Unterhaltung
Meinung

"The Masked Singer" floppt: Die ProSieben-Show ist nicht mehr zu retten

ARCHIV - 06.04.2024, Nordrhein-Westfalen, Köln: Moderator Matthias Opdenhövel steht in der ProSieben-Show "The Masked Singer" auf der Bühne. (zu dpa: ««Schlag den Star»: Matthias Opdenhövel  ...
Moderator Matthias Opdenhövel erlebt mit "The Masked Singer" gerade eine heftige Krise.Bild: dpa / Thomas Banneyer
Meinung

Heftiger "The Masked Singer"-Absturz: ProSieben-Show ist nicht mehr zu retten

17.04.2024, 07:20
Mehr «Unterhaltung»

Im Frühling 2019 vermeldete ProSieben seinen Mega-Deal: Der Sender hatte sich die Rechte an einer gewissen südkoreanischen Erfolgs-Show gesichert, in der Prominente hinter gewaltigen Masken versteckt Songs performen. Ein Rateteam muss die Identität entlarven, das Publikum rätselt mit.

Es geht natürlich um "The Masked Singer". Die Show hatte bei ihrem Start in den USA gerade einen riesigen Hype ausgelöst. ProSieben lieferte sich mit RTL einen heftigen Bieterkrieg um die Rechte für die deutsche Auswertung. Wie sich herausstellte, durchaus zu Recht.

Denn auch in Deutschland funktionierte "The Masked Singer" großartig. ProSieben und die Produktionsfirma Endemol Shine Germany adaptierten die Erfolgszutaten, installierten mit Matthias Opdenhövel den passenden Moderator und besetzten ein euphorisches Rateteam. Zudem traf die deutsche Version den süßlich-naiven Ton des Originals, der eine Gegennote zum in großen Teilen immer noch zynisch geprägten Privatfernsehen setzte.

"The Masked Singer": Vom Erfolg zum ProSieben-Sorgenkind

Staffel eins erreichte durchschnittlich 3,15 Millionen Zuschauer:innen. Doch vor allem Staffel zwei erwies sich Anfang 2020 als Lichtblick inmitten der Corona-Pandemie, auch ohne Publikum im Saal. Das Rätselraten um das Faultier (ist es wirklich Stefan Raab?) lenkte von Aerosolen und Superspreadern ab.

Doch seit Staffel fünf im Herbst 2021 befindet sich "The Masked Singer" in einem bedenklichen Quotensinkflug, der in der aktuell laufenden zehnten Staffel in einem Absturz mündete. Immer weniger Menschen interessieren sich für die einstige Erfolgs-Show. Was ist passiert?

Watson ist jetzt auf Whatsapp
Jetzt auf Whatsapp und Instagram: dein watson-Update! Wir versorgen dich hier auf Whatsapp mit den watson-Highlights des Tages. Nur einmal pro Tag – kein Spam, kein Blabla, nur sieben Links. Versprochen! Du möchtest lieber auf Instagram informiert werden? Hier findest du unseren Broadcast-Channel.

Von einst durchschnittlich 4,15 Millionen Zuschauer:innen in Staffel zwei rutschte "The Masked Singer" in Folge zwei der laufenden Staffel auf "die bisher niedrigsten Ergebnisse der Sendungshistorie", berichtet "DWDL". In Zahlen übersetzt heißt das: Nur noch 1,23 Millionen Menschen schalteten ein. Ein brutaler Wert, der keine Momentaufnahme darstellt. Seit 2021 verliert das Format schrittweise an Reichweite.

06.04.2024, Nordrhein-Westfalen, Köln: Die Figur "Der Babylöwe" steht in der Prosieben-Show "The Masked Singer" auf der Bühne. (zu dpa: «Hugo Egon Balder als große Kartoffel bei «T ...
Selbst die süßesten Kostüme helfen "The Masked Singer" gerade nicht.Bild: dpa / Thomas Banneyer

Und der Grund dafür ist leider offensichtlich: Zwei Staffeln "The Masked Singer" pro Jahr sind (viel!) zu viel. Der Sender hat sich so sehr in seinen Show-Coup verknallt, dass er sein Lieblingspferd lieber totreitet, anstatt ihm (und dem Publikum) mal eine Pause zu gönnen. Das Pferd läuft dann erstmal langsamer, bis es irgendwann aus Protest stehen bleibt – und schließlich umfällt. "The Masked Singer" befindet sich gerade im letzten Stadium.

