Moderator Frank Plasberg machte eine klare Ansage an einen seiner Gäste.
Moderator Frank Plasberg machte eine klare Ansage an einen seiner Gäste. bild: screenshot ard
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"Hart aber fair": Plasberg spottet über Gast – "Nennen Sie das vorbereitet?"

21.06.2022, 08:25

Der erste richtige Urlaub nach der Pandemie werde chaotisch, voll und auch teuer, sagt Frank Plasberg. Mit seinen Gästen diskutiert der Talkmaster in der letzten Sendung vor der Sommerpause, wie der Urlaub mit der von Corona gebeutelten Tourismusbranche klappt. "Flugausfälle, Personalmangel, Teuerurlaub: Ist das Ferienchaos noch vermeidbar?", lautet das Thema mit folgenden Gästen:

  • Claudia Müller, B'90/Grüne, Koordinatorin der Bundesregierung für Tourismus
  • Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL)
  • Amelie Fried, Moderatorin und Buchautorin
  • Ute Dallmeier, Präsidiumsmitglied "Deutscher Reise-Verband" (DRV)
  • Dirk Schümer, Europakorrespondent "Die Welt"
  • Im Einzelgespräch: Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW

Flugannullierungen sorgen derzeit für Schlagzeilen und verunsichern die Urlauber nur wenige Wochen vor den großen Ferien. Mit Matthias von Randow, dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, hat sich Frank Plasberg jemanden eingeladen, der das erklären können sollte. Von Randow setzt auch an – und erklärt dann langwierig, dass die Fluglinien gut vorbereitet waren und sind.

Plasberg geht Gast an

"Nennen Sie das vorbereiten? Ist das vorbereitet?", fragt ihn Frank Plasberg in einer Mischung aus spöttisch und irritiert. Und so zurechtgewiesen weicht von Randow kurz von seiner Strategie ab und bemerkt völlig richtig: "Der Luftverkehr hat ja praktisch zwei Jahre lahmgelegen." Noch Anfang des Jahres sei von der Politik noch die Maxime verbreitet worden: "Bleibt zu Hause."

Matthias von Randow, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), hat die Ruhe weg.
Matthias von Randow, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), hat die Ruhe weg.bild: ard screenshot

Dagegen redet Claudia Müller (Grüne), Koordinatorin der Bundesregierung für Tourismus, leicht an. Die neue Regierung habe "schon frühzeitig klar gemacht, dass es unser erklärtes Ziel ist, dass es nicht mehr zu Reiseeinschränkungen kommt".

Trotzdem sind laut Randow viele Angestellte von den angeschlagenen Airlines in der Corona-Zeit in die boomende Logistikbranche gewechselt. Mittlerweile sucht die Luftverkehrswirtschaft Mitarbeiter auch im Ausland: 2000 türkische Kräfte stünden bereit, um bei der Abfertigung von Flugzeugen zu helfen, dafür bräuchte es aber eine staatliche Ausnahmegenehmigung. Der Antrag liege bereits beim Verkehrsministerium, sonst müsste in jedem Fall einzeln geprüft werden, ob es keinen gleich geeigneten Bewerber auf dem deutschen Arbeitsmarkt gebe.

Und als Randow wieder anfängt zu erklären, dass man Flüge annuliere, "um Kapazitäten aus dem System herauszunehmen, weil an einigen Stellen, die Kapazität nicht da ist", etwa bei den Sicherheitskontrollen, winkt Plasberg ab. "Is n bisschen unfair, Sie kriegen alles ab, aber Sie können es auch ab." Und da hat er von Randow genau richtig eingeschätzt. Der Lobbyist lächelt trotz Gegenwind praktisch die ganze Sendung durch. Und lobt dann noch großzügig den erstaunten Moderator. "Sie machen das doch gut – ist doch klasse."

Reisebüro-Besitzern Ute Dallmeier
Reisebüro-Besitzern Ute Dallmeierbild: Screenshot ard

Warum so viele Flüge annulliert werden, versteht aber nicht einmal Ute Dallmeier. Und die ist Präsidiumsmitglied beim "Deutschen Reise-Verband". Zumal gerade bei Pauschalreisen ja Kontingente schon langfristig gebucht worden seien.

Bei den Kunden bemerkt sie eine zurückkehrende Reisefreude, allerdings sei das Buchungsvolumen nur etwa 70 Prozent so groß wie vor der Pandemie. Sie selbst musste in ihren vier Reisebüros niemanden entlassen, aber sieben Mitarbeiter seien von sich aus in andere Branchen gewechselt aus Frustration.

