Kurt Krömer leidet seit 30 Jahren an Depressionen, wie ihn im Nachhinein klar wurde.
Kurt Krömer leidet seit 30 Jahren an Depressionen, wie ihn im Nachhinein klar wurde. bild: screenshot ard
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"Maischberger": Kurt Krömer war sicher, dass er tot zu Boden sinkt

25.05.2022, 06:44

Nach langem Zieren hat Alt-Kanzler Schröder sich nun doch von seinen russischen Posten verabschiedet: Der aktuelle SPD-Kanzler Olaf Stolz (SPD) ziert sich nach Meinung von einigen Beobachtern auch sehr, was Waffenlieferungen im Ukraine-Krieg angeht. Diese Punkte diskutiert Sandra Maischberger mit ihren Gästen. Und dann kommt auch noch der Komiker Kurt Krömer vorbei und erzählt eindrücklich davon, wie ihn seine Depressionen "bettlägrig" gemacht haben. Mit dabei sind:

  • Kurt Krömer, Komiker
  • Ralf Stegner, SPD-Politiker
  • Norbert Roettgen, CDU-Außenexperte
  • Florian Schroeder, Moderator
  • Anna Mayer, "Die Zeit"-Hauptstadtkorrespondentin
  • Christoph Schwennicke, Kolumnist bei t-online

Von außen sah alles gut aus für Kurt Krömer: Die Karriere läuft, er hat vier gesunde Kinder. Und trotzdem ging es ihm schlecht. "Es gab Momente, wo ich mich geschämt habe", gibt der Comedian heute zu. Weil es anderen ja nach objektiven Maßstäben schlechter ging und er keinen verständlichen Grund hatte, sich mies zu fühlen. Kurt Krömer litt an Depressionen und hielt es lange geheim. "Ich wollte nicht, dass Leute wissen, dass es mir nicht gut geht." Darum habe er oft gelogen bei der Frage "Wie geht's?"

Triggerwarnung: Im folgenden Text geht es um das Thema Depressionen. Das kann belastend und retraumatisierend sein. Bei der Telefonseelsorge findest du 24 Stunden am Tag Hilfe: 0800 1110111

Er ist dann für acht Wochen in eine Tagesklinik gegangen. "Weil es nicht mehr ging." Drei der vier Kinder wohnen bei ihm, er ist alleinerziehender Vater. Die Routine der Kinder hat er hinbekommen, Essen gemacht, aber selbst das Einkaufen fiel im schon unfassbar schwer. Er brauchte vier Stunden um eine Einkaufsliste zu schreiben und im Laden schaffte er es dann nur zwei von vier Dingen wirklich einzukaufen. "Dazwischen habe ich im Bett gelegen." Viele Depressive seien unwahrscheinlich perfektionistisch. Und das ist der erste Schritt ins Unglück, sagt Krömer: Wenn etwas zu 98 Prozent gut laufe, fixiere sich der Depressive auf die übrigens zwei Prozent.

Maischberer und Krömer duzen sich. Im Oktober 2010 haben sie gemeinsam den Deutschen Fernsehpreis moderiert. Das war kurz vor Krümers Kollaps. "Als ich dich kennengelernt habe, gingen ein halbes Jahr später die Lichter aus, da kam der Zusammenbruch", erzählt der Comedian: Er war in München in der Fußgängerzone unterwegs, es war Winter und er hat auf einmal stark geschwitzt. "Ich habe gedacht: So fühlt es sich an, wenn man stirbt. Für mich war Fakt, so fühlt sich sterben an." Er hat sich vorgestellt, wie er zu Boden sinkt und ohnmächtig wird. Um nicht das Bewusstsein zu verlieren, hat er hat laut gesungen. "Das war die erste krasse Panikattacke", weiß er heute.

Irgendwie hat er es zurück in sein Hotel geschaftt und einen Freund angerufen. Er rief einen Berliner Freund an, der ihn mit dem Auto aus dem Hotel abholen musste, eine Zugfahrt allein hätte er sich nicht zugetraut. Er hat darüber das Buch "Du darfst nicht alles glauben, was du denkst" geschrieben.

