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Elyas M'Barek: Der 37-Jährige zählt zu den erfolgreichsten Schauspielern in Deutschland. Das bringt auch manchmal Schattenseiten mit sich, wie er im Interview verrät. Bild: imago images/ sven simon

Interview

Kino-Star Elyas M'Barek: "Mein Privatleben hat nichts in der Öffentlichkeit verloren"

Elyas M'Barek gilt als gefeierter Kino-Star. Seinen Durchbruch schaffte er mit "Türkisch für Anfänger". Mit den "Fack ju Göthe"-Filmen wurde der Trubel rund um seine Person so groß wie noch nie. Jetzt ist der Schauspieler an der Seite von Palina Rojinski und Frederick Lau wieder in einer Komödie zu sehen. In "Nightlife" geht es um das Nachtleben, die Liebe, falsche Leute und tiefe Freundschaft.

Im Interview mit watson spricht der Münchner über seinen neuen Film und die Freundschaft zu seinen Schauspielkollegen. Er spricht offen darüber, warum es im Rückblick nicht klug war, seine damalige Freundin der Öffentlichkeit zu präsentieren und erklärt, warum er aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.

watson: In "Nightlife" spielst du zum zweiten Mal mit Palina Rojinski und Frederick Lau. Wie gut muss man sich kennen, um vor der Kamera "echt" zu sein?

Elyas M'Barek: Es ist immer besonders, mit Freunden zu spielen. Es macht das Spielen leichter, weil Palina, Freddy und ich keine Scheu voreinander haben und uns gut genug kennen. Wir wissen, dass wir uns nie etwas übelnehmen würden. Ich kann beiden einfach alles erzählen und umgekehrt ist es genauso. Ich würde Palina und Freddy nie misstrauen.

Können im Show-Business, dem oberflächlicher Glanz und Schnelllebigkeit nachgesagt werden, auch tiefe Freundschaften entstehen?

Ja, die beiden sind schon seit Jahren dabei und machen das schon viel zu lange, um nicht zu wissen, dass wir alle nur mit Wasser kochen. Es ist total egal, was der andere macht oder dreht.

Wirklich?

Ja, wir sitzen nicht zusammen und sprechen über unsere Projekte. Wir sind eher privat. So normal wie jeder andere auch.

Das heißt, ihr zieht auch nach Drehschluss noch um die Häuser?

Mit Freddy hatte ich schon früh die eine oder andere Phase, wo wir viel miteinander rumgezogen sind, ja. Während dieser Zeit haben wir uns schon mal gegenseitig zur Seite genommen und gesagt, dass wir jetzt lieber mal woanders hingehen sollten – ohne ins Detail gehen zu wollen. (lacht)

Ihr habt euch also gegenseitig in schwierigen Situationen auch geholfen – so wie im Film auch?

Im Nachtleben geht es darum, Verantwortung für den anderen zu übernehmen. Gerade wenn man mit Freunden unterwegs ist, versucht der eine den anderen – wie auch bei uns im Film – in brenzligen oder peinlichen Situationen zu helfen. Freunde begleiten sich durch das Nachtleben und passen aufeinander auf, dass nichts passiert.

"Wenn ich zurückblicke, gehört das zu meinem Leben dazu. Zum Erwachsenwerden"

In "Nightlife" legt sich Frederick Lau mit den falschen Leuten an. Du hast in einem Interview mal erzählt, dass du früher selbst in schwierige Kreise geraten warst, mit Kumpels Ärger gemacht hast und viele von ihnen später im Gefängnis landeten. Wie reflektierst du heute diese Phase?

Im Film war es sehr krass und zugespitzt. Wenn ich zurückblicke, gehört das zu meinem Leben dazu. Zum Erwachsenwerden. Jeder wird sich an Situationen von vor 20 Jahren zurückerinnern, die man heute so nicht wiederholen würde. Alle erleben Dinge, die nicht so optimal sind. Daraus lernt man und macht es beim nächsten Mal besser.

Wie Filmrisse…

Ja, aber ich hatte nie welche. Wenn ich unterwegs bin, trinke ich ganz gerne mal einen. So wie jeder andere auch, denke ich. Trotzdem weiß ich, wann es genug ist. Es ist nie so, dass ich nicht mehr weiß, was los ist.

Im Nachtleben geht es auch oft darum, jemanden kennenzulernen. Was gehört für dich zu einem perfekten Date-Abend?

Im besten Fall habe ich danach das Gefühl, dass das jemand war, den ich danach noch mal wiedersehen möchte. Im schlechtesten Fall denke ich schon während des Dates, dass ich am liebsten nach Hause will. (lacht)

Was muss passieren, damit das nicht eintritt?

Für mich gehört Gelassenheit und Souveränität im Umgang dazu. Die Aufregung sollte charmant überspielt werden. Man sollte dem anderen Gegenüber das Gefühl geben, dass er sich fallen lassen kann und dass es keinen Grund dafür gibt, sich für die Situation zu schämen und es so erst gar nicht zu einer unangenehmen Situation kommt.

