Nach Kontroversen um Dave Chappelles neuer Stand-Up Show "The Closer" auf Netflix plant die Trans-Mitarbeitervereinigung eine Arbeitsniederlegung.
Nach Kontroversen um Dave Chappelles neuer Stand-Up Show "The Closer" auf Netflix plant die Trans-Mitarbeitervereinigung eine Arbeitsniederlegung.
Bild: www.imago-images.de / Picturelux

Netflix-Special sorgt für Kontroversen: Mitarbeiter drohen mit Streik

14.10.2021, 16:2414.10.2021, 16:30

Nachdem Dave Chappelles neue Stand-Up Comedy Show "The Closer" auf Netflix sowohl bei den Zuschauern als auch intern für reichlich Diskussionen und Empörung gesorgt hatte, planen einige Netflix-Mitarbeiter nun einen Streik.

Im neuen Netflix-Format "The Closer" zieht der US-Comedian Dave Chappelle über die Trans-Community her und hinterfragt offenbar sogar die Gültigkeit des Trans-Seins. So sagte er in seiner Stand-Up-Show unter anderem, dass das Geschlecht ein Fake sei.

Netflix soll Show aus Programm nehmen

Dies löste eine nicht ganz unerwartete Debatte aus, denn der 48-jährige Comedian hatte sich bereits bei früheren Auftritten kritisch gegenüber Transmenschen geäußert.

Die Kontroverse ging diesmal jedoch so weit, dass Netflix-Nutzer nach dem Auftakt der Show verlangten, dass das Streamingportal das Special aus dem Angebot nimmt. Auch die Bürgerrechtsorganisation "National Black Justice Coalition" (NBJC) hat sich hierzu zu Wort gemeldet: "Es ist zutiefst enttäuschend, dass Netflix Dave Chappelles faule und feindselige Transphobie und Homophobie zur Ausstrahlung zugelassen hat", sagte der Geschäftsführer von NBJC, David Johns, in einer Erklärung gegenüber dem englisch-sprachigen Filmmagazin "Deadline". Weiter fordert die Organisation: "Netflix sollte The Closer sofort von seiner Plattform nehmen und sich direkt bei der Transgender-Community entschuldigen."

Mitarbeitende kündigen Zusammenarbeit auf

Auch die Mitarbeitenden des Unternehmens sorgten für ordentlich Gegenwind. So kündigte die Produzentin von "Dear White People" Jaclyn Moore an, dass sie nicht mehr mit Netflix zusammenarbeiten wolle, da das Unternehmen "weiterhin unverhohlene und gefährliche transphobe Inhalte veröffentlicht und davon profitiert", wie sie auf Twitter teilte.

Im weiteren Verlauf der Kontroverse sorgte auch ein Twitter-Thread von einer – zwischenzeitlich ehemaligen –Softwareentwicklerin von Netflix, Terra Field, für Aufsehen. So schrieb sie, Chappelle attackiere die Transgemeinschaft und stelle die Gültigkeit des Transseins infrage. Dieser Tweet ging daraufhin viral und löste wiederum eine Diskussion über "cancel culture" und freie Meinungsäußerung aus.

"The Closer" bleibt auf Netflix

Brisant wurde es vor allem, als die Mitarbeiterin zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitenden vom Unternehmen suspendiert wurde. Allerdings nicht wegen ihres Twitter-Threads, sondern weil sie an einem Meeting auf Direktorenebene teilnehmen wollten, zu dem sie nicht eingeladen waren, wie die Plattform "The Verge" berichtete. Jedoch wurde Field, laut dem Bericht, inzwischen wieder eingestellt.

Kurz nachdem die Show "The Closer" online ging, stellten die Mitarbeitenden dem Management Fragen, wo das Unternehmen die Linie zur Transphobie ziehe. Der Netflix-Co-CEO Ted Sandaros antwortete am 8. Oktober daraufhin mit einer internen E-Mail, die ebenfalls "The Verge" vorliegt: Das Unternehmen werde das Sonderangebot nicht aufheben. Dem fügte er hinzu, dass er nicht glaube, dass in "The Closer" eine Grenze überschritten wurde.

Co-CEO Sarandos verschlimmert Situation

In einem zweiten Memo schreibt er später:

„Unsere Hoffnung ist, dass Sie sich enorm inspirieren lassen können, die Welt zu unterhalten, während Sie gleichzeitig mit Titeln leben, von denen Sie fest glauben, dass sie auf Netflix keinen Platz haben. Dies wird nicht der letzte Titel sein, bei dem sich einige von Ihnen fragen, ob Sie Netflix noch lieben können. Ich hoffe aufrichtig, dass Sie es können.“

Die Mitarbeiter von Netflix sind den Recherchen von "The Verge" offenbar außerdem der Meinung, dass Sarandos Kommentare zu "The Closer" die Situation nur noch weiter angeheizt haben.

Trans-Mitarbeitende legen Arbeit nieder

Dies veranlasste die Trans-Mitarbeitervereinigung von Netflix dazu, am 20. Oktober ihre Arbeit bei dem Streaminganbieter niederzulegen. Der Streik soll eine Protestaktion gegen die Aussagen von Co-CEO Ted Sarandos zu Dave Chappelles Comedy-Special darstellen.

Chappelles Special dürfte allerdings nicht der einzige Grund für diese Reaktion sein. Die Trans-Mitarbeitervereinigung von Netflix trifft sich bereits seit mehreren Jahren mit verschiedenen Führungskräften, um sie über Gefahren und Auswirkungen von transphoben Inhalten aufzuklären. Dabei geht es oftmals um die Tatsache, dass Regisseure Inhalte über transsexuelle Menschen erstellen, obwohl sie selbst nichts mit Transsexualität zu tun haben. Dies führe zu Desinformation und könne mehr schaden, als es aufklärt, wie das Online-Computer-Magazin "PC Games" schreibt. Demnach bleibt auch abzuwarten, ob der Streik den gewünschten Erfolg bringt. Dave Chappelles Show ist indes weiterhin auf Netflix verfügbar.

(lc)

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