Markus Söder weist Sandra Maischberger auf ihren Fehler hin.
Markus Söder weist Sandra Maischberger auf ihren Fehler hin.bild: screenshot ard
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"Maischberger": Markus Söder stellt Moderatorin bloß – "Stimmt das, was Sie sagen?"

10.09.2022, 10:43

Es gibt Politiker, die bei unangenehmen Fragen ausweichen und sich wegducken. Und dann gibt es den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der gern altväterlich berichtigt ("Schaun's... ") oder zum Angriff übergeht. Bei Sandra Maischberger beharrte er immer wieder aufs Ausreden, auch wenn er die Fragen der Moderatorin wenig elegant zu umschiffen versuchte. Und einmal stellte er sie wegen eines Versprechers ziemlich überheblich bloß.

Diese Gäste waren im Studio:

  • Markus Söder, CSU, Bayerns Ministerpräsident
  • Matthias Maurer, Astronaut
  • Hubertus Meyer-Burckhardt, TV-Produzent und Autor
  • Mariam Lau, politische Korrespondentin der "Zeit"
  • Vassili Golod, Ukraine-Korrespondent der ARD

Ob er denn jetzt "Team Gaudi" sei, weil das Münchner Oktoberfest ohne Masken stattfindet, will Sandra Maischberger gleich zu Beginn vom bayerischen Ministerpräsidenten wissen. Markus Söder hatte sich während der Pandemie lange zum "Team Vorsicht" gezählt, nun sei er "Team angemessen", sagt er. Es sei eine andere Zeit innerhalb der Pandemie.

Es gebe Impfungen und Medikamente. "Ich habe jetzt keine großen Bedenken." Er findet auch, dass man die Corona-Quarantäne verkürzen solle und nach der Maske im Flugzeug auch die im Zug abschaffen sollte. Söder resümiert:

"Lassen wir den Menschen etwas mehr Eigenverantwortung und Eigenschutz."

Söder hält Atomkraft jetzt für notwendig

Aktuell sind die Energiepreise das bestimmende Thema, wogegen die Pandemie etwas in den Hintergrund getreten ist. Trotz Rekordstrompreis und Gasmangel will Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) von den drei verbliebenen Atomkraftwerken in Deutschland nur zwei bis Mitte April 2023 und auch nur als Notreserve betreiben. "Die Entscheidung von Habeck ist falsch, nicht nachvollziehbar", urteilt Söder. Die AKW könnten den Strom für 10 Millionen Haushalte liefern, ohne sie bestehe die Gefahr, dass das Netz zusammenbreche.

2021 hatte sich Söder noch gegen Atomkraft ausgesprochen wegen des grundsätzlichen Restrisikos. Maischberger konfrontiert ihn mit einer Aufzeichnung. Doch Söder lässt sich äußerlich nicht aus der Ruhe bringen: Da sei es nur um das AKW "Isar 1" gegangen, das sei nicht sicher gegen Flugzeugabstürze gewesen, wiegelt Söder ab, und schießt stattdessen gegen die aktuelle Bundesregierung: Seit Monaten werde mit Unwahrheiten und Unkenntnis Politik gegen den Weiterbetrieb der deutschen AKW gemacht, trotz der Notlage. Der TÜV habe die Sicherheit bestätigt und Personal stehe zur Verfügung. Grundsätzlich sei er auf längere Sicht auch noch immer gegen Atomstrom.

Als Sandra Maischberger nach seinen Versäumnissen in Bayern bei den erneuerbaren Energien fragt, wischt er das beiseite. “Es geht nicht darum, was war, sondern, was jetzt ist." Doch sie lässt sich nicht so einfach abwimmeln. "Ich gebe ihnen jemanden, auf den Sie antworten müssen", kündigt Maischberger einen Einspielfilm an. Doch Söder kontert pikiert: "Nicht müssen: können!", und schaut dann den Ausschnitt aus Olaf Scholz' Wutrede gegen die verfehlte Energiepolitik der Union bei der Generaldebatte im Bundestag an.

Söder stellt Maischberger bloß

Als Maischberger fragt, warum er nicht 2015 auf die bayerische "Umweltministerin" Ilse Aigner (CSU) gehört habe, als sie mit Söder im Kabinett Seehofer II Nord-Süd-Stromtrassen für erneuerbare Energien vorantreiben wollte, fragt Söder: "Stimmt das, was Sie jetzt gerade sagen?" Die Moderatorin stutzt angesichts der ungewöhnlichen Frage, guckt auf ihre Moderationskarte und korrigiert ihren Versprecher. "Energieministerin, Entschuldigung."

Triumphierend zeigt Söder mit dem Zeigefinger auf Maischberger: "War falsch!" Als ein Geraune durchs Publikum geht, schiebt Söder noch hinterher: "Ich will doch nur helfen, dass nicht hinterher der Faktencheck durcheinander kommt." Maischberger fragt: "Scheint Sie zu treffen?", und Söder antwortet: "Nein, aber Sie scheint es zu treffen, dass die Recherche nicht stimmt!". Er habe ja Trassen gewollt und auch beschlossen. Gebaut sind sie allerdings noch nicht.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder findet das 9-Euro-Ticket unwichtig.
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder findet das 9-Euro-Ticket unwichtig.bild: screenshot ard

Und als Maischberger nochmal nach der Verantwortung der vergangenen Regierung fragt, übt er sich in genereller Journalistenschelte. "Im Moment brennt die Hütte in Deutschland und ihr fragt: Was habt ihr vor sieben Jahren gemacht?" Er glaubt auch nicht, dass vorhandene Stromtrassen nun dazu führen würden, dass wir keine Probleme hätten.

