Fabian ist Youtuber, Generation Z und ehemals passionierter Lego-Animateur.
Fabian ist Youtuber, Generation Z und ehemals passionierter Lego-Animateur.
null / Oguz Yilmaz
Interview

LGBTQ und Klimaschutz: Warum Influencer Fabian Grischkat politische Themen nicht scheut

15.08.2021, 10:5815.08.2021, 13:05

Wer gerade die Schule beendet, bleibt nach kurzer Euphorie oft mit einem großen Fragezeichen zurück: Und jetzt?! Herauszufinden, was man sich vom Berufsleben erwartet, ist nicht halb so einfach, wie es in High-School-Filmen aussieht. Vor allem nicht, wenn auch noch eine Pandemie dazu kommt.

Fabian Grischkat hingegen wusste schon als 12-Jähriger, dass seine Leidenschaft der Kamera gehört. Heute ist er erfolgreicher Influencer, Moderator und Regisseur und hat an dem Projekt "Futureproof" der Deutschen Telekom mitgewirkt. Das Projekt ermutigt junge Menschen, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und ihren eigenen Weg zu finden, so wie es dem heute 20-Jährigen bereits gelang. Watson sprach mit Fabian über seinen Alltag als Influencer, verpasste Partys und was seine Oma mit der Generation Z gemeinsam hat.

Fabian zum Projekt "Futureproof"

Fabian über die Motivation von jungen Menschen:

"Die Generation Z ist ja nicht extrem, wir gehen nicht freitags mit einem Molotow-Cocktail los und zünden Autos an. Aber wir haben zu Recht erkannt, auf welche Zukunft wir zusteuern und haben da keine Lust drauf."

watson: Du bist Influencer. Wie sieht dein Berufsalltag da aus?

Fabian Grischkat: Ich bin ja gar nicht der Vorzeige-Influencer, der auf Bali gemütlich am Strand liegt und ein schönes Bild von sich postet. Meine Tage sind eher stressig, weil ich ja auch noch als Producer in einer Agentur arbeite und Videos und Kampagnen – auch für andere – produziere. Natürlich habe ich auch mal freie Tage oder Influencer-Tage, an denen ich vor allem schöne Dinge mache und zeige. Aber oft arbeite ich eher als Regisseur, sitze am Rechner oder beantworte den ganzen Tag E-Mails.

Auch nicht anders als ein Bürojob also?

Was anders als in anderen Berufen ist, ist, dass man sich als Influencer unglaublich viel selbst aufnimmt und auch alle Dinge, die im Leben um einen herum passieren. Da man ja immer auf Sendung ist, macht man überdurchschnittlich viele Fotos. Meine Foto-Mediathek hat in den letzten anderthalb Jahren etwa 38.000 Bilder und Videos gesammelt. Da braucht man eine gewisse Speicherkapazität.

Wie bist du denn in diesen Beruf geraten?

Alles fing damit an, dass ich Spaß daran hatte, bewegte Legomännchen zu filmen. Ich habe mir mit zwölf Jahren die Kamera von meinem Vater ausgeliehen. Er würde sagen: "geklaut". Aber da er sie selten genutzt hat, würde ich das nicht so nennen... Ich habe jedenfalls angefangen, damit Stop-Motion-Filme mit Legofiguren zu drehen, die meine Eltern synchronisieren mussten. Ich hatte gerade mal einen Facebook-Account und habe diese Filme nur meiner Familie vorgeführt. Irgendwann reichte mir der enge Familienkreis als Publikum nicht mehr.

Und dann?

Ich habe angefangen, diese Videos auf YouTube hochzuladen. Später kamen Sketche dazu, die ich mit zwei Freunden gedreht habe. Diese liefen sehr viel erfolgreicher. Wir haben zusammen erst die 100 Abonnenten geknackt, dann 1.000, 10.000 und 100.000 – so rutschten wir in die Szene. Bald erreichten uns die ersten Anfragen für größere Formate. Kurzum: Am Ende waren es ein Haufen Zufälle, die mich dahin brachten, wo ich heute stehe.

Gibt es Videos aus deiner Jugend, die dir heute peinlich sind?

Dass ich mich für irgendwas schäme, was ich früher hochgeladen habe, kann ich nicht behaupten. Aber es gibt ein paar Dinge, die ich im Nachhinein anders handhaben würde.

"Ich war früher kaum feiern, weil wir am Wochenende immer Videodrehs hatten oder zu Veranstaltungen mussten. Da ging mir schon ein kleiner Teil meiner Jugend flöten."

Was denn zum Beispiel?

Ich habe viele Sachen sehr früh getan und erlebt, die für das Alter untypisch und unnötig anstrengend waren. Beispielsweise musste ich mit 15 Jahren schon eine Steuererklärung machen. Das hat mich gestresst und überfordert, weil ich gar keinen Plan von Steuerrecht hatte, so etwas wird einem ja auch nicht in der Schule erklärt. Aber auch sonst: Ich habe mir früher immer einen unglaublichen Druck gemacht, den ich jetzt auch bei vielen anderen jungen Menschen sehe. Sie denken, sie müssten der neue Elon Musk werden und schon mit 14 Jahren ein Unternehmen gründen.

