Brauchst du echt Haargel? Oder kamst du auf dem Weg zum Reis daran vorbei? Supermärkte wollen, dass du mehr kaufst, als du vorhattest.
Brauchst du echt Haargel? Oder kamst du auf dem Weg zum Reis daran vorbei? Supermärkte wollen, dass du mehr kaufst, als du vorhattest. Bild: iStockphoto / galitskaya
Analyse

Sparen im Supermarkt: Elf clevere Tipps für den Lebensmittel-Einkauf

10.05.2022, 14:4910.05.2022, 15:09

Lieferengpässe und Inflation machen den Lebensmittel-Einkauf für viele Deutsche teurer als jemals zuvor. Gerade wer ein kleines Budget hat, muss zusehen, wo er auch beim Essen sparen kann. Welche simplen, aber effektiven Einkaufs-Hacks dabei helfen können, besprachen wir für watson mit Christoph Tofall von der Verbraucherzentrale NRW.

Er sagt:

"Insgesamt können mit Tipps schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Ausgaben beim Einkauf eingespart werden."

Analysiere deine Kostenfallen

Der eine hortet Familienpackungen, die er nie isst und der andere kann ohne den Coffee-to-Go vom Bäcker nicht leben. Finde heraus, was dein Problem ist. Am einfachsten geht das, indem du deinen Kontoauszug über ein paar Monate checkst (geht auch per App) oder nach dem Einkauf die Quittung regelmäßig auf die drei teuersten Produkte überfliegst.

Tofall bestätigt, die größten Kostenfallen, sind "Produkte, die man eigentlich nicht braucht." Darunter "Exotisches Obst und Gemüse und aufwändige Fertiggerichte." Zudem Waren aus der sogenannten "Quengelzone", der Warteschlange vor der Kasse. Dort "werden fast immer Süßigkeiten und Knabberware angeboten, die noch schnell aufs Kassenband sollen..."

Erkennst du bei dir selbst ein Muster? Je mehr dir klar ist, wann und worauf du hereinfällst, desto eher kannst du gegensteuern.

Kaufe nur ein, wenn du satt bist

Wurde schon hundert Mal gesagt, aber es stimmt einfach: Gehe. Niemals. Hungrig. Einkaufen. Versuche den Einkauf bewusst zu einem Zeitpunkt zu organisieren, an dem du satt bist, zum Beispiel immer Samstags nach dem Frühstück, oder iss vor dem Besuch des Supermarkts zumindest noch eine Handvoll Nüsse. "Hunger verführt zu unnötigen Impulskäufen", so Tofall. Wir bräuchten zwar keine wissenschaftlichen Studien, um das zu bestätigen – aber es gibt sie.

Halte dich an saisonales Obst und Gemüse

Ganz abgesehen von Treibhausgasen und absurden Transportwegen, ist der Einkauf von saisonalem Obst und Gemüse "in der Regel günstiger als Importware", erklärt der Sprecher der Verbraucherzentrale. Grünkohl im Winter, Spargel im Frühling, Beeren im Sommer und Kürbis im Herbstsich nach den Jahreszeiten zu ernähren ist leckerer, billiger und sogar gesünder! Denn Saisonfrüchte enthalten genau die Nährstoffe, die wir zur jeweiligen Zeit brauchen. Eine Win-Win-Situation also.

Selbst kochen gewinnt im Preisvergleich übrigens gegenüber Instant-Ware, so Tofall: "Fertiggerichte sind schnell und praktisch, aber auch teurer." Einen Saisonkalender für heimisches Obst und Gemüse stellt die Verbraucherzentrale hier zur Verfügung.

Entwickle einen Essensplan

Zugegeben, es ist nicht jedermanns Sache. Aber wer sich aufraffen kann, einen Essensplan für die Woche zu entwickeln, spart viel Geld. Dazu gehört die Überlegung: Welche Gerichte koche ich regelmäßig und auf was kann ich verzichten.

