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Hartz IV: Strom-Experten mit düsterer Warnung

Eine Sozialwohnung in Berlin (Symbolbild).
Eine Sozialwohnung in Berlin (Symbolbild).Bild: Getty
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Hartz IV: Energie-Experten warnen vor Budget-Lücke

02.01.2020, 20:36
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Strom wird 2020 teurer. Das ist ärgerlich. Gerade aber für Menschen mit geringem Einkommen fehlt schnell Geld für höhere Ausgaben.

Besonders Hartz-IV-Empfänger treffen die gestiegenen Strompreise. Das ergibt eine Analyse des Vergleichsportals Check24.

Denn: Der Strom wird, anders als die Miete, bei Hartz IV nicht vom Jobcenter übernommen. Er muss aus dem Regelsatz bezahlt werden.

Hier die Auswertung zu Hartz IV und Strom im Detail:

  • 533 Stromversorger hoben zum 1. Januar ihre Preise an oder werden das in diesem Jahr noch tun.
  • Auch wenn die Regelsätze in diesem Jahr für Alleinstehende auf 432 Euro pro Monat steigen, reicht das laut der Auswertung von Check24 nicht, um die Mehrkosten für Strom zu kompensieren.
  • Hartz-IV-Empfänger würden demnach im Durchschnitt 93 Euro im Jahr mehr für Strom zahlen müssen, als das Arbeitslosengeld vorsieht.
  • Die Pauschale für Wohnen, Energie und Wohninstandhaltung beträgt 2020 von den insgesamt 432 Euro monatlich 38,32 Euro. Die Grundversorgung werde durchschnittlich aber 46,08 Euro kosten, bei Wechsel zu einem der günstigsten Anbieter 40,08 Euro.
  • "Trotz der Erhöhung des Hartz-IV-Regelbedarfs vergrößert sich die Lücke zwischen Energiepauschale und den tatsächlichen Stromkosten für Hartz-IV-Empfänger", sagt Lasse Schmid, Geschäftsführer Energie bei Check24, laut der Pressemitteilung des Portals.

Hartz IV: "Energie muss für jeden bezahlbar bleiben"

Eine Analyse des Verbraucherportals Verivox ergab kürzlich Ähnliches.

"Durchschnittlich 115 Euro müssen alleinstehende Hartz-IV-Empfänger in der Grundversorgung im kommenden Jahr an anderer Stelle einsparen, um ihre Stromrechnung zu begleichen", sagte Valerian Vogel, Energieexperte bei Verivox. "Für Haushalte, in denen die Stromkosten zum Jahreswechsel steigen, ist dieser Fehlbetrag dann sogar noch höher."

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hatte die seiner Meinung nach zu geringe Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze bereits im vergangenen Jahr kritisiert. "Energie ist fester Bestandteil des Existenzminimums und muss für jeden bezahlbar bleiben", sagte Ulrich Schneider, Chef des Paritätischen Gesamtverbands, der "BZ Berlin". Er forderte eine Erhöhung des Regelsatzes um 150 statt um acht Euro.

(ll)

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