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"ZDF Magazin Royale": Jan Böhmermann attackiert AfD mit Gerichtsshow

ARCHIV - 17.02.2020, Berlin: Jan Böhmermann, TV-Entertainer, und Gewinner des Preises für Unterhaltung, lächelt bei der Preisverleihung der «Journalistinnen und Journalisten des Jahres 2019». Die Plat ...
Jan Böhmermann moderiert seit 2020 das "ZDF Magazin Royale" im Hauptprogramm. Bild: dpa / Christophe Gateau
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Gerichtsshow im "ZDF Magazin Royale": Böhmermann kritisiert AfD

16.03.2024, 15:33
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Wer am vergangenen Freitagabend eine "stinknormale" ZDF Magazin Royale-Ausgabe mit Jan Böhmermann erwartet hatte, dürfte sich wohl ziemlich verwundert die Augen gerieben haben. Die Satireshow verwandelte sich nämlich in eine TV-Gerichtsshow, ganz nach dem Vorbild einiger Privatsender.

Böhmermann selbst trat als strenger Staatsanwalt auf, Verteidigerin "Conny from the law" agierte als Gegenspielerin. Richter "Ralf Richter" schwang schlussendlich den Hammer und verkündete das Urteil. Interessant erschien die Szenerie vor allem deshalb, weil Jan Böhmermann aktuell selbst in einem Rechtsstreit steckt.

Böhmermann verklagte Imker

Der "Beewashing"-Skandal um Imker Rico Heinzig landete vor Gericht. Weil Böhmermann den Imker ungefragt in seiner Sendung im Zusammenhang mit "Beewashing" nannte, revanchierte der sich, verkaufte einen Honig in einem Dresdner Supermarkt und warb dabei mit Namen und Bildern aus Böhmermanns Sendung.

Eine Unterlassungsklage habe der Imker verweigert, woraufhin Böhmermann klagte. Heinzig gewann den ersten Prozess. Aus Sicht der Zivilrichterin müsse der Moderator mit derlei Reaktionen rechnen, sobald er ungefragt Menschen in seiner Sendung ins Rampenlicht stelle.

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Böhmermann verhandelt den "Butter-Fall"

Zurück zur Satireshow. Hier wurden vier Fälle durchgespielt, die belangloser kaum hätten sein können. Zumindest auf den ersten Blick. Denn mit dem vierten und letzten Fall kam doch noch ein roter Faden zum Vorschein. Los ging es mit dem "Butter-Fall", in der Martin Mösel (gespielt von Komiker Ralf Kabelka) seiner Ehefrau Heidi vorwarf, die Butter nicht in den Kühlschrank gestellt zu haben.

"Sie ist Veganerin und trotzdem wurden ihre Fingerabdrücke an der Butterdose und an der Butter gefunden", betonte Böhmermann, der ganz in der Rolle des Staatsanwalts aufging. Mit Reality-Star Calvin Kleinen, der als Zeuge und Sohn der Mösels befragt wurde, wurde es dann richtig trashig. "Ich schwöre auf meine Mutter, die Butter war schon draußen", sagte Kleinen.

Die Auflösung brachte schließlich das Au-Pair-Mädchen der Familie: Martin Mösel hatte die Butter selbst draußen stehen lassen. Das Urteil des Richters fiel dennoch gegen die Ehefrau aus. "Schluss mit der veganen Scheiße", rief Richter und verurteilte Heidi zu "lebenslangem Buttern". Noch nicht crazy genug?

Ein "Jahrtausende alter Streit"

Fall Nummer zwei beschäftigte sich mit der Frage, ob der Döner eine deutsche oder türkische Spezialität ist. Schauspieler Ronald Zehrfeld spielte den Nebenkläger John Fleischschläger. Der "Jahrtausende alte Streit zwischen den Kulturen", wie Richter es nannte, wurde mit folgendem Urteil beigelegt: "So lange wir in Deutschland sind, ist alles deutsch – außer, es ist nicht so geil. Und der Döner, der ist leider geil."

In Fall Nummer drei wurde Böhmermann dann selbst zum Angeklagten. Seine fiktive Tochter Janika klagte aufgrund einer Verletzung der Fürsorgepflicht, weil sie jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen müsse. Die Frage "Was muss ein deutsches Kind leisten?" versuchte General Staatsanwalt Major alias Ex-DSDS-Star Menderes Bağcı als Vertretung Böhmermanns zu klären.

Durch "peinliche Hobbys" würden eine "Gefährdung des Kindeswohls und Verhinderung der Selbstentfaltung" vorliegen. Gegen die Schulpflicht könne er eben nichts machen, betonte Böhmermann, der kurz darauf vom Richter freigesprochen wurde. Nachdem es zu einer rührseligen "Vater-Tochter"-Entschuldigung kam, wurde Böhmermann allerdings von Bağcı erschossen. "Nicht schon wieder", entfuhr es dem Sänger und der Fall war abgeschlossen.

„Die Beweislage ist eindeutig und erdrückend“
jan böhmermann

Mit dem letzten Fall bekam die Satireshow dann erstmals einen Hauch Ernsthaftigkeit. Verteidiger Prof. Dr. Jur. Jürgen Flieger musste ohne Mandanten auskommen und begründen, wieso die AfD eine demokratische Partei sei. Staatsanwalt Böhmermann und Verteidigerin "from the law" arbeiteten hier ausnahmsweise zusammen.

"Die Beweislage ist eindeutig und erdrückend", stellte Böhmermann fest. Antisemitismus, Rassismus, Verfassungswidrigkeit, undemokratisches Handeln bedeute Rechtsextremismus. Der Verteidiger stellte kurzerhand einen Befangenheitsantrag gegen den Richter, weil der ihm beim Reden kaum zuhörte.

"Sie labern mir zu viel Stuss. Das gibt ein Bußgeld von einer Million Dollar", entschied Richter Ralf Richter sichtlich gelangweilt. Schon als der Verteidiger den Spruch "Im Namen des deutschen Volkes" abwandelte, stöhnte er: "Boah, ein Nazi fehlt mir heute gerade noch!"

Der rote Faden wird deutlich

Ein neutraler Demokratie-Experte sollte schließlich Licht ins Dunkle bringen. Ist die AfD nun demokratisch oder nicht? "Diese Nazi-Keule bringt uns nicht weiter, wenn wir das Problem lösen wollen", betonte der Experte. Man müsse die Wählerinnen und Wähler, die keine Nazis seien, zurückgewinnen. Das finale Urteil fiel. Richter Ralf Richter entschied:

"Seit 80 Jahren reden wir darüber, wie wir Nazis abholen oder verstehen können ... Und jetzt, kurz bevor wieder Nazis regieren, heulen wir rum. Im Namen des Volkes verbiete ich hier und heute die scheiß Nazis höchst richterlich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Und das mit der Macht, die mir das Fernsehen verliehen hat."

Zurückblickend ließen sich nun auch die ersten drei Fälle in einen Zusammenhang mit medialen Diskussionen um die AfD einordnen. So forderte die AfD-Fraktion etwa Warnhinweise vor veganer Ernährung und ein AfD-Politiker gar das Verbot von Döner und Pizza.

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