Interview
Laura Bräutigam

2016 nahm Laura an "GNTM" teil. Bild: ProSieben/Richard Huebner

Interview

Heidi Klums Ex-Kandidatin verrät: Darum stieg sie damals wirklich bei "GNTM" aus

2016 nahm Laura Bräutigam an "Germany's next Topmodel" teil. Schnell zählte sie zu den heimlichen Favoritinnen. Doch dann war plötzlich Schluss. Als 16. verließ sie die Show – freiwillig. Die Sendung zeigte allerdings, dass sie von Heidi Klum kein Foto bekam und damit von der Jury rausgewählt wurde.

Danach wurde es ruhig um die damals erst 16-Jährige. 2019 meldete sie sich zurück – mit einer Schock-Nachricht: Laura bekam die Diagnose Krebs. Mittlerweile hat die 20-Jährige den Kampf gegen den Krebs aber gewonnen – und sie erwartet sogar ihr erstes Kind. Nur knapp zwei Monate nach Ende der Behandlung wurde sie schwanger, in wenigen Tagen steht der errechnete Entbindungstermin an.

Mit watson sprach Laura über ihr Schicksal und darüber, warum sie nach "GNTM" so plötzlich von der Bildfläche verschwand.

watson: Wie hast du gemerkt, dass etwas nicht stimmt beziehungsweise was waren die ersten Symptome deiner Krebserkrankung? Wann folgte die Diagnose?

Laura Bräutigam: Ich litt unter extremer Müdigkeit und hatte zusätzlich noch zwei Monate lang einen starken Husten, der einfach nicht wegging und extreme Hautprobleme. Da habe ich gemerkt, da ist etwas nicht normal. Zwar hatte ich schon immer Neurodermitis – aber nicht in der Form. Dann bin ich zum Arzt gegangen, damit der mal meine Lunge untersucht. Dem wurde die Sache schnell zu heiß und er schickte mich mit dem Verdacht einer Herzbeutelentzündung ins Krankenhaus.

Laura Bräutigam

Lange Zeit war Laura von der Bildfläche verschwunden, 2019 meldete sie sich zurück. Bild: imago images / STAR-MEDIA

Und dann?

Dort wurde ich dann zwei Wochen auf diese Verdachtsdiagnose hin behandelt. Doch die Entzündungswerte gingen einfach nicht runter. Daraufhin hat der Arzt weitere Tests angeordnet, bei denen ebenfalls nichts herauskam. Als letzte Maßnahme kam ich dann ins CT, da er eine Vermutung hatte – und danach bekam ich sofort die Diagnose.

Wie ging es nach der Diagnose weiter?

Ich bin an dem Tag nochmal nach Hause und durfte über Nacht auch dort bleiben. Am nächsten Tag bin ich wieder hin und habe die Biopsie machen lassen, um zu sehen, ob der Tumor tatsächlich bösartig ist. Aufgrund der Größe war das aber wahrscheinlich. Eine Woche nach der Biopsie ging es dann los mit der Chemotherapie.

"Der Tumor war auch zu nah an Herz und Lunge und mit über zehn Zentimetern auch zu groß, um operativ entfernt zu werden."

Warst du für die Behandlung komplett in der Klinik oder zu Hause?

Das war meine größte Sorge, ich dachte, ich müsste in der Klinik bleiben. Es ist aber tatsächlich so, dass man das heutzutage ambulant machen kann. Für den ersten Zyklus der Chemotherapie musste ich in der Klinik bleiben, das waren fünf Tage. In denen wurde dann geschaut, wie ich die Behandlung vertrage. Den folgenden Zyklus durfte ich dann ambulant machen.

Was folgte nach der Chemo?

Danach folgten Bestrahlungen. Eine Operation hatte ich nicht, da der Tumor hinterm Brustkorb saß. Und er war auch zu nah an Herz und Lunge, außerdem mit über zehn Zentimetern auch zu groß, um operativ entfernt zu werden. Deswegen war die Chemo stärker, aber es hat gereicht.