Daraus ergibt sich ein Grundstock an Lebensmitteln, die es sich lohnt, in größeren Mengen einzukaufen (zum Beispiel Reis oder Nudeln) und die sich dann von Tag zu Tag leicht variiert zubereiten lassen (mit Gemüse, Tofu, Fleisch oder Fisch). Ein solcher Essensplan ist günstiger, als jeden Tag ein neues Rezept mit zahlreichen Zutaten "zusammenkaufen" zu müssen. Die Verbraucherzentrale führt das Prinzip hier aus.

Eigene Taschen mitzunehmen, statt Tüten zu kaufen, spart zusätzlich Geld. Muss nicht mehr erwähnt werden, oder?
Eigene Taschen mitzunehmen, statt Tüten zu kaufen, spart zusätzlich Geld. Muss nicht mehr erwähnt werden, oder? Bild: iStockphoto / Zbynek Pospisil

Wem so viel Organisation völlig widerstrebt, sollte sich zumindest das Führen einer Einkaufsliste angewöhnen, um Impulskäufe zu reduzieren. Eine Liste sei "in jedem Fall nützlich", erläutert Tofall, um sich immer wieder zu versichern "welche Lebensmittel notwendig sind."

Zahle mit einer festgelegten Summe Bargeld

Wer mit Karte zahlt, spürt kaum, wieviel Geld er tatsächlich ausgibt, das haben mehrere Studien inzwischen nachweisen können. Bargeld sichtbar vor sich zu haben und über die Kasse reichen zu müssen, bremst diesen Effekt aus.

"The Pain of Paying" anschaulich erklärt

"Man kann ein Maximalbudget für den Einkauf festlegen und versuchen, dieses einzuhalten", erläutert Tofall zudem über den Umgang mit Geld. In Härtefällen kann es helfen, nur mit einem Schein in der Hand Einkaufen zu gehen, um sich selbst zu zwingen, das eigene Budget nicht zu übertreten.

Wenn du zum Beispiel 160 Euro im Monat für Essen zur Verfügung hast (Durchschnitts-Budget deutscher Studierenden laut einer Studie), dann nimm für den Wocheneinkauf auch nur 40 Euro mit. Das nötigt dich zum Überschlagen der Kosten schon vor der Kasse.

Vergleiche die Kilopreise

Oft wirkt ein Produkt beim ersten Blick günstiger als sein Nachbar, ist es aber nicht. Denn nicht der groß gedruckte Verkaufspreis auf dem Preisschild ist entscheidend, sondern der kleiner geschriebene Grundpreis pro kg/l. "Nur dieser erlaubt einen echten Preisvergleich und offenbart Mogelpackungen", berichtet Christoph Tofall.

Nicht immer werden Preise so übersichtlich präsentiert - manchmal versteckt sich hinter dem Betrag auf dem Schild nicht der Kilo- sondern der Stückpreis, oder Preis pro 100 Gramm.
Nicht immer werden Preise so übersichtlich präsentiert - manchmal versteckt sich hinter dem Betrag auf dem Schild nicht der Kilo- sondern der Stückpreis, oder Preis pro 100 Gramm.Bild: www.imago-images.de / imago images

Die Bundesregierung hat ihre "Preisangabenverordnung" gerade erst zu Gunsten der Konsumenten optimiert: Seit dem 28. März 2022 müssen alle Supermärkte den Grundpreis ihres Produkts auf dem Preisschild in Kilo- und Litergröße notieren.

Mach es dir im Supermarkt nicht zu bequem

Supermärkte sind mit Absicht so aufgebaut, dass ihre Kunden möglichst alle Regale passieren, zahlreiche Sonderangebote sehen und zu den (für den Händler) rentabelsten Produkten greifen. Dabei machen sie sich eine Grundeigenschaft der Menschen zu Nutze: ihre Bequemlichkeit.

