Deutschland
Jobcenter, Muellerstrasse, Wedding, Mitte, Berlin, Deutschland *** Jobcenter, Muellerstrasse, Wedding, Mitte, Berlin, Germany

Bild: imago images / Schöning

Alarmierende Zahlen: Kosten für Sicherheitsdienste in Jobcentern steigen dramatisch

Die Arbeit in Jobcentern ist gefährlicher, als mancher annehmen mag. Die Bundesregierung hat nun Zahlen zu den Kosten für Sicherheitsdienste in den Centern veröffentlicht – und die geben zu denken.

Wie aus einer Kleinen Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Pascal Kober hervorgeht, haben sich die Kosten für die Sicherheitsdienste in den Jobcentern seit 2011 fast verdreifacht, und zwar von 6,4 Millionen Euro auf 17,4 Millionen Euro. Kobers Anfrage liegt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor.

Arbeitsministerium fühlt sich nicht zuständig

Den Angaben der Bundesregierung zufolge gab es seit 2012 zwei Übergriffe auf Jobcenter-Mitarbeiter mit Todesfolge. Zudem wurden zwölf Körperverletzungen, 22 Gewaltandrohungen, zehn Bombendrohungen und neun Sachbeschädigungen gezählt. Die tatsächliche Zahl an Übergriffen dürfte allerdings höher sein, da diese Delikte nicht zentral erfasst werden.

Eine generelle Meldepflicht für Jobcenter existiert laut Bundesregierung nicht. Das Haus von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) verweist in seiner Antwort auf die Eigenverantwortung der Jobcenter für die Sicherheit ihrer Beschäftigten.

FDP will Hartz-IV-Gesetze verständlicher machen

"Hier schaut die Bundesregierung bewusst weg, um die Verantwortung für die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Jobcentern möglichst weit von sich fern zu halten", sagte Pascal Kober, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagfraktion, dem RND.

"Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen den politischen Rückhalt ihres Ministers Hubertus Heil und müssen sich darauf verlassen können, dass er über ihre Alltagswirklichkeit in den Jobcentern Bescheid weiß", betonte Kober.

Hartz-IV: Das könnte dich auch interessieren

Mit Blick auf das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Verhängung von Sanktionen durch Jobcenter fordert der FDP-Politiker Kober: "Da die Hartz-IV-Gesetzgebung ohnehin angepackt wird, müssen wir jetzt die Chance ergreifen, Gesetze verständlicher zu machen und das System zu entbürokratisieren, damit für persönliche Gespräche mehr Zeit bleibt."

Zudem müsse das Gefühl der Selbstbestimmtheit der Betroffenen wieder gestärkt werden, etwa "durch mehr Pauschalierungen von Leistungen, die Einführung von Bagatellgrenzen und durch fairere Zuverdienstgrenzen".

Infos zu Hartz IV

Aktuell beziehen in Deutschland knapp über vier Millionen Erwerbsfähige Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich auch Hartz IV genannt. Dabei übernimmt das Jobcenter Miete (bis zu einem regional abhängigen Quadratmeter-Preis) sowie Heizkosten und zahlt einen monatlichen Leistungssatz. Dieser Satz beträgt zum Beispiel für Alleinstehende und Alleinerziehende 424 Euro.

(pcl)

Hartz 4 oder Arbeitslosengeld: Was nach dem Jobverlust kommt

Play Icon
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Er war Jobcenter-Mitarbeiter – jetzt packt er aus: "Da kursiert Angst"

Seit 2005 gibt es Hartz IV. Die Devise der umstrittenen Maßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Deutschland lautet: Fördern und Fordern. Dazu gehört auch, dass Hartz-IV-Bezieher sogenannte "Bildungsmaßnahmen" absolvieren, um weiterhin ihre vollen Hartz-IV-Sätze zu beziehen.

Mit den Bildungsmaßnahmen lässt sich in Deutschland gutes Geld verdienen: Pro Teilnehmer erhält ein Anbieter von Bildungsmaßnahmen rund 1900 Euro, heißt es in der ZDF-Sendung. Doch es ist fraglich, ob diese …

Artikel lesen
Link zum Artikel