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"Rentierbaby" bei Netflix: Wo ist die echte Martha? Wahre Geschichte erklärt

Die schockierende Netflix-Serie "Rentierbaby" beruht auf wahren Begebenheiten.
Die schockierende Netflix-Serie "Rentierbaby" beruht auf wahren Begebenheiten.Bild: Netflix
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"Rentierbaby": Wo ist die echte Martha? Die wahre Geschichte der Netflix-Serie

23.04.2024, 18:48
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Die Netflix-Serie "Rentierbaby" beginnt in einem Londoner Polizeirevier. Ein Mann will seine Stalkerin anzeigen, die ihn verfolgt und bedroht – seit sechs Monaten. Aber warum geht der Mann erst jetzt zur Polizei? In genau diese Frage taucht der Psycho-Thriller in den kommenden sieben Folgen ein.

Die Antworten, die Richard Gadd gibt, sind verstörend. Gadd fungiert in "Rentierbaby" gleichzeitig als Autor und Hauptdarsteller. Er gibt sich als ultimatives Sprachrohr der Geschichte her, denn sie ist ihm wirklich passiert. Zumindest so ähnlich.

Was genau an "Rentierbaby" wahr ist, wo die Serie womöglich von der Realität abweicht und was mit den echten beteiligten Personen passiert ist, erklären wir in diesem Artikel.

Worum geht es in "Rentierbaby"?

Donny Dunn ist ein erfolgloser Komiker, der sich mit einem Job als Barkeeper über Wasser hält. Aus Mitleid spendiert er einem weiblichen Gast einen Tee.

Die offensichtlich einsame Frau heißt Martha Scott und gibt sich als erfolgreiche Anwältin aus. Mit seiner Nettigkeit rennt er bei Martha offene Türen ein. Sie kehrt nun jeden Tag in den Pub zurück, um Zeit mit Donny zu verbringen.

Aus der anfangs harmlosen Bekanntschaft entwickelt sich eine (einseitige) Verliebtheit und später eine zunehmend gefährliche Besessenheit. Martha fantasiert sich eine Beziehung mit Donny zusammen, Abweisungen akzeptiert sie nicht, sie wird zu einem festen Teil seines Lebens. "Rentierbaby" ist dabei ihr Spitzname für Donny.

Das ist aber nur die oberflächliche Story der Serie. Es folgen nun Spoiler.

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Die ohnehin düstere Geschichte nimmt in einer langen Rückblende eine noch heftigere Wendung: Die Serie zeigt, wie Donny einem einflussreichen TV-Autor begegnet. Der ältere Mann lockt ihn in ein berufliches und emotionales Abhängigkeitsverhältnis und vergewaltigt ihn mehrfach.

Der echte Donny Richard Gadd sieht in den beiden Ereignissen einen klaren Zusammenhang: In seiner Perspektive rutschte er aus dem einen Missbrauchsverhältnis in das nächste – die Vergewaltigung bedingte sein Verhältnis zu Stalkerin Martha erst.

All das wirkt in der Serie extrem intensiv, eben weil Richard Gadd die Erlebnisse aus erster Hand schildert und aus seinem eigenen Erfahrungsschatz schöpft. Er nahm sich aber einige notwendige Freiheiten.

"Rentierbaby": Wo die wahre Geschichte von der Realität abweicht

Im Grunde hat sich die Geschichte von "Rentierbaby" in der Realität genauso abgespielt, wie in der Serie dargestellt. Nur Details wurden angepasst. So nannte sich Autor Richard Gadd in der Serie Donny Dunn. Auch die Stalkerin Martha Scott heißt in Wirklichkeit natürlich anders, dazu aber später mehr.

Donny ist in "Rentierbaby" zunehmend verzweifelt.
Donny ist in "Rentierbaby" zunehmend verzweifelt.Bild: Netflix

Richard traf die echte "Martha" im Jahr 2015, an dem Ablauf der Begegnung änderte er nichts: "Zuerst dachten alle im Pub, es sei lustig, dass ich eine Verehrerin hatte", sagte Gadd der "Times".

Aber "dann begann sie, in mein Leben einzudringen. Sie folgte mir, tauchte bei meinen Auftritten auf, wartete vor meinem Haus und schickte mir Tausende von Sprachnachrichten und E-Mails."

Jede der Nachrichten, die in "Rentierbaby" vorkommen, wurde genauso von der Stalkerin verfasst. Die Masse an Nachrichten belief sich auf:

  • 41.071 E-Mails
  • 350 Stunden Sprachnachrichten
  • 744 Tweets
  • 46 Facebook-Nachrichten
  • 106 Briefseiten

Gadd hat die Chronologie der folgenden Ereignisse anders angeordnet und sie "leicht angepasst, um dramatische Höhepunkte zu erschaffen" Er stellt jedoch heraus:

"Es ist emotional sehr wahr und aufrichtig. Ich wurde schwer gestalkt und schwer missbraucht. Aber wir wollten, dass es in der Sphäre der Kunst existiert und die Menschen, auf denen es basiert, schützt."

Mit dem letzten Satz deutet Gadd eine überaus empathische Verbundenheit zu seiner Stalkerin an, die von außen nicht immer nachvollziehbar ist.

Wo ist die echte Martha? Fans auf der Suche

In der Netflix-Serie eskaliert die Situation, als Donny Martha bei der Polizei anzeigt und ein Kontaktverbot erwirkt. Martha attackiert daraufhin Donnys Eltern und Bekannte.

In den letzten Momenten von "Rentierbaby" durchforstet Richard Gadds fiktionalisierte Version die tausenden Sprachnachrichten nach einer Martha-Aussage, die den Tatbestand einer Drohung erfüllt. Er wird fündig und Martha wird zu einer Haftstrafe von neun Monaten verurteilt. Fünf Jahre darf sie sich ihm nicht nähern.

Martha Scott wird in der Serie als tieftraurige Frau gezeichnet.
Martha Scott wird in der Serie als tieftraurige Frau gezeichnet.Bild: Netflix

Ob "Martha" auch in der Realität ins Gefängnis musste, lässt Richard Gadd offen. Gegenüber der "Times" sagte er, er wollte niemanden, der "psychisch derart krank ist, ins Gefängnis werfen." Die Situation habe sich mittlerweile aber "aufgelöst".

Seine sensible Haltung gegenüber der Stalkerin verdeutlicht Gadd in mehreren Aussagen. Dem "Independent" sagte er, wollte "Martha" in der Serie nicht als Monster zeichnen, denn: "Das System hat sie im Stich gelassen. [...] Ich kann nicht genug betonen, wie sehr meine Stalkerin ein Opfer ist."

Entsprechend wichtig war ihm, die Identität der Person zu schützen. Gegenüber "GQ" sagte Gadd: "Wir haben uns viel Mühe gegeben, sie so zu tarnen, dass sie sich selbst wohl nicht wiedererkennen würde." Was wir in der Serie sehen, sei "eine emotionale Wahrheit, kein faktengetreues Profil von jemandem."

Dass Zuschauer:innen der Serie nun versuchen, die echte Martha ausfindig zu machen, dürfte Gadd nicht gefallen. Fans spekulieren bei Social Media wirr über die wahre Identität der Stalkerin.

Sie wollen gar "Marthas Lachen" bei in einem echten Auftritt von Richard Gadd entdeckt haben, berichtete "The Tab". Ob da was dran ist, darf aber als mehr als fraglich bezeichnet werden.

Alle sieben Folgen von "Rentierbaby" sind bereits bei Netflix zum Streamen abrufbar.

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