Zugegeben: Auch in anderen Ländern, etwa den USA, läuft die Show zweimal im Jahr. Aber dort sind die einzelnen Ausgaben oft nur knapp über 40 Minuten lang – und nicht, wie hier, über drei Stunden.

ProSieben hat "The Masked Singer" ausgepresst, bis nichts mehr übrig war.

Klingt vielleicht gemein, aber: So gut oder so aufregend ist das "The Masked Singer"-Konzept nun auch wieder nicht. Ja, wirklich, wir halten es auch mal zehn Monate ohne putzige Kakerlaken und mysteriöse Dalmatiner in unserem Leben aus.

Eine Show wie "The Masked Singer" benötigt Pausen, in denen sie sich neu aufladen muss, um ihren Event-Charakter zu behalten. Das hat ProSieben offenbar nicht verstanden. Oder der Sender wollte einfach so schnell wie möglich so viel wie möglich aus der Show herauskratzen. Koste es, was es wolle.

Aber natürlich sieht der Privatsender die fatalen Zahlen und zog daraus Konsequenzen. In der Herbststaffel 2023 rutschte "TMS" erstmals unter zwei Millionen Zuschauer:innen durchschnittlich. Auf den nur vorläufigen Tiefpunkt reagierte ProSieben mit Änderungen:

  • Ruth Moschner ist nicht mehr Teil des Rate-Teams. Der Grund für ihr wohl nur vorübergehendes Ausscheiden ist nicht bekannt.
  • Schwerer ins Gewicht fiel eine Änderung am Konzept: Das Publikum kriegt jetzt zwei Enthüllungen pro Ausgabe. Hinter der Maske "Das Mysterium" steckt immer ein neuer Star. Das ist in etwa so clever, als würde man die Tore im Fußball größer machen, damit die Spieler:innen mehr Tore schießen können.

ProSieben gibt seinem lahmenden Pferd also gerade neue Hufeisen. Der Effekt blieb aber aus, wie die Zahlen in Folge zwei nach dem soliden Staffelauftakt zeigen. Vielmehr läuft der Sender nun Gefahr, das "The Masked Singer"-Erfolgsrezept mit sinnlosen Anpassungen zu verwässern. Das wird auf Dauer ebenfalls nicht gutgehen. Krisenfeste Event-Shows wie das Dschungelcamp leben nicht zuletzt von ihrer konzeptuellen Beständigkeit.

Eine (sehr!) lange Pause, ein "The Masked Singer"-Entzug, könnte die Lust an der Show vielleicht wieder wecken. Aber das kommt, aus ProSieben-Perspektive, wohl gar nicht infrage. Seit 2020 füllen zwei Staffeln pro Jahr das Programm. Die lassen sich nicht so einfach ersetzen.

Und sehr wahrscheinlich ist es selbst für diese Radikalmaßnahme mittlerweile schon zu spät. Zehn Staffeln hat "The Masked Singer" in fünf Jahren bereits eingesammelt. Das ist ein ganzes Show-Leben. Wir sind womöglich unwiederbringlich übersättigt.

Es tut weh, aber: Würde "The Masked Singer" nach dieser Staffel einfach für immer verschwinden, würde es wohl kaum jemand vermissen.

Kendall Jenner im Porträt: Ihre Größe, ihr Vermögen, Instagram und Bad Bunny

Sie wurde vor den Kameras vom Kind zur Frau. Seit sie denken kann, steht sie in der Öffentlichkeit. Und doch ist Kendall Jenner anders als der Rest des Kardashian-Clans. Denn: Sie ist im Hauptberuf nicht Reality-Star, sondern Model. Und sie zieht ihre Karriere ganz anders durch als ihre Schwestern.

Zur Story