Tom Wlaschiha ist die deutsche Stimme von Buzz Lightyear in dem neuen Pixar-Film "Lightyear".
Tom Wlaschiha ist die deutsche Stimme von Buzz Lightyear in dem neuen Pixar-Film "Lightyear".Bild: Getty Images Europe / Gareth Cattermole
Interview

Tom Wlaschiha gibt über "Stranger Things"-Rolle preis: "Muss sich auf alles gefasst machen"

16.06.2022, 15:08

1995 kam der erste Film der "Toy Story"-Reihe heraus: Im Mittelpunkt der Animations-Streifen stehen die beiden Spielzeuge Woody, ein Cowboy und Buzz Lightyear, ein Space-Ranger. 28 Jahre später bekommt nun Buzz Lightyear seinen eigenen Film: "Lightyear". Zu Beginn erfahren die Zuschauerinnen und Zuschauer, dass es den Film auch innerhalb des "Toy Story"-Universums gibt und dass der Blockbuster der Grund war, warum Andy im ersten "Toy Story"-Teil eine Buzz-Lightyear-Actionfigur haben wollte.

Im Original spricht Chris Evans Buzz Lightyear, die deutsche Stimme der Figur ist Tom Wlaschiha. Den Schauspieler kennt man vor allem aus Erfolgs-Serien wie "Game of Thrones" und "Stranger Things". Im Gespräch mit watson verriet er unter anderem, welche Erinnerungen er an den ersten "Toy Story"-Film hat und wie es am Set von "Stranger Things" abläuft.

Ebenfalls eine Synchronrolle in dem Film hat Moderatorin Aminata Belli. Sie leiht einer Offizierin aus Buzz Lightyears Team ihre Stimme. Es ist ihr erster Job als Synchronsprecherin. Aber wie kam es dazu? Und was liebt sie an dem Film "Lightyear"? Antworten auf diese Fragen gab es im watson-Interview.

watson: Welche Erinnerungen hast du an den ersten "Toy Story"-Film, der 1995 in die Kinos kam?

Tom Wlaschiha: Ich weiß, dass ich den Film damals geschaut und geliebt habe. Ich fand Woody und Buzz gleichermaßen cool, weil die beiden sich einfach perfekt ergänzt haben. Im Zuge der Vorbereitung habe ich ihn mir nochmal angesehen und ich finde, er hat von seinem Charme nichts verloren. Man muss jedoch nicht unbedingt "Toy Story" geguckt haben, um "Lightyear" zu verstehen. Man kann ihn als Vorgeschichte sehen, aber er steht absolut für sich allein.

"Das ist jetzt nicht nur ein Film für Kids, sondern auch für Erwachsene. Der Film ist sehr humorvoll. Er hat aber auch eine philosophische Ebene, was ich sehr schön finde."

Du hast im Podcast "Netflixwoche" erzählt, dass du Drehbücher immer liest wie Bücher und dich dann entscheidest, ob du eine Rolle annimmst. Was hat jetzt bei "Lightyear" den Ausschlag gegeben, dass du die Rolle angenommen hast?

Tom Wlaschiha: Das waren verschiedene Faktoren. Hier habe ich vorher kein Drehbuch gelesen, sondern durfte den Film schauen. Als das Angebot von Disney kam, habe ich mich sehr darüber gefreut, weil ich ja nicht hauptberuflich Synchronsprecher bin.

Und was hat dich noch angesprochen?

Tom Wlaschiha: Ich fand den Film toll, weil da wirklich für jeden etwas dabei ist. Das ist jetzt nicht nur ein Film für Kids, sondern auch für Erwachsene. Der Film ist sehr humorvoll. Er hat aber auch eine philosophische Ebene, was ich sehr schön finde.

Wie meinst du das?

