"The Masked Dancer" ging am Donnerstag auf ProSieben fast unbemerkt über die Bühne.
"The Masked Dancer" ging am Donnerstag auf ProSieben fast unbemerkt über die Bühne.Bild: dpa / Rolf Vennenbernd
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"The Masked Dancer"-Finale auf ProSieben: Warum das Format schlichtweg zum Scheitern verurteilt war

30.01.2022, 16:12

Am Donnerstag fand die erste Staffel von "The Masked Dancer" ein Ende. An den allermeisten TV-Zuschauern ging das allerdings unbemerkt vorbei: Das Finale, in dem noch vier übriggebliebene Prominente demaskiert wurden, schauten gerade einmal 1,43 Millionen Menschen (8,6 Prozent Marktanteil). Klar, dass ProSieben mit dem Spin-off-Format des erfolgreichen Originals "The Masked Singer" ein Risiko eingegangen ist. Mit dem Ergebnis des Fernseh-Experiments dürfte der Sender allerdings alles andere als zufrieden sein.

Der Zeitpunkt im Programm war für "The Masked Dancer" allein schon extrem ungünstig: Im Januar findet immerhin seit jeher auf RTL das Dschungelcamp statt. Trotz Corona-Pandemie schaffte es die Produktion es dieses Jahr, elf Promis ins Pritschenlager nach Südafrika zu schicken. Die Staffel startete am 21. Januar und fuhr dem Tanzformat so komplett in die Finalparade am Donnerstag. Aber auch andere Gründe sprechen dafür, dass es lieber keine weitere Staffel von "The Masked Dancer" geben sollte.

ProSieben selbst glaubt offenbar nicht an das Format

Auch ProSieben selbst wollte dem neuen Format offensichtlich nicht allzu viel Sendezeit einräumen – zumal im Vergleich zu "The Masked Singer". Bei der Gesangsshow treten jeweils zehn Maskierte gegeneinander an, bei "The Masked Dancer" waren es lediglich sieben. Daniel Rosemann, Senderchef von ProSieben, versprach in einer eigens eingerichteten Pressekonferenz noch "den gleichen Spaß wie bei 'The Masked Singer'", denn, so war er sich sicher:

"Im Prinzip ist es die perfekte Symbiose für Innovation, du hast das, was dich fesselt von 'The Masked Singer', das Bestehende, plus was ganz Neues, ein ganz neues Gefühl."

Weil im Finale vier Promis demaskiert werden sollten, war das Spektakel aber auch schon nach vier Folgen wieder vorbei. Bei "The Masked Singer" waren es stets mindestens sechs. Die Antwort von ProSieben-Sendersprecher Christoph Körfer auf die Nachfrage von watson, ob es eine zweite Staffel geben wird, fällt noch dazu verhalten aus:

"Wir hatten in diesem Jahr viel Spaß mit unseren maskierten Stars. Wann wir wieder zum Tanz bitten, werden wir bekannt geben, wenn es soweit ist."

Eine weitere Frage, ob das Konzept der Tanzshow verändert werden sollte, wurde nicht beantwortet.

Das Show-Konzept ist einfach absurd

Das vorhandene Regelwerk der Sendung hat nämlich so seine Tücken. Die Show-Macher nahmen sich die USA als Vorbild, wo "The Masked Dancer" quasi erfunden wurde. Man nahm an, man könne auch hierzulande recht eindeutig einzelne Promis an bestimmten Handbewegungen erkennen, schließlich war das bei Bülent Ceylan in Staffel eins von "The Masked Singer" schon einmal so. Das Problem ist dabei nur, dass bei den Tanzperformances niemand mehr auf die Finger achten kann.

In der Auftaktfolge wurde schnell klar, dass die Indizienfilme bei "The Masked Dancer" sehr viel ausführlicher sein müssen, denn die Idee, dass man anhand von Tänzen einzelne Promis erkennen kann, ist ohne viele Hinweise kaum umzusetzen. So wurde Ute Lemper in der ersten Ausgabe noch nicht vor der Demaskierung enttarnt, bei allen anderen Kandidaten fiel das Raten am Ende nicht mehr allzu schwer.

Oli P. freut sich über die "The Masked Dancer"-Trophäe. Wird sie ein Einzelstück bleiben?
Oli P. freut sich über die "The Masked Dancer"-Trophäe. Wird sie ein Einzelstück bleiben?Bild: dpa / ProSieben

Beispielsweise beim Gewinner von "The Masked Dancer", Oli P., der im Affenkostüm steckte, war am Ende bekannt, dass er mal bei "GZSZ" mitgespielt hat. Zusätzlich war von Bühnen die Rede, recht schnell kam man also per Ausschlussverfahren auf den 43-Jährigen. Beim Schaf, unter dem Axel Schulz steckte, war es ebenfalls einfach: Die Jury legte sich auf einen Boxer fest und musste sich quasi nur noch zwischen Schulz und Henry Maske entscheiden.