Wenn du aber schon weißt, dass du kein Produkt aus Gang XY benötigst, dann vermeide ihn auf dem Weg zur Kasse, selbst wenn das zwei Meter Umweg bedeutet. So meidest du Impulskäufe und vermeintliche Schnäppchen.

"Boah, so viele Schnäppchen?" Supermärkte setzen darauf, irrationale Kaufimpulse auszulösen.
"Boah, so viele Schnäppchen?" Supermärkte setzen darauf, irrationale Kaufimpulse auszulösen. Bild: dpa / Oliver Berg

Ein Tipp der Verbraucherzentrale: "Besser einen kleinen Korb zum Einkauf nehmen, statt den großen Einkaufswagen, der zu mehr Einkäufen verführt", sagt Tofall.

Günstigere Alternativ-Produkte befinden sich zudem nicht in Augen- und Greifhöhe, sondern in den unteren Regalen, von Supermärkten übrigens auch "Bückzone" genannt. Der Unterschied kann mehrere Euro betragen.

Gehe erst zum Markt, wenn die Händler packen

Wochenmärkte bieten regionale Produkte an, die mit weniger Verpackung und Klimabelastung auskommen. Aber: Die frischen Waren sind teurer als der Discounter. Etwas günstiger werden die Preise meist in der letzten halben Stunde vor dem Einpacken, wenn die Händler bereits Sonderangebote ausrufen.

Kurz vor Marktschluss gibt's die Zwiebeln vielleicht doch noch etwas günstiger?
Kurz vor Marktschluss gibt's die Zwiebeln vielleicht doch noch etwas günstiger?Bild: dpa / Moritz Frankenberg

Alternativ gibt es Apps, die bald aussortierte Lebensmittel zum günstigen Preis anbieten (Bsp. "Too Good To Go") und die sich besonders für WG's lohnen können, denn die Mengen an Brötchen, Obst und Co. sind häufig eher groß.

Organisiere den Küchenschrank

Damit zuhause nicht so viel vergammelt, organisiere Lebensmittel gleich beim Auspacken so, dass du wenig wegschmeißen wirst. Heißt: Bei Produkten, die du auf Vorrat hast, sollte das neu Gekaufte immer nach hinten gestellt werden (so machen es Supermärkte auch). Damit verhinderst du, nur die erste Reihe im Schrank zu verkochen und deine Vorräte dahinter dem Haltbarkeitsdatum zu opfern.

Ganz generell hilft es, Lebensmittel, die bald verbraucht werden sollten, auf Augenhöhe aufzubewahren, damit du sie nicht vergisst. Konserven dürfen etwas versteckter sein. Und klar: Das Haltbarkeitsdatum ist nur ein Richtwert, viele Lebensmittel können auch darüber hinaus verkocht werden.

Lerne alles über Lagerung

Je weniger Essen du wegwirfst, desto weniger Geld musst du ausgeben und für die Natur ist es eh besser. Es lohnt sich also, die alten Tipps zur Lagerung von Lebensmitteln zu verinnerlichen und umzusetzen.

Kartoffeln mögen es dunkel und trocken, Avocados reifen (zu) schnell, wenn sie neben Zitrusfrüchten liegen und für Milch ist es in der Kühlschranktür fast schon zu warm. Alles kein Hexenwerk, aber man muss es wissen. Tipps dazu findest du zum Beispiel hier beim Bundeszentrum für Ernährung.

Meide Tanke und Späti

Wer bei der Tanke oder beim Späti zugreift, zahlt oft das dreifache vom Supermarkt-Preis. Natürlich handelt es sich hier oft um Impulskäufe zu Unzeiten – und nach der Clubnacht mit Vollkater darf der Schokoriegel mal sein. Aber wenn du dich dabei erwischst, dass du permanent unsinnige Kleinkäufe im Vorbeigehen machst, versuch einen ähnlichen reizvollen Snack und Getränk im Rucksack oder Auto bereit zu halten. Wenn schon Sünde, dann nicht auch noch unnötig teuer.

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