sein soll.

Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionenzahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Es wirkt so, als seien alle Beteiligten froh, als auch die letzte Folge der Dokureihe zu Ende ist. "Wird Wert auf den Abspann gelegt?", fragt Richter Martin Mrosk und schaltet den Computer vorzeitig aus, weil niemand widerspricht. Als Arafats Anwalt Hansgeorg Birkhoff ankündigt, auch Teile der neuen Dokumentation "Bushido – Reset" im Gerichtssaal sichten zu wollen, versichert er schnell, sich auf kleine Ausschnitte beschränken zu wollen.

Richter legt Plan zu Vernehmung von Veysel K. offen

Richter Martin Mrosk liefert hingegen einen Ausblick auf den weiteren Prozessverlauf. Schließlich steht noch die Vernehmung eines wichtigen Zeugen an. Der als Straftäter in die Türkei abgeschobene Veysel K. soll an jenem Abend im Januar 2018 teilweise anwesend gewesen sein.

Das Vorhaben des Richters, Veysel K. für seine Zeugenaussage einreisen zu lassen, scheiterte am Veto des LKAs, das den früheren Abou-Chaker-Gehilfen als zu gefährlich einstufte.

Er soll jetzt am 7. und 14. Dezember per Videocall aus der Türkei in den Berliner Gerichtssaal zugeschaltet werden und so seine Zeugenaussage tätigen. Am Montag geht der Prozess weiter.