Auch die Zuschauer stimmten in der App immer bis auf in der ersten Folge für den richtigen Promi. Der gewohnte Spannungseffekt entfiel bei "The Masked Dancer" ein Stückweit, weil alle bereits vor dem Ablegen der Maske wussten, wer sich darunter verbirgt. Eine Überraschung gab es bei den allzu eindeutigen Hinweisen somit also nicht mehr.

Internationale Promi-Tipps und zum 100. Mal nicht Stefan Raab

Eine gute Sache sollte "The Masked Dancer" aber doch haben, wie sich die Rateteam-Mitglieder Steven Gätjen und Alexander Klaws vor dem Staffelbeginn Anfang Januar sicher waren: Jetzt könne man Dialekte der Promis nicht mehr ständig erkennen, die Tänzer könnten also auch international sein. Charlize Theron und Tom Holland wollten die beiden unter den Kostümen beispielsweise sehen.

Während der Show legte Gätjen zudem immer wieder den Finger in die Wunde: Er vermutete mehrmals Stefan Raab unter einer Maske, dabei sollte mittlerweile so gut wie allen klar sein, dass der "TV Total"-Schöpfer nicht so bald vor die Kameras treten wird. So war es natürlich auch dieses Mal. Der einzige internationale Star war Eloy de Jong, der früher bei Caught in the Act gesungen hat und jetzt so gut wie jede deutsche Fernsehshow mitnimmt. So war er beispielsweise auch schon bei "Das perfekte Dinner", "Promi Big Brother" oder als Moderator bei "Ich find Schlager toll".

Ansonsten, nun ja, bewegte man sich im wohlwollenden B-Promi-Bereich. Wie zuletzt auch größtenteils bei "The Masked Singer", fiel auch bei "The Masked Dancer" auf, dass man keinen Kandidaten für die junge Zielgruppe findet. Ein vielfach vermuteter Youtuber Julian Bam befand sich nicht im Affenkostüm, der viele jüngere Zuschauer angezogen hätte, sondern eben Oli P.

Andere TV-Sender nehmen "The Masked Dancer" nicht als Konkurrenz wahr

Pünktlich am Abend, als "The Masked Dancer" auf ProSieben startete, gelang RTL ein Coup auf Social Media: Der Sender gab das Startdatum für die kommende "Let's Dance"-Staffel bekannt. Im Text zum Post wurden alle Kostüme der Sendung auf die Schippe genommen. So hieß es auf der "Let's Dance"-Instagram-Seite: "Hey ihr Mäuse und Äffchen da draußen, nehmt euren Buntstift und schreibt mit: Bald heißt es wieder Maximum Power..."

Die RTL-Show startet zwar erst am 18. Februar, thematisch geht es jedoch in den Konkurrenzsendungen eben allein ums Tanzen. Dass neben dem etablierten "Let's Dance" kein Platz für eine Masken-Tanz-Sendung ist, stellte das "The Masked Dancer"-Konzept leider nur allzu deutlich unter Beweis. Wie RTL selbst über den Grund schrieb:

"Die Promis von Deutschlands beliebtester Tanz-Show müssen sich nicht mal verkleiden, um bei uns im glühenden Licht zu stehen."

Das könnte auch ProSieben erkannt haben, zumindest war das Interesse an einer neuen "The Masked Singer"-Staffel stets größer, als jetzt bei "The Masked Dancer". Im Falle der ersten Show vergingen zwischen dem Finale und der ersten Folge der zweiten Staffel nur knapp acht Monate, die Gesangssendung läuft mittlerweile sogar zweimal im Jahr.

Abzusehen ist das jedenfalls für "The Masked Dancer" nicht, der Sendeplatz am Donnerstag musste jetzt allmählich ja auch schnell für ein echtes Erfolgsformat geräumt werden, nämlich "Germany's Next Topmodel", und Heidi kürt das nächste Topmodel immerhin auch erst in 17 Wochen. Nach dem Start der Tanzsendung steht fest: Entweder es wird noch einmal kräftig an den Regularien geschraubt und das Casting einer jüngeren Zielgruppe angepasst, oder es braucht einfach keine zweite Staffel des Formats mehr. Lieber werden dann wohl doch maskierte Sängerinnen und Sänger an ihrer Stimme erkannt, möchte man meinen.

Und versprochen ist doch auch versprochen, oder? Daniel Rosemann kündigte an, das Konzept von "The Masked Singer" nicht überreizen zu wollen. Das bleibt allen Format-Fans jetzt auch zu wünschen.

(cfl)

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