Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach glaubt, dass wir die Impfpflicht brauchen.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach glaubt, dass wir die Impfpflicht brauchen.bild: screenshot ard

"Maischberger": Trotz Öffnungsplan – Lauterbach zeichnet düstere Prognose

17.02.2022, 08:10

Tagsüber haben Bund und Länder einen Fahrplan zur Lockerung der Corona-Maßnahmen in drei Schritten beschlossen. Ab dem 20. März könnten alle wesentlichen Beschränkungen entfallen, wenn die Zahlen weiter sinken wie prognostiziert. Und auch im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland scheint es nach Olaf Scholz' Besuchen in der Ukraine und zuletzt in Moskau eine leichte Entspannung zu geben. Abends diskutiert Sandra Maischberger die beiden großen Themen der Woche mit folgenden Gästen

  • Karl Lauterbach, SPD (Bundesgesundheitsminister)
  • Sevim Dağdelen, Die Linke (Außenpolitikerin)
  • John Kornblum (Ex-US-Botschafter)
  • Hubertus Meyer-Burckhardt (Autor, Moderator und Produzent)
  • Dagmar Rosenfeld (Chefredakteurin "Welt am Sonntag")
  • Stephan Stuchlik (ARD-Hauptstadtstudio)

Lauterbach lehnt den Begriff "Freedom Day" ab

Er sei "das Gesicht dieser Pandemie", sagt Sandra Maischberger und begrüßt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Vor ziemlich genau zwei Jahren war er zum ersten Mal zu Gast bei Maischberger zum Thema Corona. Nun haben Bund und Länder einen Öffnungsplan beschlossen. Wenn nichts dazwischen kommt, werden in mehreren Schritten bis zum 20. März alle "tiefgreifenden Schutzmaßnahmen" aufgehoben. Von einem Freedom Day will Lauterbach aber ganz bewusst nicht sprechen.

"Ich benutze diesen Begriff gar nicht. Das klingt so, als ob es den Status von vor der Pandemie wieder gäbe. Die Welt wird auch nach dem 20. März nicht so sein wie vor der Pandemie. Wir haben eine zusätzliche Krankheit, die nicht mehr weggeht. Sie ist ansteckender und tödlicher als die Grippe und die Grippe gibt es auch noch.“
Karl Lauterbach

Er glaubt, "dass wir uns auch in 10 Jahren noch mit Covid beschäftigen werden, aber mit abnehmender Intensität". Niemand trübt eigentlich gute Aussichten so souverän ein wie Karl Lauterbach.

Zwar geht er davon aus, dass "die Fälle so sinken werden, wie wir vorhergesagt haben", aber er verweist auch auf die ansteckendere Omikron-Variante BA.2, die vielleicht auch schwerere Verläufe hervorruft. Und dann gebe es ja auch noch die Ungeimpften. Erstimpfungen seien zuletzt vor allem Kindern und Jugendlichen verabreicht worden. "Die, die sich gar nicht haben impfen lassen, erreichen wir offensichtlich nicht", sagt Lauterbach. "Da hilft aus meiner Sicht nur die Impfpflicht."

Er hoffe, dass alle die politischen Gruppen, die grundsätzlich für eine Impfpflicht sind, bei den Details einen Kompromiss finden. Denn wenn es bei 10-12 Prozent Ungeimpften bliebe, "reden wir im Herbst wieder über Schließungen und Kontaktbeschränkungen, weil eine kleinere Gruppe nicht bereit ist, sich solidarisch einzubringen".

Als gewissermaßen freischwebener SPD-Gesundheitsexperte war er Liebling der Talkshows, als Bundesgesundheitsminister weht ihm auch von Maischberger etwas kälterer Wind entgegen. Warum er immer nur Worst-Case-Szenieren skizziert, fragt sie ihn. Doch diesen Vorwurf weist Lauterbach zurück. "Das wird mir unterstellt im Wesentlichen von der Springer-Presse. Aus meiner Sicht ist das Kampagnenjournalismus. Ich versuche, nicht mit Schreckensszenarien zu arbeiten."