Machst du seit der Krankheit etwas anders? Was hat sich in deinem Leben seitdem verändert?

Wenn ich mir etwas kaufen will, etwas, das mich wirklich freut, dann überlege ich nicht mehr so lange. Ich gönne mir einfach mal was. Denn wenn man das nächste Mal im Krankenhaus ist, hat man vielleicht 20 Euro mehr im Geldbeutel, aber das bringt einem dann auch nichts. Und außerdem versuche ich, meine Träume zeitnah zu erledigen, so wie einen Tauchschein zu machen oder zu reisen. Man weiß ja nie… Ansonsten ist aber eigentlich alles wie vorher.

Nach der Behandlung ging plötzlich auch alles ganz schnell mit dem Kind... Hat sich die Erkrankung auf die Schwangerschaft ausgewirkt? Gibt es mehr Kontrollen?

Nee, gar nicht. Als ich im Oktober erfahren habe, dass ich bereits seit August schwanger bin, habe ich eine Organ-Feindiagnostik machen lassen, um abchecken zu lassen, ob beim Kind alles in Ordnung ist. Ich weiß nicht, ob ich das Kind hätte bekommen können, wenn ich gewusst hätte, dass es wegen mir nicht gesund gewesen wäre. Aber es war alles perfekt. Der Arzt nahm mir auch die letzte Sorge, denn er sagte mir, dass die Giftstoffe der Chemo und Bestrahlung, die ja erst im Juni endete, nicht mehr im Körper seien und deshalb keine Gefahr bestünde. Überhaupt läuft die Schwangerschaft ohne Beschwerden.

"Irgendwann hat es mich aber so sehr belastet, – erste große Liebe, man macht natürlich immer Blödsinn – dass ich gesagt habe, ich steige aus."

Ein ganz anderes Thema: Wie war es damals, als du dich dazu entschlossen hattest, bei "GNTM" auszusteigen?

Damals war ich noch mit meinem Ex-Freund zusammen, und der wollte es einfach nicht. Anfangs war es noch okay, aber je erfolgreicher ich dort wurde und je weiter ich kam, desto weniger okay war es für ihn. Und seine Mutter hatte immer das Bild im Kopf, dass ihr Sohn, der angehende Medizinstudent, ein großer Arzt wird – und die Frau an seiner Seite aber weniger erfolgreich sein soll. Was die Rollenverteilung angeht, vertrat sie ein sehr altmodisches Bild. Zuerst fand ich das blödsinnig und wollte trotzdem alles durchziehen. Ich bin auch erst mit nach LA und New York geflogen. Irgendwann hat es mich aber so sehr belastet, – erste große Liebe, man macht natürlich immer Blödsinn – dass ich gesagt habe, ich steige aus.

Laura Bräutigam

So sah Laura nach dem Umstyling 2016 bei "GNTM" aus. Bild: instagram.com/laura.braeutigam.official

Wie lief das damals ab?

Schon auf Lanzarote wollte ich freiwillig gehen, da hat man mich aber noch zum Bleiben überredet. Als ich aber beim nächsten Mal wieder aussteigen wollte, wussten sie, dass es keinen Sinn mehr macht – für beide Seiten. Denn es hat ja niemand etwas davon, wenn ich nur rumjammere und denen auf die Nerven gehe.

Du hattest dich gegen eine Karriere in den sozialen Medien entschieden – warum?

Aus dem gleichen Grund, aus dem ich bei "GNTM" ausgestiegen bin. Weil mein damaliger Freund es nicht wollte. Durch die ganzen Follower wäre ja ebenfalls wieder etwas entstanden, und ich hätte neue Jobs bekommen, was er auch nicht wollte. Deshalb habe ich damals gesagt, dass ich ihm zuliebe komplett mit dem Modeln aufhöre und habe alles gecancelt – Instagram, Facebook und alles was dazugehört.

"An sich hätte ich bei 'GNTM' auch nicht viel weiter kommen wollen."

Dann hast du aber irgendwann die Notbremse gezogen?

