Kabarettist Florian Schroeder mag den Begriff "Doppel-Wumms" nicht.
Kabarettist Florian Schroeder mag den Begriff "Doppel-Wumms" nicht.bild: screenshot ard
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"Maischberger": Kabarettist findet, dass Olaf Scholz Bürger wie Kinder behandelt

05.10.2022, 10:19

Gaspreisdeckel und Doppel-Wumms. Es ist eine Zeit der seltsamen Worte. Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über die Themen der Woche. Doch einer von ihnen stört sich ganz besonders an der Sprache von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der Regierung.

  • Marcel Fratzscher, Ökonom und DIW-Chef
  • Hermann-Josef Tenhagen, Verbraucherexperte, "Finanztip"
  • Viktoria Bakhur, Deutschlehrerin aus Mariupol
  • Xenia Fomina, Schülerin aus Mariupol
  • Reinhard Aulke, Schulleiter und Helfer
  • Florian Schroeder, Kabarettist und Moderator
  • Eva Quadbeck, "Redaktionsnetzwerk Deutschland"
  • Jan Fleischhauer, "Focus"
Maischberger (re.) und ihre Kommentatoren Jan Fleischhauer, Eva Quadbeck und Florian Schroeder (v. re.).
Maischberger (re.) und ihre Kommentatoren Jan Fleischhauer, Eva Quadbeck und Florian Schroeder (v. re.).bild: screenshot ard

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat schon öfter mal mit neuen Worten überrascht. Bei der Ankündigung zur Unterstützung gegen die hohen Gaspreise war es nun der "Doppel-Wumms" als Synonym für die 200 Milliarden Euro, die den Gaspreis für Bürger und Unternehmen abfedern sollen. Der Kabarettist Schroeder hat seine Probleme mit dieser Bezeichnung.

"Ich finde das schon ein bisschen infantil, ein bisschen albern", stellt er im Gespräch mit Sandra Maischberger fest. Die Wortwahl zeige seiner Überzeugung nach, wie Olaf Scholz glaube, dass das Volk wahrzunehmen sei: "Als Kinder, denen die erwachsene Sprache nicht zuzumuten ist." Und obwohl Schroeder Kabarettist ist, meint er das ernst.

"Deshalb würde ich mir doch ein bisschen mehr Erwachsenheit wünschen."
Florian Schroeder

Andererseits findet er das vorsichtige Agieren der Bundesregierung in Sachen Waffenlieferungen genau richtig. "Ich bin froh, dass wir diese Regierung haben" und auch Robert Habeck (Grüne) sei ein "guter und veritabler Bundeswirtschaftsminister".

Eva Quadbeck, "Redaktionsnetzwerk Deutschland", hofft hingegen inständig, dass die 200 Milliarden "nicht als Tischfeuerwerk" verpuffen. Sie hätte sich "lieber eine Doppelbotschaft" gewünscht: Dass man niemand allein lassen werde, dass man aber auch unbedingt Energie sparen müsse. Scholz könne seine Zusagen nicht einhalten, glaubt sie, das Gaspreisproblem sieht sie bis Weihnachten nicht gelöst. "Im Juli hätten die Menschen auf ein Zeichen gewartet und da wäre es auch Zeit gewesen."

Fleischhauer für Fracking in Deutschland

"Focus"-Kolumnist Jan Fleischhauer glaubt, dass Scholz "volkstümlich" wirken wolle und deshalb vom "Doppel-Wumms" spreche. Damit habe er kein Problem, sondern damit, dass 200 Milliarden zwar fast die Hälfte eines normalen Bundeshaushalts seien, sonst aber alles einfach so weiterlaufe: Noch immer sei der Bau von 23 Gaskraftwerken geplant.

Der Kohleausstieg sei auf 2030 vorgezogen worden. "Wenn wir so weitermachen, haben wir diese Art von Doppel-Wumms jedes Jahr und das kann nicht einmal die reiche Bundesrepublik stemmen." Seine Alternative: Fracking-Gas aus Deutschland, die Vorkommen würde für 20 Jahre reichen.

