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Terrarien von Bartagamanen müssen konstant auf 25 bis 28 Grad geheizt werden. Bild: iStockphoto / Victor Pulido
Analyse

Wegen hoher Energiekosten: Reptilien werden ausgesetzt und abgegeben

05.10.2022, 15:4505.10.2022, 15:48

Die gestiegenen Energiekosten treffen bereits viele Menschen hart. So versuchen manche, Heizkosten einzusparen, indem sie ihre Heizkörper abstauben, sich kleine Teelichtöfen bauen, oder einfach einen Wollpullover mehr zu Hause anziehen. Aber was tun, wenn man sich um andere Lebewesen kümmern muss, denen man nicht einfach eine Wärmflasche ins Terrarium legen kann?

Vor diesem Problem stehen derzeit viele Haustierhalter, besonders Reptilienbesitzer. Denn die Bartagamen, Leopardgeckos und Pythons stammen aus anderen klimatischen Bedingungen und haben daher auch besondere Bedürfnisse. Eine bestimmte, konstant hohe Temperatur gehört beispielsweise dazu. Doch was, wenn man sich die erforderliche Pflege nicht mehr leisten kann?

Riesenschlangen auf dem Parkplatz

Ein erster Fall von ausgesetzten Reptilien hat sich kürzlich bereits in Hamburg zugetragen. Mitte September wurden dort vier Pythons auf dem Parkplatz eines Tierheims ausgesetzt. Auch mehrere Bartagamen sowie Wasserschildkröten seien beim Hamburger Tierheim abgegeben worden.

Diese Albinopython ist eine der vier Schlangen, die ausgesetzt wurden.
Diese Albinopython ist eine der vier Schlangen, die ausgesetzt wurden.Bild: hamburger tierschutzverein

In einer Pressemitteilung teilte die erste Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins (HTV), Janet Bernhard, mit:

"Wir gehen davon aus, dass die steigenden Strompreise in naher Zukunft noch weitere Aussetzungen von Schlangen und anderer Terrarientiere nach sich ziehen werden, denn viele Menschen bekommen Angst vor hohen Abschlägen und einer saftigen Endabrechnung. Die Wärmelampen für die Beheizung der Terrarien fressen viel Strom. Und das fällt in der aktuellen Lage eben enorm ins Gewicht."

Auch bei anderen Tierschutzvereinen macht man sich Sorgen darum, was mit vielen Haustieren, besonders den "Exoten" während der Energiekrise passiert. "Menschen, die ihre Tiere lieben, werden sicherlich alles dafür tun, um ihr Tier zu behalten und an anderer Stelle Abstriche machen", sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund gegenüber watson.

Weiter führt sie aus: "Leider hat die Erfahrung der vergangenen Monate aber auch bereits gezeigt, dass viele Menschen in der Coronazeit unüberlegt angeschaffte Tiere wieder loswerden wollten."

Momentan sei es im bundesweiten Schnitt jedoch glücklicherweise noch nicht der Fall, dass überdurchschnittlich viele Tiere in Tierheimen abgegeben würden, berichtet Schmitz. "Es ist aber zu befürchten, dass angesichts der Inflation viele Menschen nicht mehr wissen, wie sie Tierarzt- und Futterkosten für ihr Tier stemmen sollen."

Insgesamt befürchteten die Tierheime steigende Abgabezahlen – insbesondere bei exotischen Wildtieren wie Reptilien.

Haustiere werden immer wieder abgegeben

Watson hat auch beim Tierschutzverein in Berlin nachgefragt. Über den Sommer wurde dort noch kein Anstieg der Abgaben von Reptilien und anderen Haustieren an Tierheime verzeichnet. Grundsätzlich würden über das ganze Jahr alle Tierarten abgegeben oder ausgesetzt, berichtet Ute Reinhardt vom Tierschutzverein für Berlin.

"Die Gründe sind vielfältig, häufig spielen Zeit- oder Geldmangel eine Rolle. Auch Allergien werden häufig als Abgabegrund angegeben. Es kommt vor, dass aggressives Verhalten der Tiere die Tierhalter:innen zur Abgabe zwingt", sagt Reinhardt.

Wie in Hamburg rechnet man aber auch in Berlin mit mehr abgegebenen und ausgesetzten Tieren für die kommenden Monate. "Wir rechnen zurzeit mit einem Anstieg der Abgabe von Exoten wie Schlangen und Reptilien, da die Haltung dieser Tiere sehr energieaufwendig ist", befürchtet Ute Reinhardt. Die Tiere bräuchten eine Temperatur von 25 bis 28 Grad, was meist durch eine Wärmelampe erreicht wird.

Doch die gestiegenen Energiekosten treffen nicht nur die Haustierbesitzer, sondern natürlich auch die Tierheime. In einer Pressemitteilung des Deutschen Tierschutzbunds heißt es, dass die Tierheime und Tierschutzvereine eine Preissteigerung von knapp 130 Prozent bei den Energiekosten erwarten. Zudem prognostizieren sie Kostensteigerungen von 21 Prozent beim Futter, 18 Prozent bei den Tierarztkosten und 15 Prozent bei den Personalkosten.

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Die Schmuckschildkröte sieht man in Parkteichen häufiger. Heimisch ist sie nicht, es sind ausgesetzte Tiere.Bild: IMAGO / Hartenfelser

Insgesamt erwarten die Tierheime eine Gesamtkostensteigerung von rund 23 Prozent. Denn nicht nur Reptilien werden vermehrt abgegeben. Auch alle weiteren Arten von Haustieren, die teilweise während der Corona-Pandemie angeschafft wurden, leben nun im Tierheim. Viele, vor allem junge Hunde, benötigen dabei intensive Betreuung, weil die früheren Halter die Erziehung vernachlässigten.

Die meisten Schlangen sind nicht gefährlich

Immer wieder entkommen Schlangen und Echsen aus ihren Terrarien oder werden aus unterschiedlichen Gründen ausgesetzt, worüber häufig auch in der Presse berichtet wird. Die meisten Tiere sind, zumindest für Menschen, jedoch nicht gefährlich.

Schlangen aus tropischen Gebieten können bei uns in Deutschland nicht lange überleben. Viele der gehaltenen Schlangen wie Pythons oder Kornnattern sind auch nicht giftig. Trotzdem können sie das hiesige Ökosystem stören.

Die Haltung giftiger Schlangen ist in Deutschland zudem noch nicht in allen Bundesländern verboten. Aber ob giftig oder nicht: Schlangen, andere Reptilien und ganz allgemein Haustiere sollten niemals ausgesetzt werden. Ihr Aussetzen ist meist ihr Todesurteil.

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Es soll ja Menschen geben, die dem Gegenüber immer als erstes auf die Schuhe schauen, um zu erkennen, mit wem sie es zu tun haben. Sneakers gleich entspannt, Boots gleich tough, sind sie zu sauber, bist du pedantisch, und so weiter.

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