Tom Wlaschiha: Es gibt Dinge, über die man noch nachdenken kann, wenn man aus dem Kino rauskommt. Das sind so Fragen wie: Was ist Unendlichkeit? Was ist Endlichkeit? Wie gehen wir mit unserer eigenen Sterblichkeit um? Muss man immer unbedingt nach den Sternen greifen? Oder ist es nicht vielleicht auch ausreichend, die begrenzte Zeit, die man auf der Erde hat, bestmöglich auszufüllen und zu genießen? Das sind alles schöne, große Themen, die aber auf eine sehr charmante und humorvolle Art behandelt werden. Deswegen ist das der perfekte Familienfilm.

Eine Szene, die mich sehr bewegt hat, war die Sequenz, in der Buzz Lightyear immer wieder ins Weltall fliegt. Für ihn vergehen jedes Mal vier Minuten, auf dem Planeten dagegen vier Jahre. Was hat diese Sequenz bei dir ausgelöst?

Tom Wlaschiha: Das ist wunderschön erzählt. Man wird ein bisschen traurig dabei, weil man sich bewusst wird, dass man nur eine sehr begrenzte Zeit hier auf der Erde hat und diese so gut wie möglich nutzen sollte. Wie du schon sagtest: Für Buzz vergeht die Zeit im Weltall langsamer, für ihn vergehen nur vier Minuten und auf dem Planeten sind es vier Jahre. Die Menschen, die dann immer älter werden, sind aber relativ glücklich damit, auch weil sie ihr Leben gelebt haben.

watson: In "Lightyear" gibt es eine zweite Hauptrolle, die weiblich ist und eine starke Persönlichkeit hat. Aminata, hat dich das an dem Film besonders angesprochen?

Aminata Belli: Ich muss sagen, dass mich, bevor ich überhaupt wusste, wie die Rollen-Besetzung ist, alles an dem Film angesprochen hat. Ich war schon direkt dabei. Ich liebe Disney und Pixar sehr. Und ich finde es natürlich super, dass es so viele Frauen in dem Film gibt und vor allem auch so viele starke Frauen. Der Film ist generell sehr divers besetzt.

Es ist deine erste Synchron-Rolle. Wie kam es jetzt dazu? Hast du dich für die Rolle beworben oder ist Disney auf dich zugekommen?

Aminata Belli: Es ist das erste Mal, dass ich was synchronisiert habe. Davor habe ich nur Dinge eingesprochen. Disney ist tatsächlich auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich das machen möchte. Und ich habe mich natürlich wahnsinnig geehrt gefühlt und war sehr, sehr froh, diese Möglichkeit zu bekommen und das machen zu dürfen. Ich muss auch sagen, es war schon schwerer, als ich dachte.

"Alisha hat eine Beziehung zu einer Frau, sie bekommen ein Kind, was aber nicht thematisiert oder herausgestellt wird."

Alisha ist eine Offizierin in Buzz Lightyears Team. Und in dem Film wird ganz selbstverständlich gezeigt, dass sie mit einer Frau zusammen ist. Ein Meilenstein für Disney, oder?

Aminata Belli: Ich spreche nicht Alisha, aber ich freue mich trotzdem wahnsinnig über diesen längst überfälligen Meilenstein. Alisha hat eine Beziehung zu einer Frau, sie bekommen ein Kind, was aber nicht thematisiert oder herausgestellt wird, sondern als das, was es immer sein sollte, gezeigt wird: eine Selbstverständlichkeit.

Glaubst du, dass es jetzt mehr queere Figuren in Disney-Filmen geben wird?

Aminata Belli: Das hoffe ich. Ich hoffe auch sehr, dass es vor allem bei den Kindern und bei den Familien ankommt, die sonst nicht gesehen und repräsentiert werden. Das ist so wichtig. Außerdem hoffe ich, dass die queeren Figuren einfach mal so angenommen werden. Und nicht extra thematisiert oder hinterfragt werden.

"Ich bin kein Teil der LGBTQAI+- Community und kann den Schmerz nicht fühlen, ich kann nur als Ally mitkämpfen und darauf aufmerksam machen."

Kannst du das näher erläutern?