Dabei sind so hohe Ziele gar nicht nötig?

Genau. Man kann auch erstmal ein bisschen durchatmen. Ich war früher kaum feiern, weil wir am Wochenende immer Videodrehs hatten oder zu Veranstaltungen mussten. Da ging mir schon ein kleiner Teil meiner Jugend flöten. Ich dachte damals: Wenn ich das jetzt durchziehe, dann wird mein Leben ganz toll. Aber heute weiß ich: Es schadet nichts, auch mal ein Wochenende lang gar nichts zu tun oder feiern zu gehen. Es nützt niemanden was, mit 18 Jahren schon in einen Burn-Out hineinzurennen. Das passiert jungen Leuten immer wieder. Auch wir standen an einigen Punkten kurz davor. Im Nachhinein würde ich mich selbst daher ein klein wenig bremsen.

Wie hast du den Burn-Out abgewendet?

Damals sind wir noch zur Schule gegangen und haben nebenbei Abitur machen müssen. Ich stand also mit beiden Beinen im Beruf und musste parallel für die Prüfungen lernen. Sobald die Schule beendet war, fiel diese Last ab. Dadurch wurde es leichter, die Balance zu finden. Trotzdem bin ich froh, die Schule durchgezogen zu haben.

Und wenn es dir heute zu viel wird?

Inzwischen bin ich in einer gewissen Luxussituation und kann Anfragen ablehnen. Das mache ich auch konsequent. Im Schnitt erreichen mich am Tag etwa drei, vier Kooperationsanfragen und ich lehne fast alle ab. Das meiste, was da im Postfach landet, ist auch ziemlich schrecklich, darauf braucht man keine Energie verwenden.

Für viele junge Leute war Corona eine extreme berufliche Bremse. Wie hast du das beobachtet?

Corona hat viele junge Leute unglaublich getroffen. Viele meiner Freunde und Freundinnen haben 2020 angefangen zu studieren und waren sehr frustriert: Die haben sich gefreut, jeden Tag auf den Campus zu gehen, ein neues Leben zu beginnen, auszuziehen. Und dann ist alles den Bach runtergegangen, weil es nur Online-Uni gab und keiner in den Hörsaal durfte. 80 Prozent meiner Freunde und Freundinnen sind daraufhin zurück in ihre Heimat zu den Eltern gezogen, weil: Warum in der großen Stadt wohnen, wenn man dort sowieso nur am Rechner sitzt?!

"Das meiste, was da im Postfach landet, ist auch ziemlich schrecklich, darauf braucht man keine Energie verwenden."

Wie erlebst du die Menschen jetzt?

Ich bin am Ende sehr stolz auf uns junge Leute. Ich denke, wir haben das ganz gut gemeistert. Natürlich ist es schade, am Freitagabend nicht in den Club zu gehen, aber solange man weiß, warum, ist es für viele kein Problem. 90 Prozent der Generation Z hat Corona ernst genommen, glaube ich. Es gibt immer ein paar Idioten, aber der Großteil hat sich für die Gesundheit der Gesellschaft wirklich zusammengerissen.

Sind Influencer in dieser Isolation zu noch wichtigeren "Freunden" geworden?

Social Media wirkte gegen die Einsamkeit wie eine große Stütze. Was mir dabei besonders stark aufgefallen ist, ist, dass die älteren Generationen viel aktiver auf sozialen Netzwerken wurden. Wenn wir uns zum Beispiel TikTok anschauen, haben sich die Nutzerzahlen 2020 unglaublich in der Demografie nach oben gewandelt. Anfangs waren da nur die jungen Leute drauf. Sie haben TikTok entdeckt und groß gemacht. Mittlerweile schaut meine Oma TikToks und meine Mutter auch.

Echt jetzt?

Ja. Und das sind nicht die einzigen Älteren. TikTok ist in der Mitte der Gesellschaft voll angekommen. Deswegen glaub ich, dass nicht nur junge Leute sich in der Corona-Pandemie in die sozialen Netzwerke geflüchtet haben. Ich sage oft im Scherz: leider! Weil meine Eltern und meine Großeltern seitdem fast jeden Tag irgendwelche TikToks in die Familiengruppe schicken. Meine Familie hat außerdem Zoom-Calls für sich entdeckt. Fast wöchentlich saßen die alle beisammen im Zoom-Call und ich musste denen das nicht mal erklären.

"TikTok ist in der Mitte der Gesellschaft voll angekommen. Deswegen glaub ich, dass nicht nur junge Leute sich in der Corona-Pandemie in die sozialen Netzwerke geflüchtet haben. Ich sage oft im Scherz: leider!"

