"Leider kein Witz": Putins Russland hat sich ernsthaft um die Ausrichtung einer der nächsten Fußball-EMs beworben.
"Leider kein Witz": Putins Russland hat sich ernsthaft um die Ausrichtung einer der nächsten Fußball-EMs beworben.zdf

"heute-show": "Putin, steck dir deine Rohstoffe sonstwohin!"

Ist "Wladimir, der Schreckliche" gar kein Vorzeige-Diktator? Die "heute-show" (ZDF) jedenfalls äußerte Zweifel an der Vorbild-Tauglichkeit der "despotischen Lüsterklemme" für "angehende Jung-Diktatoren und Tyrannen". Böser Humor in üblen Zeiten. Aber mit Biss.
26.03.2022, 15:05
Jürgen Winzer

Natürlich ist die Waffe deutschen Humors, und sei er noch so bissig, gegen einen Tyrannen in den Weiten Russlands stumpf. Ungefähr so wie die angeblich in "schimmeligen Behältern" gelagerten Waffen, die Deutschland – aus alten DDR-Beständen? – an die Ukraine lieferte. Aber nicht ganz so peinlich ... Hat Putin überhaupt etwas Positives bewirkt? Ja, meinte Moderator Oliver Welke an diesem Freitag und verwies auf die neue Einigkeit der NATO. Beim Spiel "Putin gegen den Rest der Welt" strotze die "Ü70-NATO vor Energie und Abwehrbereitschaft", einen Monat nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. Mal sehen, ob die UEFA ähnlich abwehrbereit ist: Denn Russland hat sich tatsächlich für die Ausrichtung einer Fußball-EM 2028 oder 2032 beworben. "Kein Witz, obwohl ich wünschte, es wär einer", so Welke.

"Die NATO sprüht vor Energie und Abwehrbereitschaft", stellte Oliver Welke fest. Ein Verdienst von Putin und seiner Kriegstreiberei.
"Die NATO sprüht vor Energie und Abwehrbereitschaft", stellte Oliver Welke fest. Ein Verdienst von Putin und seiner Kriegstreiberei.zdf

"Die Freiwilligen helfen und der Bund macht sich nen schlanken Fuß!"

Natürlich: Keine EM in Russland, wenn's nach der "heute-show" geht. Und auch keine Öl- und Gaszahlungen aus Deutschland mehr an Russland, und schon gar nicht in Rubel. "Wir sollten sagen: Steck dir deine Rohstoffe sonstwohin", wurde Welke laut. Begründung: "Schließlich haben wir ihn mit Nordstream 2 ermutigt, immer aggressiver zu werden." Welke weiß, dass eine solche klare Reaktion der Regierung eher nicht kommt. Es gibt ja auch (wieder) bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise Probleme. "Alle Hüte ab vor den vielen freiwilligen Helfern", stellte Welke lobend klar, aber auch: "Aber der Bund macht sich nen schlanken Fuß."

Will heißen: Es fehle erneut der Überblick. Die Freiwilligen praktizierten "Wir schaffen das!" – zwei Drittel der 230.000 ukrainischen Flüchtlinge wurden privat untergebracht – und der Bund lasse seine privaten Helden im Stich. Welke: "Nach einem Monat Krieg gab es noch immer keinen nationalen Krisenstab. Die Privatleute, die Ukrainer aufnehmen, bekommen vom Staat keine Unterstützung."

"Ein schlecht frisierter Diktator ist ein schlecht gelaunter Diktator"

Damit bekleckert man sich nicht mit Ruhm. In akute "Shitstormgefahr" seien aber auch deutsche Firmen geraten, die sich nicht aus dem Russland-Geschäft zurückzogen. Valerie Niehaus und Holger Stockhaus berichteten live von der "Friedensgala" aus der "Gliss Hair Repair-Arena" aus Düsseldorf, bei der diese Firmen, die "Geschäfte für den Frieden" machten und trotz Krieg "den Gesprächs- und Geschäftsfäden nicht abreißen" ließen, gefeiert wurden. So etwa Henkel aus Düsseldorf, nach dessen Produkt die Austragungsstätte benannt wurde. Henkel liefere mit elf Werken in Russland nach wie vor Shampoo oder Haarkosmetikprodukte. Das sei eminent wichtig, so Niehaus, denn: "Denn ein schlecht frisierter Diktator ist ein schlecht gelaunter Diktator." Metro hat noch mehr Läden in Russland am Laufen – 93. In der Ukraine gibt es auch welche, die seien allerdings nicht mehr offen.