Allgemein übel genommen wurde ihm auch die überraschende Verkürzung des Genesenenstatus von sechs auf drei Monate. Das RKI hatte diese Entscheidung auf seiner Website bekannt gegeben. Lauterbachs Lehre aus dem Ärger: Das RKI ist für solche Info-Aufgaben nicht mehr zuständig, das ist nun Minstersache. Aber das RKI leiste "sehr gute Arbeit". "Ich habe volles Vertrauen in Herrn Wieler und verstehe mich auch gut mit ihm", beantwortet er Maischbergers Frage, ob der Vorgang Konsequenten für den RKI-Chef hat. Doch Sandra Maischberger gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und fragt so lange nach, ob der RKI-Chef Lothar Wieler im Sommer noch im Amt sein wird, bis Lauterbach sagt: "Herr Wieler wird im Amt sein und macht eine gute Arbeit."

Maischbergers Kommentatoren in dieser Woche: Stephan Stuchlik, Dagmar Rosendfeld und Hubertus Meyer-Burckhardt.
Maischbergers Kommentatoren in dieser Woche: Stephan Stuchlik, Dagmar Rosendfeld und Hubertus Meyer-Burckhardt.bild: screenshot ard

Auch für Sandra Maischbergers Kommentatoren ist die aktuelle Corona-Entwicklung das große Thema. Der Autor und TV-Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt bekennt: "Ich habe den Wunsch, das Leben zurückzubekommen, das ich mal geführt habe." Er glaubt, dass es die Freiheit nur mit der allgemeinen Impfpflicht geben wird.

Schwarzmalerei? Kritik an Lauterbach

Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der "Welt am Sonntag", ist gegen die Impfpflicht, weil sie in der aktuellen Welle nichts mehr nütze und sie einen Beschluss auf Vorrat problematisch findet. Für sie ist Lauterbach der "Verlierer der Woche", weil er "im Namen der Vorsicht doch sehr oft Alarmismus verbreitet".

Stephan Stuchlik aus dem ARD-Haupstadtstudio spürt nach 33 Bund-Länder-Corona-Konferenzen "langsam professionelle Ermüdungserscheinungen". Er glaubt auch, dass es auf lange Sicht nicht auf die Art und Weise der Lockerungen ankommt.

"Diese Bundesregierung wird nicht daran gemessen werden, wie sie die Lockerungen durchführt, sondern wie gut sie auf den Herbst vorbereitet ist."
Stephan Stuchlik
John Kornblum und Sevim Dağdelen diskutieren mit Sandra Maischberger (re.) über die Lage an der russisch-ukrainischen Grenze.
John Kornblum und Sevim Dağdelen diskutieren mit Sandra Maischberger (re.) über die Lage an der russisch-ukrainischen Grenze.bild: screenshot ard

Das zweite große Thema ist die Ukraine-Russland-Krise. Die Linken-Außenpolitikerin Sevim Dağdelen amüsiert sich über die in diesen Tagen verbreitete und seltsam präzise Ankündigung des CIA , wonach Russland seinen Angriff auf die Ukraine am 16. Februar nachts um drei Uhr starten werde. Das stellte sich als Irrtum heraus. "Spätestens heute hat sich die CIA für immer unglaubwürdig gemacht", findet die Politikerin.

Sie hat durchaus auch Verständnis für Putins Position. "Der wahre Konflikt ist zurückzuführen auf die Osterweiterung der Nato", wenn das Militärbündnis bis an Russlands Grenzen reiche, sei es klar, dass sich Putin bedroht fühlt.

Ex-Botschafter: Putin hat sich verzockt

"Nicht die Russen, sondern der Präsident fühlt sich bedroht. Dieses Russland ist eine Diktatur. Die große Bedrohung für Russland sind nicht die Waffen, sondern die Demokratie", findet Ex-US-Botschafter John Kornblum. Er glaubt, Putin habe mit der Militärübung an der Grenze zur Ukraine "ein großes Pokerspiel" veranstaltet, um die Ukraine zu destabilisieren und den Westen zu spalten. Aber er habe sich verzockt. Nun Man müsse ihm helfen, dass er sich gessichtswahrend zurückziehen kann. Eine Spitze kann er sich trotzdem nicht verkneifen: Putin leide darunter, dass Russland keine Supermacht mehr sei. Aber nun könne er das ja wieder sagen, auch wenn es nicht stimme.

"Er ist keine Supermacht, aber eine große Störmacht."
John Kornblum

Einen Krieg befürchtet Kornblum nicht mehr: "Ich glaube, Putin hat seine Spielchen gehabt und weiß, dass es nicht mehr weitergeht, ich bin optimistisch."

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