Schon im Herbst könnten erste Corona-Impf-Auffrischungen nötig sein. (Symbolbild)
Schon im Herbst könnten erste Corona-Impf-Auffrischungen nötig sein. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Drazen Zigic
Analyse

Curevac: Was der Wegfall des Vakzins für die deutsche Impfkampagne bedeutet

02.07.2021, 11:4002.07.2021, 14:43

Die Bundesregierung hatte lange auf das Corona-Vakzin Curevac gehofft, doch jetzt sieht es so aus, als ob die Wirksamkeit des Impfstoffs aus Tübingen zu niedrig sei, um ihn einzusetzen. Eine Zulassung für den europäischen Raum steht noch aus, doch Deutschland plant bereits eine Impfkampagne ohne Curevac in 2022.

Bremst das die Auffrischungen im kommenden Jahr aus? Wie sieht der Alternativ-Plan der Regierung aus? Für watson sprachen wir darüber mit dem Epidemiologen Timo Ulrichs von der Akkon-Hochschule in Berlin.

"Wahrscheinlich werden gar keine Auffrischimpfungen notwendig werden."

Curevac meldet geringe Wirksamkeit

Der Corona-Impfstoffkandidat Curevac zeigt laut der finalen Analyse eine Wirksamkeit von 48 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung über alle Altersgruppen hinweg. Das teilte das Tübinger Unternehmen Curevac am Mittwochabend selbst mit. Damit ist der mRNA-Impfstoff deutlich weniger wirksam als andere Impfstoffe.

"Wäre der Curevac-Impfstoff der einzig verfügbare, würden wir ihn verimpfen", sagt Ulrichs zu diesem niedrigen Wert. "Aber angesichts von Alternativen mit Wirksamkeiten von über 90 Prozent ist das leider etwas wenig."

Dennoch sollte man genau hinschauen: In der Altersgruppe zwischen 18 und 60 Jahren zeigte der Impfstoff zwar nur eine Wirksamkeit von 53 Prozent gegen eine Erkrankung jeglichen Schweregrades und eine Wirksamkeit von 77 Prozent gegen einen moderaten und schweren Krankheitsverlauf. Einen vollständigen Schutz gab es in dieser Altersgruppe allerdings vor einem Krankenhausaufenthalt oder Tod. An der Studie hatten rund 40.000 Probanden in zehn europäischen und lateinamerikanischen Ländern teilgenommen.

Wie die Wirksamkeit für ältere Menschen aussieht, ist noch nicht ermittelt. "Die Daten für die über 60-Jährigen innerhalb der Studie waren nicht ausreichend", sagte Curevac-Sprecherin Sarah Fakih. Ob der Impfstoff durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen wird, ist noch unklar. Das Unternehmen geht aber davon aus. "Wir haben die Daten mit der EMA geteilt. Das rollierende Verfahren wird fortgesetzt", erklärte Fakih.

Die Bundesregierung hatte den Curevac-Impfstoff ursprünglich für die Impfkampagne eingeplant. Nun rechnet das Gesundheitsministerium aber nicht mehr mit Lieferungen des Unternehmens. Das ist bitter, weil sich der Bund indirekt mit 16 Prozent an der Finanzierung von Curevac beteiligte, um eine Übernahme aus dem Ausland zu verhindern. Aus epidemiologischer Sicht sei das aber nicht problematisch, so Ulrichs, "weil die anderen Impfstoffhersteller ihre Lieferungen erhöhen werden."

2022 wird bereits ohne Curevac geplant

Die Impfkampagne 2022 wird bislang also ohne Curevac und auch ohne den unbeliebten Impfstoff Astrazeneca geplant. Für Ulrichs ein logischer Schritt, schließlich gäbe es ja die "sehr guten Alternativen wie Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson". Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge rund 204 Millionen Corona-Impfstoffdosen für das kommende Jahr beschaffen. Die bestellte Impfstoffmenge verteilt sich dem Bericht zufolge derzeit auf mehrere Hersteller:

  • 84,4 Millionen Dosen Biontech/Pfizer
  • 42 Millionen Dosen Sanofi
  • 31,8 Millionen Dosen Moderna
  • 18,3 Millionen Dosen Johnson & Johnson
  • 16,3 Millionen Dosen Novavax
  • 11 Millionen Dosen Valneva

"Somit würde für Deutschland samt Sicherheitsreserve mit einer Versorgung von etwas mehr als zwei Dosen pro Einwohner gerechnet", zitierte die Zeitung aus einem Bericht des Gesundheitsministeriums. Kostenpunkt: 3,9 Milliarden Euro im Jahr 2022.

Können wir uns den Wegfall eines Impfstoffs leisten?

Epidemiologe Ulrichs ist optimistisch, dass die schlechten Nachrichten in Bezug auf Curevac kein langfristiges Problem für Deutschland sind, sondern ausgeglichen werden können.

Generell sei es aber schlau, in der Impfkampagne auf mehrere Vakzine zu setzen, erklärt der Wissenschaftler: "Aus zwei Gründen: In der Entwicklungsphase auf mehr als nur ein Pferd zu setzen, war sinnvoll, weil der Ausgang in der klinischen Testung noch ungewiss war. Und es hat sich herausgestellt, dass eine heterologe Verimpfung bei Erst- und Zweitimpfung das Immunsystem besser aktiviert als eine homologe."

Sprich: Wer unterschiedliche Vakzine gespritzt bekommt, erhöht oft sogar noch die Wirksamkeit der Impfstoffe.

(mit Material von dpa und afp)

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