Du bist selbst politisch aktiv, vor allem in Sachen LGBTQ und Klimaschutz. Erlebst du die Generation Z insgesamt als besonders politisch?

Ich denke, jede Generation ist politisch. Mit Blick auf die Bewegungen in den 60-er und 70er-Jahren wäre es frech zu sagen, dass wir die Ersten sind, die sich politisch orientieren. Auch meine Eltern haben sich damals schon mit dem Klimawandel auseinandergesetzt. Aber die wirklichen Folgen wurden erst in den letzten Jahrzehnten in all ihrer Dramatik bekannt. Und dadurch wird eine Generation wie meine einfach nochmal stärker wachgerüttelt. Die Generation Z ist ja nicht extrem, wir gehen nicht freitags mit einem Molotow-Cocktail los und zünden Autos an. Aber wir haben zu Recht erkannt, auf welche Zukunft wir zusteuern und haben da keine Lust drauf.

Fabian beim Klimaprotest.
Fabian beim Klimaprotest.
Bild: privat

Was meinst du damit?

Wenn wir uns anschauen, was mit unserer Welt bei einer Erderwärmung von drei bis vier Grad passiert, ist es eine ganz logische Schlussfolgerung, dagegen auf die Straße zu gehen. Das ist keine kämpferische, aktivistische Haltung, sondern entspringt eher einer vernünftigen Selbstverständlichkeit. Ich glaube, wenn meine Eltern oder Großeltern heute zwanzig Jahre alt wären, würden sie genauso handeln. Mir ist wichtig, zu betonen, dass es bei dem Thema zwischen den Generationen kaum einen Unterschied gibt. Meine Oma hat genau die gleichen Ziele wie wir und treibt sich mit den gleichen Gedanken rum, wie ich das tue.

Wieder deine Oma. Die scheint ja auf dem Laufenden zu sein. Versteht sie deinen Beruf als Influencer?

Meine Oma ist technik- und Social-Media-affiner als manche 20-Jährige. Das ist auch gruselig in gewisser Hinsicht: Sie hatte schon einen YouTube-Account, als ich anfing, abonnierte mich und kommentierte alles. Ich hatte oft schon drei Minuten, nachdem ein Video online war, den ersten Kommentar von meiner Oma. Meine ganze Familie ist diesbezüglich ziemlich fit. Natürlich auch, weil die immer sehen wollten, was ich mache. Die waren alle ziemlich schnell auf Twitter, Instagram und YouTube unterwegs.

Du hast dir schon eine Karriere geschaffen. Was rätst du Leuten, die noch nicht ganz wissen, wohin mit sich?

In erster Linie sollte man sich keinen Stress machen. Ich bin mit meiner Berufsbiografie eine Ausnahme. Oft stresse ich damit unbewusst andere Leute, weil sie denken: "Wenn der das alles schon mit Zwanzig macht, dann muss ich das auch, warum häng ich da hinterher?" Das ist Quatsch. Ich dachte früher immer, ich muss Geld verdienen und erfolgreich werden. Inzwischen denke ich: Wenn man dem nachgeht, was einen begeistert und was einen antreibt, wird langfristig auch der monetäre Aspekt stimmen.

"Meine Oma ist technisch und Social-Media-affiner als manche 20-Jährige."

Und was ist dir wichtig?

Mir ist irgendwann klargeworden, dass ich Teil der Lösung sein will, nicht Teil des Problems. Wenn ich von Meeting zu Meeting mit Inlandsflügen unterwegs bin, dann bin ich Teil eines Problems. Es sollte Leuten klar sein, dass sie ihre politischen Ideen beruflich mitverfolgen können. Niemand muss für ein fragwürdiges Unternehmen arbeiten. Es ist besser, sich Zeit zu lassen für die elementaren Fragen: Was sind meine Werte? Was bin ich und wie will ich sein? Und wenn man seine Passion gefunden hat, muss man dranbleiben. Das habe ich selbst gemerkt: Manchmal muss man 110 Prozent geben und bis an die Grenze gehen. Aber kämpfen lohnt sich, wenn es wirklich das ist, was man will.

Im Rahmen der Telekom-Kampagne "futureproof" kann man auch einen Test per Web-App machen, der einem die persönlichen Stärken und damit verbundene Berufe aufzeigt. Was kam da bei dir raus?

Mein Ergebnis war: Ich bin ein kreativer Kopf. Wer hätte es gedacht? Das Ergebnis traf den Nagel ziemlich auf den Kopf. Mir wurden erstaunlicherweise lauter Sachen vorgeschlagen, die ich tatsächlich heute mache. Deswegen glaube ich, dass es sich für junge Leute in der Findungsphase lohnt, die Futureproof-Web-App mal durchzuspielen. Ob daraus am Ende ein Beruf wird, sei dahingestellt, aber schaden kann es nicht, ein paar Impulse und Inspirationen zu erhalten.

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