Ja, das war am Ende aber auch seine Mutter, die mehr oder weniger mit mir Schluss gemacht hat. Er hat in Malta gewohnt und es kam einfach irgendwann eine SMS vom Handy seiner Mutter – und das war's. Ich hab dann natürlich versucht, zu schreiben, anzurufen und auch hinzufliegen. Das hat alles nicht funktioniert, und das war's. Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört.

Hast du danach bereut, bei "GNTM" ausgestiegen zu sein?

Es geht so. Was ich bereut habe, war, dass ich alles gelöscht habe, auch Instagram. Wenn ich da noch ein wenig Fuß gefasst hätte, hätte ich leichter auch wieder andere Jobs bekommen. Ich denke mir aber, es ist so, wie es ist und ich kann es eh nicht ändern. Und an sich hätte ich bei "GNTM" auch nicht viel weiter kommen wollen. Gerade jetzt ist es nicht mehr mein Format. Ich bin mit meinem jetzigen Weg glücklich. Zum Beispiel hätte ich sonst meinen Mann nie kennengelernt. Es wäre alles anders gelaufen, deshalb versuche ich nichts zu bereuen.

"Ich habe mir nicht vorgestellt, dass man danach noch Kontakt zu Heidi hat."

Hast du jemals wieder was von Heidi Klum gehört?

Nein, gar nicht. Auch die anderen Mädels nicht, soweit ich weiß – außer vielleicht die ersten zwei oder drei. Auch Jasmin, die ja Vierte wurde, nicht.

Ist das enttäuschend?

Ich hab's mir, ehrlich gesagt, nicht vorgestellt, dass man danach noch Kontakt hat. Deswegen ist es okay. Es war ja ohnehin recht oberflächlich. Ich nehme an, die macht da einfach ihr Geschäft.

Modelst du denn noch?

Ich bin noch bei einer Modelagentur, aber derzeit modele ich nicht. Aber grundsätzlich bin ich dort angemeldet, und wenn Jobs kommen, nehme ich die auch an. Aber ich kümmere mich nicht aktiv darum. Derzeit schreibe ich eh eher mein Buch [Anm. d. Red: Über ihre Krebserkrankung und den Umgang damit], das will ich noch fertig schreiben, ehe die Kleine auf die Welt kommt.

Könntest du dir denn vorstellen, nun mehr mit Instagram zu arbeiten?

Grundsätzlich schon, weil ich gerne von zu Hause arbeiten möchte. Neben dem Buch noch ein weiteres Standbein zu haben, wäre natürlich gut. Ich bin nur nicht der geborene Influencer. Ich komme mir blöd vor, Storys zu machen und andere darum zu bitten, Fotos von mir zu machen. Wenn ich mich davon etwas frei machen würde, würde es sicher besser klappen. Aber derzeit bekomme ich das nicht so richtig hin.

ProSieben zeigt "Germany's next Topmodel" immer donnerstags um 20.15 Uhr.

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!

Exklusiv

Hofreiter über persönlichen Verzicht zugunsten des Klimas und die Zukunft der Mobilität: "Dann arbeitet in zehn Jahren gar niemand mehr bei BMW und VW"

Der zweite Teil unseres Interviews mit Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter – über die Frage, was der ökologische Umbau für junge Menschen bedeutet, wie die Jobs in der Autoindustrie gerettet werden können und was die Grünen jungen Nichtwählern zu bieten haben.

Während die Corona-Krise die Welt weiter Tag für Tag beschäftigt, macht die Klimakrise keine Pause. Ihre möglichen Auswirkungen bleiben sichtbar: Im Großteil von Deutschland ist der Boden weiterhin ungewöhnlich trocken, in Sibirien lässt Rekordhitze Permafrost-Böden auftauen – mit dramatischen Folgen für die Umwelt. Wie kann es klappen, die Corona-Krise zu bewältigen und gleichzeitig die Wirtschaft ökologisch umzubauen? Wir haben darüber mit Anton Hofreiter gesprochen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel