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Bild: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Interview

"Höhle der Löwen"-Investor Ralf Dümmel verrät, was Zuschauer im TV nicht zu sehen bekommen

Die sechste Staffel von "Die Höhle der Löwen" ist gestartet. Zurück im TV: Investor Ralf Dümmel. Im Interview mit watson verrät Dümmel, was einen wirklich guten Gründer ausmacht, was er privat von den anderen Löwen hält und welche Teile eines Pitches nicht im Fernsehen ausgestrahlt werden.

watson: Herr Dümmel, Sie ergattern in der "Höhle der Löwen" mit Abstand die meisten Deals. Welches Ihrer Produkte konsumieren oder benutzen Sie privat am häufigsten?

Ralf Dümmel: Ich benutze relativ viele Produkte aus meinen "Höhle der Löwen"-Deals. Alle passen jedoch nicht zu mir und meinem Leben, auch wenn ich inhaltlich von ihnen überzeugt bin. Ich habe zum Beispiel keine Haustiere – deswegen fällt das schon mal alles weg. Privat am meisten nutze ich Produkte für den Haushalt: den Rostschreck für die Spülmaschine zum Beispiel oder die Abfluss-Fee.

Manchmal hat man in Sendungen den Eindruck, die anderen Löwen ziehen sich schon mal raus – weil sie ganz genau wissen, dass am Ende der Dümmel zugreift. Warum sind Sie bei Investitionen so viel öfter dabei als Ihre Kollegen?

Ach, ich nehme das gar nicht so wahr. Es geht ja nicht um Zugreifen, sondern darum, einen Deal im Kampf gegen die anderen Löwen zu gewinnen.

Gerade in der neuen Staffel mit der neuen Löwen-Konstellation fallen diese Kämpfe untereinander auch gerne mal härter aus.

Da freue ich mich nur, wenn ich es am Ende bin, der den Zuschlag für den Deal bekommt.

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Die Löwen von links: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Ralf Dümmel, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Georg Kofler und Nils Glagau. Bild: www.imago-images.de

Und das ist ja recht oft der Fall. Bekommt man denn jedes Produkt irgendwie an den Kunden, solange Ralf Dümmel eine Fläche im Supermarkt dafür freiräumt?

Nein. Bei mir funktionieren viele Themen, aber es ist kein Lottogewinn samt Garantieschein, wenn ein Gründer Ralf Dümmel für sich gewinnt. Auch ich erlebe leider mit 30 Jahren Erfahrung immer noch, dass Produkte überraschend nicht funktionieren.

Wie oft kommt das vor?

Man sagt in der Startup-Szene, dass nur zehn Prozent der neuen Unternehmen es schaffen, zu überleben. Die Quote ist bei mir brutal hoch, bei ungefähr 60 Prozent. Das heißt aber trotzdem, dass 40 Prozent der Startups bei mir nicht funktionieren. Es gibt Artikel, die einen kurzfristigen Hype haben, aber nicht langfristig funktionieren.

Was ist "Die Höhle der Löwen"?

In "Die Höhle der Löwen" bekommen Gründer die Chance, ihr Startup vor einem Millionen-Publikum bei Vox zu präsentieren. Das Ziel: einen der fünf Investoren für sich zu gewinnen, der im Anschluss Geld in die Idee pumpt, so dass das Unternehmen möglichst groß und erfolgreich wird. Als Löwen in diesem Jahr sind dabei: Judith Williams, Georg Kofler, Frank Thelen, Nils Glagau, Dagmar Wöhrl, Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer. Die Sendung läuft dienstags um 20.15 Uhr auf Vox.

Was macht für Sie einen guten Gründer aus?

Leidenschaft. Eine gute Selbsteinschätzung – das ist manchmal ein schmaler Grat zwischen Begeisterung für das eigene Produkt und Überschätzung.

Ein Tipp, den ich meinen Gründern immer als erstes gebe, ist: Pass auf deine Kosten auf. Stell nicht zu viele Menschen gleich am Anfang ein, sonst wird es schwierig.

Und welche Kriterien muss ein Startup an sich erfüllen, ohne die Sie gar nicht erst investieren?

Erstmal muss es menschlich passen. Das ist der wichtigste Punkt. Ich kann nur mit Leuten erfolgreich werden, die ich mag, mit denen ich mich gut verstehe und Spaß bei der Arbeit habe.

Wenn dann zweitens der beste Gründer vor mir steht und das Produkt nicht passt, hilft das natürlich auch nicht. Wichtig ist für mich, dass das Produkt multichannel-fähig ist: Ich will keine Produkte, die ich nur online oder nur im Teleshopping verkaufen kann. Meine Expertise ist, Unternehmen breit aufzustellen und die Produkte für den Massenmarkt aufzubereiten.

Und gibt es auf der anderen Seite Dinge, auf die Sie weniger Wert legen als die anderen Löwen?

Andere Löwen sagen oft, der Preis des Produkts muss stimmen. Mir braucht kein Gründer einen Preis sagen. Da habe ich den Vorteil, dass ich das mein Leben lang mache und weiß, dass man Preise schon noch gesenkt bekommt.

Wie lange dauert es bei einem Pitch, bis Sie wissen, ob das Produkt ein Knüller oder ein Rohrkrepierer ist?