Aminata Belli: Ich meine thematisieren in dem Sinne, dass wir jede Rolle einfach als selbstverständlich annehmen, ohne darüber reden oder streiten zu müssen. Das fände ich schön und ich hoffe, es wird in Zukunft nicht nur in Disney-Filmen so sein, dass genau diese Repräsentation da ist und dass auch der Umgang damit entspannt ist.

In China zum Beispiel werden Filme verändert, die queere Inhalte haben. Was sagst du dazu?

Aminata Belli: Ich bin kein Teil der LGBTQAI+-Community und kann den Schmerz nicht fühlen, ich kann nur als Ally mitkämpfen und darauf aufmerksam machen. Dass Studios es überhaupt zulassen, dass Inhalte so verändert werden, sollte nicht passieren und ist ein Unding. Ich glaube, dass vielen Menschen die Konsequenzen, die mit solchen Entscheidungen einhergehen, gar nicht klar sind. Und darüber müssen wir reden.

Tom, du bist nicht nur im Kino zu sehen, sondern aktuell auch bei "Stranger Things" auf Netflix. Wie war es, nach drei Jahren zu einem bestehenden Cast dazuzustoßen?

Tom Wlaschiha: Ich muss sagen, ich bin jedes Mal, wenn ich an ein neues Set komme und der erste Drehtag ansteht, ein bisschen aufgeregt – egal was es ist. Man weiß ja nicht, was einen erwartet. Bei "Stranger Things" war die Aufregung natürlich nochmal ein bisschen größer, weil das auch eine Serie ist, die ich von Anfang an verfolgt habe und die ich sehr mag. Dann die Chance zu bekommen, da mitzuspielen, war natürlich etwas ganz Besonderes. Aber meine Nervosität hat sich dann schnell gegeben.

"Man muss immer darauf gefasst sein, dass man auch ein paar neue Szenen eingereicht bekommt und es plötzlich heißt: 'Nee, du stirbst jetzt doch nicht, du lebst noch zwei Folgen weiter.'"

Mit welchem Darsteller hast du dich denn am besten verstanden?

Tom Wlaschiha: Wie man in den ersten sieben Folgen, die es schon gibt, sieht, habe ich sehr viel mit Hopper zu tun. Und dessen Darsteller David Harbour ist tatsächlich ein sehr cooler Typ, wie man wahrscheinlich schon vermutet, wenn man drei Staffeln der Serie geguckt hat. Aber ich habe mich eigentlich mit dem gesamten Cast gut verstanden.

Hast du denn auch das ganze Drehbuch lesen dürfen oder hast du immer nur die einzelnen Szenen bekommen, in denen du gespielt hast?

Tom Wlaschiha: Ich habe tatsächlich die ganzen Drehbücher vorab gelesen. Allerdings ist es bei allen großen amerikanischen oder internationalen Produktionen generell so, dass das ein work in progress ist. Das bedeutet, dass auch während des Drehs noch an den Büchern gearbeitet wird und Sachen geändert werden können. Man muss immer darauf gefasst sein, dass man auch ein paar neue Szenen eingereicht bekommt und es plötzlich heißt: "Nee, du stirbst jetzt doch nicht, du lebst noch zwei Folgen weiter." Ich finde aber, dass das eine gute Methode ist, weil dann alles sehr frisch bleibt. Und man kann, wenn man am Set merkt, dass etwas nicht funktioniert, auch darauf reagieren und dann wird eine passende Lösung gefunden.

Und verspürst du denn jetzt so einen ähnlichen Druck wie damals bei "Game of Thrones", dass alle wissen wollen, wie die vierte Staffel von "Stranger Things" endet? Gibt es da ähnliche Nachfragen?

Tom Wlaschiha: Da bin ich total gechillt, muss ich sagen. Ich kann mittlerweile sehr gut mit vielen Worten nichts sagen, aus mir wird man keine Spoiler rauskriegen. Und meine Freunde und Familie wissen das auch mittlerweile schon. Es lohnt sich überhaupt nicht, nachzufragen. Ich selbst möchte auch keine Spoiler hören, wenn ich eine Serie mag.

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