Zur Depression kam auch noch eine Alkoholabhängigkeit. Bei einer Gala in Hannover war er so betrunken, dass er auf einem roten Teppich hingefallen ist und sich am nächsten Morgen nicht mehr daran erinnern konnte. Aber sein Bett war blutig. "Ich habe gedacht, ich habe jemanden umgebracht", sagt er und behauptet, dass er erstmal neben dem Bett geschaut hätte, ob dort jemand liegt.

Heute ist er seit 11 Jahren trocken. Doch es war ein langer Weg. Sogar erstmal sich einzugestehen, dass er ein Alkoholproblem hat: Als ihn seine Therapeutin bei der Sitzung um 11 Uhr fragte, ob er schon getrunken habe, war er empört. So empört, dass er sich gleich nach der Sitzung, um 12.30 Uhr, mit drei Bier in einen Park gesetzt hat und sich bei einem Freund am Telefon aufgeregt hat. "Ich hatte einen Moment, wo mich der Alkohol gar nicht mehr betrunken gemacht hat", gibt Krömer zu. Er habe einmal acht Bier vor dem Auftritt getrunken und auf der Bühne stand dann noch das Neunte. Lange hatte er Angst vor der Klinik. Ihn trieb wie viele an: Gewohnte Muster, die eben auch Schutz bieten.

"Ich habe gedacht, die nehmen mir meine Vollmeise weg, die du als Künstler ja brauchst."
Kurt Krömer

Der Kampf geht für ihn weiter. "Ich habe da heute noch mit zu tun", gibt er zu. Am Ende der Therapie war er übertrieben euphorisch. "Als wenn dir jemand Drogen in die Fanta mischt." Als er sich dann normalisiert hatte, rief er seinen Therapeuten an. "Ich bin rückfällig." Doch der sagte: "Ne, sie haben einfach nur einen scheiß Tag gehabt." Auch das müsse man erst wieder lernen. Im Herbst kommt sein neues Soloprogramm. Darin wird es übrigens auch Witze über Depressionen geben.

Ralf Stegner (SPD, li.) und Norbert Roettgen (CDU) sehen die Dinge ganz anders im Gespräch mit Sandra Maischberger (re.)
Ralf Stegner (SPD, li.) und Norbert Roettgen (CDU) sehen die Dinge ganz anders im Gespräch mit Sandra Maischberger (re.)bild: screenshot ard

Der Ton wird rauer in der deutschen Politik, die gemeinsame Front im Kampf gegen den russischen Krieg muss aufpassen, dass sie sich nicht in Nebengefechten und Parteipolitik aufreibt. Roderich Kiesewetter sorgte zuletzt bei Anne Will für Aufsehen, als er dort sagte, dass Kanzler Scholz bei Waffenlieferungen auf Zeit spiele und damit versteckte Signale nach Russland sende.

Norbert Roettgen, CDU-Außenexperte stärkt seinem Parteikollegen den Rücken. "Der Satz ‚Die Ukraine soll gewinnen ist noch nicht ausgesprochen worden – ich glaube nicht, dass das ein Zufall ist", sagt Roettgen. "Diese Klarheit gibt es durch den Bundeskanzler nicht." Es wird nicht ausgeliefert und nicht umgesetzt, weil es nicht gewollt wird. Das "Nichteinhalten von Versprechen" habe in ganz Osteuropa "riesige Enttäuschung ausgelöst". Für ihn steht fest, dass Putins Truppen komplett aus der Ukraine vertrieben werden müssen.

"Der Krieg darf sich kein bisschen lohnen, sonst macht Putin weiter."
Norbert Roettgen

Darum sollte Deutschland Waffen liefern. Begründungen, warum es nicht geht, lässt er nicht gelten. "Wir können liefern, weil wir eine Industrie haben, die das produzieren kann." Er ist dafür, dass zumindest ein Teil der bei der Bundeswehr vorhandenen "Leopard 2"-Panzer sofort in Richtung Ukraine gebracht werden, "weil der sinnvollste Ort derzeit nicht in Deutschland sondern in Polen an der Flanke ist".