Der Pitch geht ja viel länger, als die Zuschauer es im Fernsehen sehen. Das ganze Prozedere dauert für ein Produkt circa eine bis eineinhalb Stunden. Im Normalfall bin ich mir nach fünf Minuten sicher, ob ich investieren möchte oder nicht.

Eineinhalb Stunden! Was sehen wir Zuschauer im Fernsehen alles nicht?

Ein schneller Pitch dauert eine Stunde, ein langer auch mal zwei. Die "Höhle der Löwen" ist keine Spendengala und auch kein Wohltätigkeitsverein. Deswegen geht man als Investor in die Tiefe bei vielen Themen.

Als Investor hast du 20 Fragen, die du immer stellst – egal, wer da vor dir steht. Wenn Vox das jedes Mal genauso ausstrahlen würde, würden die Leute vor dem Fernseher einschlafen.

Und welche Fragen sind das?

Wir schauen die Bilanz genau an. Ist das Unternehmen verschuldet? Gibt es Verbindlichkeiten? Wenn da welche bestehen, wird das ausgestrahlt. Ansonsten nicht. Selbstverständlichkeiten zeigt Vox nicht. Deswegen habe ich, wenn ich als Investor nachher die Ausstrahlung sehe, auch nicht das Gefühl, da würde irgendetwas fehlen.

Sie sprechen von sich als Investor – es geht für Sie also schlicht auch ums Geldverdienen bei der "Höhle der Löwen". Haben Sie denn finanziell bereits von der Show profitiert?

Es gibt schon jetzt Produkte, bei denen ich Geld verloren habe. Es gibt aber auch jetzt schon welche, mit denen wir Geld verdienen. Und ja, insgesamt habe ich als Investor profitiert von der Show. Wie viel unterm Strich hängen bleibt, wird sich erst auf lange Sicht zeigen.

Und wie lange wird das dauern?

Ob ein Produkt sich hält oder nicht, kann man erst nach fünf Jahren beurteilen. Tendenzen kann man schon früh sehen.

Unser Rostschreck beispielsweise funktioniert in Deutschland schon sehr lange. Dann ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass das auch international funktioniert. Aber bis man Gewissheit hat, das dauert.

Gibt es ein „Höhle der Löwen“-Unternehmen, bei dem sie mittlerweile bereuen, dass sie damals investiert haben?

Nein. Wenn ich so anfangen würde zu denken, dann würde ich aus Angst Deals verpassen, die dann sehr wohl erfolgreich werden. Mir tut das eher leid für die Gründer, die scheitern. Die setzen sich genauso ein wie andere, aber am Ende funktioniert es dann manchmal nicht.

Und an was liegt das dann?

Ich sage ja immer: Ich kann die Produkte reintragen in den Laden, aber raustragen kann ich sie nicht. Das tun am Ende über 80 Millionen Menschen in Deutschland, die über das Schicksal eines Produkts entscheiden.

Bei welchen Start-Ups aus der "Höhle der Löwen" ging es denn konkret schief?

Die Gründer wollen größtenteils nicht, dass das in die Öffentlichkeit getragen wird. Ein Beispiel, das schon öffentlich ist, ist der Pannenfächer aus meiner ersten Staffel. (Anm. d. Red: Wer sich den Fächer bei einer Panne auf das Auto stellt, kann dadurch mitteilen, was er gerade braucht: Brauche Benzin / Brauche Hilfe / Werde abgeschleppt etc. ) Da haben wir uns alle viel mehr versprochen, aber die Nachfrage war schlicht nicht da.

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Löwin Judith Williams Bild: www.imago-images.de

Unter den Löwen herrscht ja auch eine Konkurrenzsituation. Setzen Sie sich privat nach der Sendung trotzdem noch zusammen?

Nach der Sendung nicht, weil wir sehr lange drehen. Aber ich habe zu allen Löwen auch privaten Kontakt und treffe sie auch mal außerhalb der Sendung. Was ich aber selbst manchmal nicht glaube, wenn ich die Sendung sehe und unsere Kämpfe miteinander sehe.

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Frank Thelen (Foto) über Dümmel: "Ralf schätze ich sehr, ein wirklich guter Typ." Bild: www.imago-images.de

Ein paar Löwen sind bereits aus der Show ausgestiegen. Andere wie Frank Thelen oder Judith Williams teilen sich mittlerweile ihren Platz. Wann ist für Sie Schluss?

Ich denke von Staffel zu Staffel. Wenn Sie mich fragen, ob ich nächste Staffel wieder mitmache, dann kann ich Ihnen ganz ehrlich sagen: Ich habe keinen langfristigen Vertrag.

Wir gehen erst nach der Staffel in Gespräche. Dann mache ich mir Gedanken, ob ich weitermachen will – und Vox und die Produktionsfirma überlegen sich, ob sie mich überhaupt noch wollen.

Sie bewerten oft Gründer. Wie sieht es denn umgekehrt aus, wenn Sie sich selbst bewerten sollen?

Ich bin ja sehr vorsichtig und lasse gerne andere Leute beurteilen, was ich gut kann und was nicht. Wenn ich etwas rauspicken soll, dann würde ich Ehrgeiz und Leidenschaft als meine Stärken nennen. Stolz bin ich vor allem darauf, dass ich nach 30 Jahren immer noch jeden Tag glücklich in die Firma fahre.

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