Provozieren für den Klimaschutz: Eine Satire des WDR auf die Klima-Debatte löst eine Kontroverse aus.
Provozieren für den Klimaschutz: Eine Satire des WDR auf die Klima-Debatte löst eine Kontroverse aus.
Bild: imago images / IPON/wdr screenshot

WDR-Intendant Buhrow entschuldigt sich für "Umweltsau"-Video des Kinderchors

29.12.2019, 09:1129.12.2019, 15:15

Dieser Song kam gar nicht gut an: Der WDR gab dem Kinderlied "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" einen neuen Text und ließ seinen Kinderchor aus Dortmund das Werk aufführen.

Die Aussagen aber sorgten für so großen Ärger, dass der WDR mittlerweile das entsprechende Video gelöscht und sich in einer Sondersendung dafür entschuldigte.

Am Samstagabend rief WDR-Intendant Tom Buhrow vom Krankenhausbett seines 92-jährigen Vaters in der Radiosendung auf WDR 2 an und bezeichnete das Video als Fehler. "Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür." Sein Vater habe immer hart gearbeitet. "Er ist keine Umweltsau", sagte Buhrow.

In dem Lied, gesungen von rund 30 Kindern, hieß es:

  • "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau."
  • "Meine Oma fährt mit 'nem SUV beim Arzt vor, überfährt dabei zwei Opis mit Rollator."
  • "Meine Oma brät sich jeden Tag ein Kotelett, ein Kotelett, ein Kotelett. Weil Discounter-Fleisch so gut wie gar nix kostet. Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau."
  • Am Ende des Songs ist ein Ausschnitt aus der UN-Rede von Greta Thunberg zu hören, die Kinder bewegen zu der Aussage ihren Mund: "We will not let you get away with this." Auf Deutsch: "Wir werden Euch damit nicht davon kommen lassen."

WDR löscht Video und nimmt Stellung zu Kritik

Das Video war am Freitag erschienen, am Samstag löschte der Sender es aus seiner Mediathek und veröffentlichte eine Stellungnahme auf Facebook.

In der Stellungnahme des Senders heißt es: Der Song sei eine Satire, die eine "Zuspitzung eines Themas (Hier: die zuweilen hysterische Klimadiskussion)" biete.

So begründet der Sender die Löschung des Videos:

"Betroffen macht uns allerdings der Vorwurf, die beteiligten Kinder seien möglicherweise 'instrumentalisiert' worden. Dies ist absolut nicht der Fall, trotzdem haben wir uns entschlossen, das Video zu löschen, da schon die Mutmaßung, WDR 2 hätte die Kinder des Chores instrumentalisiert, für die Redaktion unerträglich ist."

Die Kritik an dem Video ging unter dem Facebook-Beitrag des WDR weiter. "Das war, bestenfalls, peinlich", schreibt eine Nutzerin. "Wer hier die Planung und Umsetzung genehmigt hat und für selbige verantwortlich war/ist, sollte sich mal überlegen, was genau sein Job ist..." Es gab aber auch positive Reaktionen.

Schon zuvor gab es lautstarke Kritik, vor allem auch aus rechten Kreisen auf Twitter. Aber auch prominente Politiker kritisierten den WDR scharf. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) twitterte, der WDR habe mit dem Lied "Grenzen des Stil und des Respekts gegen über Älteren überschritten".

Der Aufschrei um das Lied erinnert an der Shitstorm für Fridays for Future für einen Tweet über Großeltern. Anlässlich eines Spiels auf twitterten die Klima-Aktivsiten vor Weihnachten über den offiziellen Account der Bewegung: "Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei."

Viele Twitter-Nutzer, darunter auch Politiker, verurteilten den Tweet als beleidigend. Fridays for Future sprach hinterher von einem "satirisch gemeinten Tweet" und entschuldigte sich.

Löschung löste neue Kritik aus

Die Löschung des Videos und die Empörung über das Lied wiederum lösten am Samstag eine neue Welle der Kritik auf Twitter aus. Dieses Mal von der anderen Seite des politischen Spektrums.

Unter dem Hashtag #Umweltsau fanden sich immer mehr Stimmen, die das Video verteidigen – und seine Löschung kritisieren.

(ll)

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