Hermann-Josef Tenhagen und Marcel Fratzscher sprechen über den Gaspreisdeckel.
Hermann-Josef Tenhagen und Marcel Fratzscher sprechen über den Gaspreisdeckel.bild: screenshot ard

Ökonom Marcel Fratzscher beklagt die "fehlende Planbarkeit" in der Gassituation für die Unternehmen, und dass sie wohl auch in den kommenden Jahren höhere Kosten haben werden als Konkurrenten aus Asien und Amerika. Was vom "Doppel-Wumms" zu halten sei? "Wir wissen ja nicht wie es ausgestaltet ist." So eine Gaspreisbremse sei "ein sehr, sehr grobes Instrument", er erwartet, dass viele Unternehmen Gefahr laufen, in die Pleite zu geraten.

Aber es gebe keine wirklich gute Lösung angesichts von 9-10 Prozent Inflation aufs Ganze Jahr gerechnet, im nächsten Jahr 8-9 Prozent. Die Löhne würden nur um 4-5 Prozent steigen. "Es ist eine höchst unsoziale Inflation" und trotz aller Probleme müssten "Staat und Unternehmen massiv in die Transformation investieren – damit sie auch im internationalen Wettbewerb bestehen können".

"Es wird schwierig und es wird teuer, wie teuer wissen wir gerade noch nicht", befindet der Verbraucherexperte Hermann-Josef Tenhagen. Es gebe drei Möglichkeiten die Gaspreisbremse anzulegen: pro Kopf, pro Haushalt oder nach 80 Prozent des letztjährigen Verbrauchs, die letzte Möglichkeit hält er für die wahrscheinlichste.

41 Millionen Haushalten heizen mit Gas

Von 41 Millionen bundesdeutschen Haushalten würden rund die Hälfte mit Gas heizen und dazu kommt noch der Verbrauch der Industrie. Und um eine Ahnung der Dimension des deutschen Gasverbrauchs zu bekommen hat er einen plastischen Vergleich bei der Hand:

"BASF braucht genauso viel Gas wie die Schweiz."
Hermann-Josef Tenhagen
Die Deutschlehrerin Viktoria Bakhur (li.) und die Schülerin Xenia sind beide aus Mariupol geflohen.
Die Deutschlehrerin Viktoria Bakhur (li.) und die Schülerin Xenia sind beide aus Mariupol geflohen.bild: Screenshot ard

Die Deutschlehrerin Viktoria Bakhur aus Mariupol erinnert sich daran, wie sie eigentlich hätte schon viel früher aus ihrer Heimatstadt Mariupol fliehen müssen, aber sie hat die Anzeichen verdrängt. Leute haben Bargeld abgehoben, Apotheken und Geschäfte gingen kaputt – es gab keinen Strom mehr. Sie landete für zwei Wochen im Luftschutzkeller, habe sie mit drei Hosen und drei Pullovern übereinander gegen die Kälte gesessen, erzählt sie Sandra Maischberger.

"Du frierst, aber du hoffst, dass die Flugzeuge nicht wieder kommen", erinnert sie ich an die immer wiederkehrenden Gedanken. "Ich wusste nicht, ob meine Eltern am Leben sind, ob meine Schwester am Leben ist." Und als sie nach zwei Wochen erstmals wieder nach draußen kam, war sie schockiert.

“Alles war schwarz, war kaputt, ich habe die Leichen einfach auf den Straßen liegen gesehen.“
Viktoria Bakhur

Für sie steht nach dem Schein-Referendum in ihrer Heimat fest: "Ich glaube, dass nur Putin denkt, dass Mariupol ein Teil von Russland ist."

Der deutsche Schulleiter Reinhard Aulke hatte über Austauschprogramme Kontakte in die Ukraine und zu Viktoria Bakhur. "Ich konnte das verstehen, dieses An-der-Heimat-hängen." Als Viktoria Bakhur bereit war, ihre Heimat zu verlassen, hat er bei der Flucht aus der Distanz geholfen, so gut er konnte.

Mariupol nur noch ein Steinhaufen

Sie müsse weinen, wenn sie Fotos ihrer zerstörten Heimat sehe, sagt Schülerin Xenia Fomina aus Mariupol. Auch wenn sie sehr dankbar für ihre Zeit in Deutschland sei und sich sehr wohl fühle. Zwei Wochen lebte sie im Keller mit fremden Menschen. Dort wurden sogar Kinder geboren. Auch für sie kam der Schock als sie den Keller zum ersten Mal wieder verlassen konnte. "Ich habe ein ganz, ganz anderes Bild von Mariupol gesehen, das Einzige, was von Mariupol übriggeblieben ist, war ein Steinhaufen", so die Schülerin noch immer fassungslos. Davor sei Mariupol eine "schöne Stadt mit glücklichen Menschen gewesen".

(Ark)

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