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Sina Trinkwalder ist Gründerin des Augsburger Textilherstellers Manomama. Bild: screenshot zdf

"Ich krieg echt fast Blutdruck": Unternehmerin entrüstet über Wirtschaftsminister Altmaier

Nach rund einem Jahr Corona-Pandemie und zwei strengen Lockdowns stehen immer mehr Unternehmen knietief im Dispo – und das ohne Aussicht auf Öffnung. Der Unmut bei vielen Unternehmern ist deshalb groß. Dies zeigte sich auch am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner". Die Moderatorin diskutierte mit ihren Gästen zum Thema "Zahlen sinken, Ungeduld wächst – wie lange bleibt der Laden noch dicht?"

Während diese Frage als solche ganz unbeachtet blieb, ging es bei einem anderen Thema gleichwohl heißer her: die Wirtschaftshilfen. Als es um die stockende Auszahlung der Überbrückungshilfen und Gelder an Unternehmen ging, geriet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ins Kreuzfeuer. Unternehmerin Sina Trinkwalder platzte der Kragen.

Das waren die Gäste bei "Maybrit Illner" am 18. Februar 2021:

"Maybrit Illner": Altmaier auf verlorenem Posten

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Peter Altmaier ist seit 2018 Bundesminister für Wirtschaft und Energie im Kabinett Merkel. Bild: screenshot zdf

Peter Altmaier (CDU) hatte keinen leichten Stand an diesem Abend bei "Maybrit Illner" – eine gute Figur machte er aber auch nicht. Als einziger politischer Entscheidungsträger auf Bundesebene musste sich der Bundeswirtschaftsminister nicht nur der Frustration der Unternehmer stellen, sondern auch der Kritik über die Versäumnisse bei der Auszahlung von Wirtschaftshilfen.

Altmaier versuchte es mit seiner gewohnten Strategie: Ruhig und lässig die politischen Fehler relativieren und die Verantwortung für falsches Handeln – wider seiner Behauptung – in einer Art Blame Game einfach an andere abschieben.

Und das klang dann ungefähr so: Als Wirtschaftsminister sei Altmaier zwar für die Wirtschaft aber eben auch für die Frage von Todes- und Infektionszahlen verantwortlich. Deutschland habe in der Corona-Pandemie zwar Fehler gemacht, aber in anderen Ländern seien mehr Menschen erkrankt und gestorben. Der Bund habe zwar noch nicht alle Hilfen an Unternehmer ausgezahlt, doch das sei zum Teil ja auch Ländersache.

"Welt"-Journalistin Dagmar Rosenfeld kritisiert Corona-Politik

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Journalistin Dagmar Rosenfeld leitet seit 2019 die Chefredaktion der Zeitung "Die Welt". Bild: screenshot zdf

Peter Altmaier hatte offenbar nicht mit Gegenrednerinnen wie Journalistin Dagmar Rosenfeld und Unternehmerin Sina Trinkwalder gerechnet. Gleich zu Beginn, als der CDU-Politiker von einer undefinierten Vision über Öffnungen von Geschäften sprach, wies ihn Dagmar Rosenfeld in die Schranken. Sie stellte klar:

"Von Visionen kann sich keiner was kaufen. Es fehlt nach wie vor an Konzepten, wie geöffnet werden kann."

Rosenfeld nannte es ein "Versäumnis aller politischen Verantwortlichen", keine nennenswerten Alternativen zur Lockdown-Strategie entwickelt zu haben – und dazu gehört eben auch Peter Altmaier. Wie die Zahlung der Hilfen an Unternehmen gelaufen ist und immer noch läuft, bezeichnete die "Welt"-Chefredakeurin als "unverzeichlich".

Dass Peter Altmaier beim Versuch eines Widerspruchs die Journalistin Rosenfelder statt Rosenfeld nannte, half seinem Standing nicht unbedingt. Während Moderatorin Maybrit Illner feststellte "Sie wollten unbürokratisch und schnell helfen. Dieses Versprechen haben Sie gebrochen" wippte Sina Trinkwalder bereits ungeduldig auf ihrem Stuhl und wartete auf ihren Kritik-Einsatz.

"Ich krieg echt fast Blutdruck": Unternehmerin Sina Trinkwalder

Als die Gründerin des Textilunternehmens Manomama endlich an der Reihe war zu sprechen, machte sie ihrem Ärger wortwörtlich Luft: "Ich krieg echt fast Blutdruck", erklärte Trinkwalder. Von den Wirtschaftshilfen, so bemängelte sie wütend, würden vor allem große Unternehmen wie VW und Daimler profitieren.

Trinkwalder erklärte: "Ich habe das Gefühl, nur ein Einziger ist hier voll im Lockdown und das ist das Wirtschaftsministerium. Und zweitens das Finanzministerium." Die Strategie dieser Ministerien sei lieber nichts zu tun als das Falsche – und das sei in dieser Situation nicht das Richtige.

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Die ehemalige Eiskunstläuferin und Unternehmerin Katarina Witt sprach sich für die Öffnung der Geschäfte aus. Bild: screenshot zdf

Doch was wäre denn das richtige Handeln? Dies vorzustellen, dafür war an diesem Abend ein Anderer, neuerdings beliebter Talkshow-Gast, zuständig: Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos).

Er erzählte derart überzeugend von seinen Strategien, dass Olympiasiegerin Katarina Witt schon früh erklärte: "Herr Madsen hat eigentlich alles gesagt. Wir können alle nach Hause gehen." Die Gäste blieben selbstverständlich im Studio – hoffentlich haben sie auch gut aufgepasst.

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