Es ist bekannt, dass Sprachtools wie ChatGPT mit zahllosen Texten gefüttert werden, oft auch ohne Zustimmung der Urheber:innen. Es gab bereits zahllose Beschwerden, offene Briefe und auch Rechtsstreitigkeiten, zum Beispiel von US-Schriftsteller:innen, darunter George R.R. Martin.
Parallel weiten die Unternehmen hinter den KI-Programmen den Zugriff zu verschiedenen Quellen fleißig aus. Googles Gemini ist da ein besonderes Beispiel. Konnte Gemini zunächst auf die Daten aus Suchanfragen sowie allerlei Quellen, zu denen diese führen, zugreifen, bekommt diese nun auch Einblick in die Daten beliebiger Apps, darunter auch Whatsapp.
Google hat kürzlich die Fähigkeiten von Gemini erweitert. So kann die KI-App künftig auf Daten beliebiger Apps zugreifen. Um das für Kund:innen schmackhaft zu machen, bewirbt Google das Ganze als eine Erweiterung des Funktionsumfangs, um alltägliche Aufgaben mit dem Smartphone leichter zu machen.
Auch bei Anrufen, Nachrichten und Whatsapp soll Gemini helfen, was Google vage erwähnte. Der KI-Dienst soll Aufgaben etwa via Sprachsteuerung erledigen können. Bisher haben nur US-Nutzer:innen eine entsprechende Mail dazu erhalten.
Die Hilfestellung gelingt aber nur, wenn Gemini Zugriff auf SMS- und Whatsapp-Chats hat, wie das Techmagazin "Ars Technica" festgestellt hat. Es gibt ergo eine Mitlesefunktion, die sich aber nicht ohne Weiteres abschließen lässt.
Und hier wird es besonders heikel. So heißt es in einem Support-Dokument, dass Daten, die Gemini einliest, nicht nur von der KI genutzt werden, sondern auch von menschlichen Prüfer:innen. Diese können sie lesen, kommentieren und verarbeiten. Vertrauliche Daten wären dann nicht mehr wirklich sicher.
Für User:innen ist zudem nicht ersichtlich, was mit den Daten passiert, mit denen Googles KI trainiert wird. Vertrauliche und persönliche Daten könnten von ihr aufgenommen werden.
Da Gemini auf vielen neueren Android-Geräten vorinstalliert ist, führt das natürlich zu einer Vielzahl an Problemen. So lässt sich der Datenzugriff der KI nicht leicht einschränken, da diese tief ins Betriebssystem integriert ist. Einen Weg gibt es aber: die Google-App komplett abschalten. Nur fällt dann die Google-Suche weg, was nicht unbedingt optimal ist.
Zur Beruhigung: Bisher ist nicht bekannt, ob und wann es die Neuerungen auch in Deutschland gibt. Völlig unwahrscheinlich ist das aber nicht, wobei die Datenschutzrechte hierzulande anders ausfallen als in den USA.