Rapper Bushido ist hier im Gerichtssaal bei einer der Verhandlungen im Abou-Chaker-Prozess zu sehen.
Rapper Bushido ist hier im Gerichtssaal bei einer der Verhandlungen im Abou-Chaker-Prozess zu sehen.Bild: imago images/Olaf Wagner
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Bushido-Prozess: "Habe versucht ihm zu helfen" – Ashraf Remmo sagt aus

18.08.2021, 16:4819.08.2021, 23:11

Nach einer kurzen Unterbrechung ging es am Montag mit dem 43. Prozesstag gegen Arafat Abou-Chaker und drei seiner Brüder weiter, indem Bushido als Zeuge und Nebenkläger auftritt. Zuletzt war klar, dass Anna-Maria Ferchichi bis zum Ende ihrer Schwangerschaft nicht mehr aussagen könne. Die Verteidigung kritisierte nach ihrem Fernbleiben: "Entscheiden nach Lust und Laune, wie sie mit Ladungen umgehen." Zudem würde ein Attest mit nachvollziehbarer Diagnose fehlen.

Doch schon kurz nach dem vorherigen Verhandlungstag wurde deutlich, wie schlecht es Anna-Maria wirklich ging. Sie schrieb nämlich auf Instagram: "Ein Herz meines Kindes wird voraussichtlich in den nächsten zwei bis drei Wochen aufhören zu schlagen, ein Blasensprung in der 17. SSW, drei Tage nach meiner letzten Aussage vor Gericht." Die Vorwürfe der Verteidigung kritisierte sie scharf. Schließlich sollte laut des Richters Martin Mrosk Ashraf Remmo als Zeuge für "unbestimmte Folgetermine" geladen werden.

Darum geht es im Prozess
Laut Anklage soll es zu Straftaten gekommen sein, nachdem Bushido 2017 die geschäftlichen Beziehungen auflösen wollte. Abou-Chaker habe dies nicht akzeptieren wollen und von Bushido eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an dessen Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert, heißt es in der Anklageschrift. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, eingesperrt und verletzt worden. Die Brüder im Alter von 39, 42 und 49 Jahren sind als Gehilfen oder Mittäter angeklagt.

Bushido-Prozess: Anwälte verlesen Erklärung

Bevor mit der Zeugenaussage von Ashraf Remmo begonnen werden konnte, bat die Verteidigung darum, eine Erklärung zu verlesen. Darin bezogen sich die Anwälte unter anderem auf die Anmerkungen von Hansgeorg Birkhoff, der sich zuvor über das Nichterscheinen von Anna-Maria im Prozess äußerte und auf die darauf folgende Berichterstattung. Die Mutter von fünf Kindern reagierte noch am selben Tag auf die Vorwürfe. Die Verteidigung sprach im Hinblick darauf von einem medien- und publikumswirksamen persönlichen Angriff. Hierbei habe die 39-Jährige erstmals die konkreten Gründe für ihr Fernbleiben erläutert.

Und weiter: "Der nunmehr einsetzende Shitstorm der Entrüstung und der Empörung über die moralisch verkommenen Clan-Anwälte im Allgemeinen und über den Kollegen Birkhoff im Besonderen dürfte von der Zeugin, wenn nicht gar intendiert, so doch vorhergesehen worden sein." Der Anwalt habe schließlich vollkommen zutreffend darauf hingewiesen, dass die bisher vorliegenden "pauschalen Atteste" keine ausreichende Entschuldigung im Sinne der Strafprozessordnung darstellen würden, hieß es. Nun wurde jedoch geklärt, dass ein ordnungsgemäßes Attest vorliegen würde.

