Nach der Lockerung der Schutzmaßnahmen sieht die Einkaufsstraße und Fußgängerzone Neuhauser Straße Kaufingerstraße in der Innenstadt von München wieder so wie vor der Coronakrise aus: mit großem Andrang von Personen, die oft nicht den gebotenen Mindestabstand zueinander einhalten. Passanten mit Mundschutz spiegeln sich in einem Schaufenster, Bayern, Deutschland *** After the relaxation of protective measures, the shopping street and pedestrian zone Neuhauser Straße Kaufingerstraße in Munichs city centre looks again like it did before the corona crisis with a large crowd of people who often do not keep the required minimum distance from each other Passers-by wearing mouthguards are reflected in a shop window, Bavaria, Germany

Eine Maskenpflicht könnte auch nach der Freigabe eines Impfstoffes hilfreich sein, sagt das RKI. Bild: www.imago-images.de / Ralph Peters

RKI: Alltag bleibt auch mit Impfstoff zunächst eingeschränkt

Der Alltag in Deutschland muss nach Ansicht des Robert Koch-Instituts auch mit Einführung eines Corona-Impfstoffs zunächst eingeschränkt bleiben – einschließlich Maskentragen und Abstandsgeboten. Darauf weist das RKI in einem am Dienstag veröffentlichten Strategiepapier hin. Demnach werden zwar voraussichtlich im kommenden Jahr ein oder mehrere Impfstoffe zur Verfügung stehen – und die Bekämpfung des Coronavirus entscheidend verbessern.

Allerdings dürfte es ein solches Mittel zu Beginn nur in begrenzten Mengen geben und insbesondere Risikogruppen zugutekommen. Deshalb seien weiterhin "gewisse Modifikationen des Miteinander-Seins" wichtig. Darunter versteht das RKI unter anderem Abstandhalten, Hygieneregeln beachten, Maske tragen, Lüften sowie die Verlegung von Freizeitaktivitäten möglichst nach draußen.

Vor zwei Monaten wurde bereits ein ähnliches Papier veröffentlicht, in der eine frühere Verfügbarkeit eines Impfstoffs für möglich gehalten worden war. Dieses Papier hatte das RKI wenige Stunden später zurückgenommen, weil es sich um eine veraltete Version gehandelt habe.

"Zeitlich und regional beschränkte Maßnahmen" gefordert

In dem jetzt vorgelegten Dokument formuliert das RKI strategische Ziele: Im Vordergrund stehe, die Ausbreitung sowie die gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie zu minimieren, während das gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Leben möglichst wenig beeinträchtigt werden soll. RKI-Präsident Lothar Wieler sagte:

"Wir brauchen im Umgang mit Covid-19 in den nächsten Wochen und Monaten zeitlich und regional beschränkte Maßnahmen, die an das jeweilige Risiko angepasst werden"

Eine Überlastung des Gesundheitssystems, Spätfolgen der Erkrankung und Todesfälle sollten soweit wie möglich vermieden werden, heißt es in dem Papier.

 Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Praesident Robert Koch-Institut RKI, aufgenommen im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Corona in Urlaubszeiten und als Thema der EU-Ratspraesidentschaft in Berlin, 13.07.2020. Berlin Deutschland *** Prof Dr Lothar H Wieler, President of the Robert Koch Institute RKI , recorded at a press conference on the topic of corona in holiday periods and as a topic of the EU Council Presidency in Berlin, 13 07 2020 Berlin Germany Copyright: xFlorianxGaertner/photothek.netx

RKI-Präsident Wieler spricht sich für anhaltende Maßnahmen auch nach einem Impfstoff aus. Bild: imago images / Florian Gaertner/photothek.net

Das RKI beschäftigt sich auch mit Schulen und Kitas: Bisherige Erkenntnisse zeigten klar, dass "Bildungseinrichtungen einer der Orte sind, die eine Rolle im Infektionsgeschehen haben". Dennoch sei es wichtig, sie durch Einhalten von Hygienekonzepten weiter offenzuhalten.

Mit Blick auf Reisen schreibt das RKI: "Erhöhte Mobilität (berufliche oder private Reisetätigkeit) bedeutet erweitertes Risiko." Allerdings hänge das Risiko nicht primär vom Ort der Reise ab, sondern wesentlich vom Verhalten des Einzelnen in einem Gebiet mit Virusübertragungen.

Das RKI spricht sich dafür aus, insbesondere Risikogruppen breit auf Influenza und Pneumokokken zu impfen. "Für die Pandemiekontrolle der kommenden Monate spielen Impfstoffe gegen andere Atemwegserkrankungen vor allem in der kalten Jahreszeit eine entscheidende Rolle." Dadurch könnten Menschen geschützt und das Gesundheitssystem entlastet werden.

(lau/dpa)

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