"Wir machen seit drei Jahren nichts anderes als immer wieder neues Krisenmanagement."
Ute Dallmeier

Amelie Frieds peinlicher Irrtum

Moderatorin Amelie Fried und Journalist Dirk Schümer
Moderatorin Amelie Fried und Journalist Dirk Schümerbild: Screenshot ard

"Welt"-Korrespondent Dirk Schümer sieht nicht nur eine Krise der Reisewirtschaft, sondern ahnt auch ein Ende des Reisens bisher. "Wer weiß, ob wir das in ein paar Jahren noch können?". Er habe sich selbst auch bei diesem Gedanken ertappt. Die Zeit, wo jeder übers Wochenende wegfliegen konnte, sei womöglich vorbei. "Der Lord, der Herr Direktor machen ein bisschen Bildungsurlaub und der Rest bleibt zu Hause – wie im 19. Jahrhundert." Das sei "keine schöne Utopie", gibt er zu. Ihn selbst treffe das aber weniger. Er habe ziemlich alles gesehen, was er sehen wolle. U.a. das englische Städtchen Bath. Die Runde staunt über dieses auf den ersten Blick reichlich unspektakuläre Ziel. Besonders Moderatorin Amelie Fried.

"Bath ist mir ein Begriff als langweiliges Seebad."
Amelie Fried

Doch die Moderatorin wird gleich von Schümer aufgeklärt, dass sie sich irrt und Bath gar nicht am Meer liegt. "Nicht mal das", sagt sie und versucht, den peinlichen Moment zu überspielen.

Amelie Fried entgeht jedem Flugchaos und macht in diesem Jahr zum ersten Mal seit langem Urlaub mit dem Auto. Sie fährt gen Italien. "Ist einfach ne schöne Reise." Sie haben sich einen Hybrid gekauft und fahren mehrere Freude in Italien besuchen.

Verbraucherschützer rät: Selfie am Flughafen

Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW
Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRWbild: screenshot ard

Frank Plasberg gehört offenbar zu den vorsichtigen Reisenden. Denn er gibt zu: "Ich habe meine Familie, die mich sowieso immer verspottet, neulich dreieinhalb Stunden früher an den Flughafen geprügelt." Aus Angst wegen der langsamen Sicherheitskontrolle, den Abflug zu verpassen. Aber dann ging alles gut.

Wer zur Zeit mit dem Flugzeug reist, kann sich nur auf wenig verlassen. Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, sagt auch nur:

"Viele Flugreisen klappen, viele klappen nicht – das Risiko muss jeder selbst einschätzen."
Wolfgang Schuldzinski

Er selbst fliegt im Sommer nach Sizilien. "Ich hoffe, wir kommen hin."

Als Verbraucherschützer findet er neben der Sorglosigkeit, mit der aktuell von den Fluglinien storniert wird, vor allem die Rückzahlmodalitäten sehr problematisch: Nachdem Reisen ja teils Monate im Voraus komplett bezahlt werden müssen, kämen die Rückzahlungen dann eher schläppend, dabei müsste das Geld nach einer Annullierung des Fluges am nächsten Tag zurück auf dem Konto sein.

Und wenn die Stornierung zwei Wochen vorher oder kurzfristiger geschieht, besteht Anrecht auf eine Entschädigungsleistung der Airline, bei nur einer Woche vor Abflug muss sich die Airline eigentlich um einen Ersatzflug kümmern. Aber Schuldzinski weiß aus Erfahrung, dass die Airlines da nicht selten ihren Pflichten nicht nachkommen. Lufthansa, Eurowings und Ryanair hätte die Verbraucherzentrale schon verklagt, wegen schlechter Aufklärung über die Rechte des Fluggastes.

Auf eher scherzhafte Nachfrage Plasbergs rät er durchaus ernsthaft zu, die eigene Ankunft am Flughafen per Selfie mit Datum und Uhrzeit zu dokumentieren. Nach einem Gerichts-Urteil sollten 90 Minuten reichen, um den Flug zu bekommen.

Sollte man dann seinen Flug wegen einer zu langsamen Sicherheitskontrolle verpassen, könne man Ansprüche gegen die Bundesrepublik Deutschland geltend machen. Die Verbraucherzentrale hat die neue App "Flugärger" herausgebracht, die Reisende bei Problemen unterstützt.

Insgesamt ist diese Sendung eine eher harmlose Runde. Es herrscht lockere Stimmung. Zwischendurch lacht das Publikum immer mal, wenn Plasberg jemandem das Wort abschneidet oder zurechtweist.

Nach ungezählten Corona-, Rezessions- und Kriegs-Diskussionen bei "Hart aber fair" wirkt dieser Ausgabe ungewohnt seicht. Viele Zuschauer haben damit ihre Probleme angesichts der Weltlage.

Aber um all diese anderen Themen wird es dann vermutlich wieder in den Sendungen nach der Sommerpause gehen. Die nächste Ausgabe ist für den 15. August geplant.

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