Massivs Ex-Manager sagt im Prozess aus

Nachdem die Erklärung vorgetragen wurde, ging es schließlich weiter mit der Aussage von Ashraf Remmo. Richter Martin Mrosk entschuldigte sich gleich zu Beginn, dass er so lange warten musste, denn eigentlich sollte er kurz nach Beginn der Verhandlung aussagen. Der 39-Jährige stellte sich als Musikberater, Musikbetreuer vor, der auch in der Vergangenheit für Rapper Massiv tätig gewesen sei. Er gab an, dass er Bushido seit zwölf oder 13 Jahren kenne, ihr Verhältnis sich jedoch in den letzten drei Jahren intensiviert hätte. Über die Angeklagten sagte er: "Wir kommen aus derselben Gegend, sind gemeinsam aufgewachsen."

Rapper Massiv arbeitete mit Ashraf Remmo zusammen.
Rapper Massiv arbeitete mit Ashraf Remmo zusammen.Bild: Turner Broadcasting System Europe Limited & Wiedemann & Berg Television GmbH & Co.

Später habe er mitbekommen, dass sich Bushido und Arafat trennen wollen und es auch zum Streit auf dem Grundstück in Kleinmachnow gekommen sei. Über seine Rolle beim Bruch meinte er hingegen der Darstellung in Presseberichten: "Ich habe nicht auf den Tisch gehauen." Bei einem Treffen der beiden sei er auch nie anwesend gewesen. Bushido gab in einer seiner Aussagen an, dass ihn Ashraf von Juni 2018 bis Januar 2019 unterstützt habe. Die Zusammenarbeit hätten sie allerdings eingestellt, seitdem der Rapper unter Polizeischutz stehe.

Ashraf erklärte jetzt vor Gericht, dass er ihm bei der Trennungsphase folgendes geraten hätte: "Wenn sie es nicht klären können, dann lasst es doch die Anwälte klären." Die geschäftliche Trennung der zwei sei zäh verlaufen. "Es gab immer Reibereien zwischen den beiden." Ab 2018 habe er Bushido regelmäßig gesehen. Von dem konkreten Tatvorwurf, dass der Rapper eingesperrt und verletzt worden sei, habe er nichts mitbekommen. Ihm sei nur bekannt gewesen, dass gestritten worden sei. "Sie kamen nie auf einen Nenner, auch an diesem Tag nicht", so Ashraf. "Hol doch einen Anwalt, wenn du nicht mit ihm klarkommst. Jedes Mal kam kein Ergebnis", sagte der Musikmanager.

Ashraf hat sich auch mit Arafat getroffen

Ashraf habe sich im Zuge des Bruchs auch mit Arafat getroffen. "Er meinte, er will sich von Bushido trennen. Da war noch jeder zuversichtlich, eine Einigung zu finden." Es sei von einem Aufhebungsvertrag die Rede gewesen. Beide seien nicht abgeneigt gewesen, sich anwaltlich beraten zu lassen, warum es jedoch nicht dazugekommen sei, wisse er nicht. In Richtung des Rappers meinte er: "Ich habe versucht, ihm zu helfen, ihn zu beraten." Für eine kurze Zeit habe er geschäftlich mit ihm zu tun gehabt. 20 Prozent habe Ashraf für seine Managertätigkeiten erhalten. Dazu zählten auch Verhandlungen mit Sony oder Universal.

Der Angeklagte Arafat Abou-Chaker auf dem Weg zum Gerichtssaal in Berlin am 13.01.2021. (Archivnbild)
Der Angeklagte Arafat Abou-Chaker auf dem Weg zum Gerichtssaal in Berlin am 13.01.2021. (Archivnbild)Bild: imago images / Olaf Wagner

Zum Schluss meinte er mit Blick auf Arafat, dass er keinen Keil zwischen ihm und Bushido treiben wollte. Zum Angeklagten habe er keinen Kontakt, nur bei der Trauerfeier von Arafats Mutter hätten sie sich gesehen, über das Verfahren sei nicht gesprochen worden. Am Mittwoch wird die Zeugenaussage fortgesetzt. Für fünf Tage sei diese geplant, der Zeugenbeistand gab allerdings zu bedenken: "Er möchte es zügig hinter sich bringen."

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