Söder schießt gegen Habeck

Spöttisch merkt Söder an, dass in der "Maischberger"-Ausgabe am Vortag ja gut dargestellt worden wäre, wie keine Energie zu keiner Insolvenz führe. Eine eindeutige Stichelei gegen Robert Habecks unglücklichen Auftritt bei Maischberger. Mit seinen Ausführungen zu möglichen Geschäftspausierungen wegen Gasmangel im Herbst, die ja nicht zwangsläufig Insolvenzen seien, erntete der Wirtschaftsminister einen Shitstorm.

So etwas fürchtet Söder nicht. Er empfindet den Nachfolger des beliebten 9-Euro-Tickets als "die am wenigsten wichtige Frage der Entlastung", für die ländlichen Räume habe das Ticket keine Bedeutung.

In der Kurzfragerunde lernen wir dann noch, dass er Old Shatterhand lieber als Winnetou mag und stolz auf seine Tochter Gloria-Sophie ist, die als Model auf dem Cover der türkischen Vogue zu sehen ist. Und in der Raumfahrt würde er am liebsten zum Mars fliegen. "Dann kommen Sie ja nie wieder", frotzelt Maischberger und Söder steigt drauf ein. "Das würde Sie ja... das würde einige doch sehr freuen. Für andere wäre es aber langweilig." Und da hat er auch wieder Recht.

Atomkraft und Scholz' Wutrede

Sandra Maischberger (re.) und ihre Kommentatoren Vassili Golod, Mariam Lau, Hubertus Meyer-Burckhardt (v. li.).
Sandra Maischberger (re.) und ihre Kommentatoren Vassili Golod, Mariam Lau, Hubertus Meyer-Burckhardt (v. li.).bild: screenshot ard

Maischbergers Experten diskutieren vor allem Scholz' Wutrede und die Rolle der AKW in der Energiekrise. TV-Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt versteht das 65-Millionen-Euro Hilfe-Paket nicht wirklich in seiner Wirkungsweise, gibt er zu. Aber als Gutverdiener hätte er nichts gegen eine "zeitlich befristete Vermögensabgabe".

Mariam Lau, politische Korrespondentin der "Zeit", findet, des Kanzlers wütende Reaktion auf Friedrich Merz' (CDU) Angriff im Bundestag war "ein bisschen so, als hätte Merz einen Defibrilator" bei Scholz angesetzt. "Das war gut." Schlecht findet sie hingegen die Idee, die AKW abzuschalten.

Vassili Golod, Ukraine-Korrespondent der ARD, fühlt sich bei Scholz und Merz Reden "an Battlerap erinnert – es ging ordentlich zur Sache". Obwohl er in der Nähe von Tschernobyl geboren wurde und in Deutschland neben einem Atomkraftwerk aufgewachsen ist, ist sein Urteil zur Atomkraft in dieser Lage eindeutig: "Die Technologie ist nicht zukunftsfähig, aber jetzt muss sie erst einmal weitergehen."

Kriegsausbruch aus dem All gesehen

Astronaut Matthias Maurer erlebte den Angriff Russlands im All.
Astronaut Matthias Maurer erlebte den Angriff Russlands im All.bild: Screenshot ard

Söder will zum Mars, Matthias Maurer ist immerhin als 12. deutscher Astronaut mit 28.000 km/h ein halbes Jahr um die Erde gekreist. 22 Stunden hat der Flug zur Internationalen Raumstation gedauert. Es sei "ein Erwachsenentraum gewesen".

Gemeinsam erlebte die internationale Besatzung den Beginn des Kriegs im All. "Als Astronaut denkt man, man ist diesen Problemen der Welt enthoben." Doch dann habe er in der Nacht vom Kriegsbeginn die Ukraine als einziges Land neben Nordkorea ohne jedes elektrische Licht gesehen, nur von den Raketenblitzen erhellt. Das Bild habe sich ihm eingeprägt.

Zur Besatzung gehörten auch Russen. Beim Thema Krieg hat sich die Mannschaft auf einen Minimalkonsens verständigt:

"Wir sind alle gegen Krieg, das war gar keine Frage."

Maurer rechnet in den nächsten zehn Jahren mit einer neuen Mondlandung. Die Flugzeit zum Mars würde bis zu zwei Jahre betragen, oder "eine halbe Legislaturperiode", wie er mit Blick auf Söders Wunschrouting sagt. Der hatte den Astronauten hinter den Kulissen abgepasst und nach der Länge der Reise gefragt. Aber das wäre ohnehin erst eine "Aufgabe für die nächste Astronauten-Generation", ist sich Maurer sicher.

(Ark)

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