Vollnuss für die deutsch-russische Freundschaft?

Auch Ritter Sport habe seinen zweitwichtigsten Markt nicht aufgegeben. Niehaus: "Kaum etwas hat mehr für die deutsch-russische Freundschaft getan als die dunkle Vollnuss aus Baden-Württemberg." Man könne, so Niehaus, "zwar in Russland keinen Frieden kaufen", dafür aber deutsche Mähdrescher aus dem Hause Claas. Das Motto gab es sogar als Gesangseinlage. Zu John Lennons Friedensklassiker "Give Peace A Chance" ertönte ein neuer Refraintext: "Scheiß auf's Embergo, give business a chance. Wir brauchen die Kohle, give business a chance."

Aber trotz all der Schrecken: Taugt Putin vielleicht als Diktatur gar nichts? Diese Meinung vertrat Friedrich Küppersbusch, der Nachwuchsdiktatoren "auf dem Weg zu Weltherrschaft und ewiger Tyrannei" davon abriet, Putin als Vorbild zu verwenden. Die Selbstinszenierung der "despotischen Lüsterklemme" aus Russland sei "so vogue wie ein Selfie mit einem Pfund Hackfleisch", außerdem: "Sein Unsex-Style sieht aus wie eine geplatzte Blutwurst."

"Der Lindner Schwindler": Kann Finanzminister Lindner zaubern? Denn nur so könnte er den Haushalt 2022 tatsächlich ohne Schulden einhalten.
"Der Lindner Schwindler": Kann Finanzminister Lindner zaubern? Denn nur so könnte er den Haushalt 2022 tatsächlich ohne Schulden einhalten. zdf

Neue Serie bei Netflix: "Der Lindner Schwindler"

Die Selbstinszenierung eines anderen, hiesigen Gesellen funktioniere dagegen viel besser. Finanzminister Christian Lindner sei es immerhin gelungen zu beweisen, dass es nicht auf die Größe ankommt: Mit seiner kleinen FDP ziehe er die größeren Koalitionspartner beständig über den Tisch. "Klar", so Welke, "in einer Koalition muss jeder Kröten schlucken." Die SPD im sozialen Bereich (etwa der Kindergrundsicherung und dem Bürgergeld, die beide im Koalitionsvertrag standen, jetzt aber im Haushalt 2022 nicht mehr auftauchen) und die Grünen bei der Rüstung. "Nur die FDP muss keine Kröte schlucken."

Im Gegenteil: Während Wirtschafts- und Energieminister Robert Habeck völlig "ungrün" durch die Weltgeschichte reist und Energie bei allen möglichen nichtrussischen Autokraten einkauft "wie eine Ein-Mann-Drückerkolonne" (Matthias Matschke), lächelt Lindner listig und macht sogar das, was er im Wahlkampf noch hämisch Habeck vorwarf: Er erfindet neue Wörter für Schulden. Dabei, so Welke, sei der gerade präsentierte Haushalt für 2022 "schon komplett für die Tonne". Um die Schuldenbremse einzuhalten, müsse man zaubern können. "Lindner, steh dazu!", rief Welke dem obersten Finanzjongleur und Wortklauber zu. Das Thema habe sich schon bis Hollywood durchgesprochen, wo eine Netflix-Serie in Arbeit sei. "Der Lindner Schwindler" beleuchte demnächst die entscheidende Frage: "Kann sich die unschuldige, naive Ampel jemals aus dem gelben Würgegriff befreien?"

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