SPD-Politiker Ralf Stegner findet die Äußerungen von Roderich Kiesewetter hingegen "verantwortungslos" und verortet sie auf dem Niveau von Querdenkerdemos. Nun hat auch der polnische Präsident Andrzej Duda Deutschland vorgeworfen, beim Panzer-Ringtausch wortbrüchig geworden zu sein. Für Stegner liegt das Problem aber darin, dass Duda die Verträge nicht genau gelesen habe. Darin stehe, dass Deutschland liefere, sobald es könne. Aber das sei noch nicht der Fall. Und überhaupt, die ganze Diskussion: "Die Behauptung Deutschland ist zögerlich, ist falsch." Was Deutschland tut, sei mit den USA, Frankreich und England abgestimmt. "Auch die Amerikaner liefern keine Kampfpanzer.“ Und die Briten und die Franzosen nicht.´

Einst hieß das Mantra der SPD: Sicherheit in Europa gibt es nur mit Russland. "Heute braucht man Sicherheit gegen Russland", gibt Stegner zu. Und trotzdem will er eine Warnung loswerden. "Zu glauben, man kann Russland besiegen, die zweitgrößte Atommacht der Welt – da ist Vorsicht angebracht."

Zum Abschluss versucht Maischberger ihm noch ein saftiges Zitat zu entlocken, ob es denn nun genug Buße sei dass Alt-Kanzler Schröder auf seine Posten verzichte. Aber Stegner bleibt allgemein.

"Ich finde, das gehört sich nicht, man lässt sich nicht zahlen von einem Kriegstreiber – politisch habe ich dafür null Sympathien, man kann sein Geld auch ehrenvoller verdient."
Ralf Stegner

Maischbergers Missverständnis

Als es um die angeblich zu nahe Russland-Politik vom damaligen Außenminister und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier geht, sagt Stegner "Frank Steinmeier" und das klingt nach irgendwie nach "Frau Steinmeier", was Sandra Maischberger auch versteht. "Frau Steinmeier?" fragt sie leicht spöttisch, einen Versprecher vermutend. Aber Stegner hat schlechte Laune und wiederholt nur etwas deutlicher "Frank Steinmeier". Und Maischberger geht in die Defensive „Ich höre schlecht …“

Maischberger (re.) und ihre Kommentatoren Christoph Schwennicke, Anna Mayr und Florian Schroeder (von links).
Maischberger (re.) und ihre Kommentatoren Christoph Schwennicke, Anna Mayr und Florian Schroeder (von links).bild: screenshot ard

Scholz: "Ziemliche Arroganz" und Kommunikationsproblem

Maischbergers Kommentaren gehen Steil auf Schröder und Scholz. Den Anfang macht Moderator Florian Schroeder. Für ihn hat Scholz "definitiv ein Kommmunikationsproblem". Er versuche die für ihre Verschwiegenheit berüchtigte "Angela Merkel 2" zu sein, "plus ziemliche Arroganz allem gegenüber, was nicht er selbst ist."

Alt-Kanzler-Schröder-Bashing finde er allerdings "auch ein bisschen billig und wohlfeil". Er finde es tragisch, dass sich Schröder verhalte, wie Putin es vom Westen erwarte: käuflich und zu allem bereit: "Den nützlichen Idioten, den man nur anrufen muss, und er macht den Job gegen Geld."

"Zeit"-Hauptstadtkorrespondentin Anna Mayer hat kein Problem mit Waffenlieferungen – ganz im Gegenteil. "Ich finde nicht, dass man als Deutsche Pazifistin sein kann“, sagt sie und erklärt dann, dass Nazi-Deutschland ja mit Waffen besiegt wurde.

"Daraus muss man lernen, dass Panzer und Kampfflugzeuge auch befreien können."
Anna Mayr

Wenn es nach ihr ginge, könnte es auch alles schneller gehen. "Ich verstehe den Eindruck, denn man bekommen kann. Dass man schon den Eindruck bekommt, da wird etwas aufgeschoben“

t-online-Kolumnist Christoph Schwennicke mag den nachdenklichen Kurs von Olaf Scholz. "Wir sind in sehr kurzer Zeit sehr große Schritte gegangen." Aber trotzdem sieht er ein Verschulden bei Scholz. Und zwar bei der Kommunikation: "Er kann es nicht gut und er hat auch keine Lust dazu." Dazu hätte er immer wieder "Quartalsanfälle on Größenwahn" wie bei dem legendär gewordenen Zitat "Wer Führung bestellt, bekommt sie bei mir."

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