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Der Virologe Christian Drosten gehört in der Corona-Krise zu bekanntesten Gesichtern Deutschlands und das wird zum Problem. Bild: reuters / POOL

Virologe Drosten erhält Hass-Mail und erwägt Rückzug: "Mir wird schlecht"

Der Virologe Christian Drosten dürfte derzeit zu den bekanntesten Gesichtern Deutschlands gehören. Spätestens seit die Corona-Krise Europa erreicht hat, gab es hierzulande kein Medium, das seine Ausführungen zu den Viren nicht aufgegriffen und weiterverbreitet hat. Beim NDR ist Drosten zudem täglich zu hören.

Doch dieser permanente Fokus auf ihn scheint dem 48-Jährigen zunehmend zu schaffen zu machen. Zumindest entstand in seiner aktuellen Podcast-Folge dieser Eindruck.

Dort kritisierte der Viren-Experte von der Berliner Charité die Berichterstattung um sich und andere Kollegen. Wissenschaftler würden zunehmend als Entscheidungsträger dargestellt, obwohl sie das nicht sind.

"Es gibt Zeitungen, die malen inzwischen nicht mit Worten, sondern auch mit Bildern Karikaturen von Wissenschaftlern. Ich sehe mich selbst als Comicfigur und mir wird schlecht dabei", bekannte der renommierte Wissenschaftler. Kein seriöser Kollege würde getroffene politische Entscheidungen bewerten oder solche einfordern. Forscher würden lediglich Daten sammeln und erklären.

Dann wurde Drosten sehr deutlich: "Ich bin wütend darüber, wie hier Personen für ein Bild missbraucht werden, das Medien zeichnen wollen, um zu kontrastieren. Das muss wirklich aufhören." Konkrete Namen nannte der Virologe dabei nicht.

Nach Hassmail denkt Drosten über Rückzug aus der Öffentlichkeit nach

Er habe inzwischen sogar eine Hass-Mail erhalten, klagt der Experte. Darin sei er "persönlich verantwortlich" gemacht worden für die Selbsttötung des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer. Schäfer hatte sich am Sonntag offenbar das Leben genommen.

Für Drosten scheint damit ein Punkt näherzurücken, an dem er sich aus der Öffentlichkeit wieder zurückziehen will. "Wir sind langsam an einem Punkt, wo die Wissenschaft in geordneter Weise den Rückzug antreten muss, wenn das nicht aufhört." Zu viel Öffentlichkeit könne auch karriereschädigend sein.

Und noch eines gibt Drosten der deutschen Medienlandschaft mit: Das "Wohlfühlniveau" sei offenbar so hoch, dass Medien noch immer versuchen würden, weiter zu eskalieren und "gesellschaftliche Unzufriedenheit" zu befördern. Ihm werde dabei immer unwohler, denn: "Dieses Wohlfühlniveau in der Gesellschaft wird nicht so bleiben in den nächsten Wochen." Die Medien sollten sich ihrer Verantwortung bewusst werden, forderte der Virologe.

(pcl)

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