"Ich habe gedacht, dass wir einmal gemeinsam in die Öffentlichkeit gehen und dann privat unsere Ruhe haben. Das war ein Trugschluss"

Du bist nicht oft offiziell mit einer Frau an deiner Seite aufgetreten. 2016 hast du es dann mit deiner damaligen Freundin doch gemacht. Warum hast du dich so entschieden?

Damals hatte ich die Idee für den Auftritt, weil es eine Zeit lang immer Paparazzifotos von uns gab. Ich habe gedacht, dass wir einmal gemeinsam in die Öffentlichkeit gehen und dann privat unsere Ruhe haben. Das war aber ein Trugschluss. Ich habe daraus gelernt.

Wie meinst du das?

Ich möchte mein Privatleben noch strikter aus der Öffentlichkeit raushalten. Das hat dort nichts verloren. In dem Beruf gibt man sowieso schon sehr viel von sich preis und erzählt eine Menge über sich selbst. Da muss ich eine eventuelle Partnerin nicht reinziehen. Ich finde es wichtig, dass ich mein Privatleben und gewisse Dinge für mich behalte und nicht mit allen teile.

Dann wäre es einfacher, wenn der andere nichts mit der Öffentlichkeit zu tun hätte…

Das kann sein. Ich denke, es ist prinzipiell wichtig, ein Privatleben zu haben. Im Sinne von Privat. Das sagt das Wort auch schon. Ich verstehe nicht, dass Menschen Fotos von ihren eigenen Kindern oder ihrer Familie teilen. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, was die Leute alles in die Öffentlichkeit tragen. Da gibt es diverse Beispiele.

"Wenn man sein Leben mit allen teilt, macht es das nicht einfacher. Ich würde das jedenfalls nicht tun"

Das wäre also nichts für dich – in Zeiten von Instagram und Facebook?

Nein, gerade dann nicht. Es gibt Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und das machen. Ich bin erstaunt darüber, was sie alles preisgeben und mit fremden Menschen teilen. Ich glaube, dass diese Leute irgendwann an den Punkt kommen, wo sie das bereuen. Wenn man sein Leben mit allen teilt, macht es das nicht einfacher. Ich würde das jedenfalls nicht tun. Ich bin gern privat, obwohl ich auch Instagram habe.

Du hast im Moment mehr als 2,5 Millionen Follower. Wie viele Nachrichten bekommst du am Tag und durfte sich schon mal jemand über eine Nachricht von dir freuen?

Die meisten Leute nutzen Instagram, um jemanden kennenzulernen. Ich schaue mir die Nachrichten nicht an. Ich überfliege sie nur manchmal. Auf solche Direktanfragen antworte ich nicht und nehme das auch nicht ernst. Das ist eine sehr strange Situation. Die Menschen, die mir schreiben, kennen mich. Ich kenne sie aber nicht.

Du sagtest in einem Interview, dass deine Freunde über Instagram flirten.

Ja, für mich ist das allerdings nicht der richtige Ort. Ich nutze es nicht, um Frauen kennenzulernen. Ich kann aber nachvollziehen, dass die meisten Menschen mittlerweile Instagram als Flirttool nutzen.

"Ich habe mich mit den Jahren an die Prominenz und an die Rolle einer öffentlichen Person gewöhnt"

Wahrscheinlich trauen sich viele Frauen nicht, dich im echten Leben anzusprechen. Seit deinem Durchbruch mit "Türkisch für Anfänger" ist der Hype um deine Person ja nicht gerade klein.

Das kann sein. Ich selbst bin allerdings mit der Zeit gelassen geworden. Ich habe mich mit den Jahren an die Prominenz und an die Rolle einer öffentlichen Person gewöhnt. Ich nehme das nicht wirklich ernst. Aber ich respektiere das Ganze und finde es sehr schön, diesen Erfolg zu erleben.

Wie sehr hat er dich verändert?

Gar nicht. Ich bin dieselbe Person wie immer. Für mich hat sich im Grunde nichts geändert – außer, dass manche Leute mich auf der Straße erkennen oder meinen Namen wissen. Das ist immer noch total strange, wenn fremde Menschen meinen Namen rufen. Ich bin irritiert oder erschrecke mich manchmal. Ich weiß natürlich, warum das so ist, aber trotzdem ist es immer noch sehr unwirklich.

Klingt, als wärst du auf dem Boden geblieben. Wie schaffst du das?

Ich glaube es ist ganz ratsam, wenn Schauspieler nicht zu viel machen und nicht einen Film nach dem anderen rausbringen. Man sollte sich zurücknehmen und auf das nächste gute Projekt warten. Dann bleibt man auch auf dem Boden. (lacht)

Darum geht es in "Nightlife"

Kinostart: 13. Februar 2020

Elyas M'Barek spielt in seinem neuen Kinofilm Barkeeper Milo, der zusammen mit dem chaotischen Renzo (Frederick Lau) eine Bar aufmachen möchte. Im Nachtleben lernt er Sunny (Palina Rojinski) kennen. Ihr erstes Date steht dank Renzo unter keinem guten Stern, denn der muss noch eine alte Rechnung begleichen.

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