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Bild: RTL / Getty Images / watson Montage

Hartz-IV-Empfänger wütet gegen RTL-Experten – der kontert: "Krieg's Kotzen"

Michael ist Protagonist der RTL-Armutsshow "Zahltag – Ein Koffer voller Chancen". Stillsitzen ist nicht so Michaels Ding. Das sagt der ehemalige Hartz-IV-Empfänger selbst, als er im Rahmen der Show an einem Gründer-Seminar teilnimmt, das ihm dabei helfen soll, sich selbstständig zu machen. Denn zurück in die Arbeitslosigkeit will der 29-Jährige vierfache Vater aus Siegen auf keinen Fall.

Den Platz im Seminar hat er, neben einem Koffer voller Geld, geschenkt bekommen unter anderem von Gründungsberater Felix Thönnessen, der den Kurs auch leitet und in der RTL-Show Experte ist.

Sowohl Geldkoffer als auch Expertenrat und Seminar sollen Michael dabei helfen, seine Geschäftsidee umzusetzen: ein eigener Einkaufsservice. Doch leider ist der Weg in die Selbstständigkeit steinig – und Michael den Experten nicht gerade wohlgesinnt: In einer Szene der letzten Folge wird der Ex-Hartz-IV-Empfänger geradezu ausfällig.

"Zahltag" will Menschen aus Hartz IV helfen

Die Teilnehmer der Sendung leben von Hartz IV. Von RTL bekommt jede teilnehmende Familie einen Koffer voller Geld geschenkt. Die darin enthaltene Summer entspricht dem jährlichen Leistungssatz von Hartz IV – auf einmal ausbezahlt. Mit den bis zu 30.000 Euro pro Koffer sollen sich die Protagonisten mit einer Geschäftsidee selbstständig machen.

Kommentiert wird das Geschehen vom ehemaligen Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky, Ex-Hartz-IV-Bezieherin und "Cindy aus Marzahn"-Darstellerin Ilka Bessin sowie von Gründerberater Felix Thönnessen.

Glücklich mit dem Seminar ist der frühere Hartz-IV-Empfänger nicht.

Zwei Tage soll das Seminar in Düsseldorf dauern, an dem Michael teilnehmen darf. Wirklich zufrieden wirkt er allerdings von Anfang an nicht. Neben den Schwierigkeiten, die er beim Stillsitzen erfährt, sagt er nach dem ersten Kurs-Tag:

"Ich hab mir bisschen ein wenig mehr vom Seminar erhofft. Zuhören will ich nicht. Zuhören hätte ich auch bei Youtube machen können."

Auch RTL-Experte und Kursleiter Felix merkt, dass der Workshop eine Herausforderung für Michael darstellt – er sagt in der Sendung:

"Das Seminar war für den Michael erst mal ein totales Kontrastprogramm, weil da saßen ganz, ganz viele Leute mit sehr, sehr vielen ausgereiften Ideen und ich glaube, er hat sich selber, würde ich fast sagen, ein wenig unwohl gefühlt."

Schon am zweiten Tag des Seminars fehlt Michael

An Tag zwei von Felix' Gründerseminar fehlt Michael allerdings. Er musste sich nachts von einem Freund abholen und nach Hause bringen lassen, angeblich, weil es ihm nicht gut ging. Per SMS hat er sich beim Gründungsexperten entschuldigt. Bei Felix herrscht dafür wenig Verständnis:

"Selbst wenn ich jetzt Bauchschmerzen hab, mir kotzübel ist oder ich Kopfschmerzen habe, würde ich bei so einem Seminar, was auch noch so viel Geld kostet, auf jeden Fall am zweiten Tag da sein."

Wieder zu Hause angekommen, lässt Michael seinem Ärger freien Lauf: Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, zieht er über den Experten Felix und seinen Kurs her. Auf die Frage seiner Frau hin, was er beim Seminar gemacht hätte, antwortet Michael:

"Bisschen rumgesessen und mir angehört, wie toll dem Felix sein Leben ist."

RTL-Experte Felix wisse vielleicht, wie man sich selbst coacht und habe auch gute Ideen – umsetzen könne er sie allerdings nicht. Das lasse er lieber andere machen.

"Was soll das bringen, wenn ich mir einfach nur dummes Gelaber von denen reinziehe?"

Wie andere Menschen es geschafft haben, das interessiert Michael nicht – lieber will er Tipps hören, wie er es selbst schafft. Außerdem habe Felix' Vortrag "schwer auswendig gelernt" geklungen. "Gerade dann würde es mir auf den Sack gehen, nur über mich selber zu reden."

Vertrauen in die RTL-Experten scheint Michael nicht mehr zu haben – die sind entsetzt

Wirklich Vertrauen in die Experten scheint Michael nun nicht mehr zu haben – mehr Hilfe hätte er sich laut eigener Aussagen bei Verträgen und AGBs gewünscht. Felix jedoch sagt, genau diese Inhalte wären am zweiten Tag im Seminar dran gekommen. Dennoch lautet Michaels Vorwurf an den Experten Felix:

"Also mir kam das so vor, als wollte der einfach nur kostenlose Werbung im Fernsehen haben. Durch mich. "

Für Michael war das Seminar, so sagt er zum Schluss, "die reinste Verarsche". Die Experten wirken entsetzt über Michaels Undankbarkeit. Auch Felix sagt geradeheraus:

"Also ich krieg' bei sowas einfach das Kotzen."

Weiterhin kritisiert der Gründerberater Michaels Einstellung sowie dessen Umgang mit Geld generell – denn knausern tut Michael nicht. Immerhin hat er von dem Koffergeld gleich einen Smart gekauft, wie in den Folgen zuvor gezeigt wurde – für 10.000 Euro. Als Geschäftsauto, versteht sich.

Felix mutmaßt:

"Dann wäre das Geld bei jemand anderem vielleicht besser aufgehoben gewesen."

Nachdem Familie Traut allerdings Bilanz zieht, hätte Michael sich vielleicht doch lieber mehr Ratschläge von Felix geholt: Schnell ist nämlich fast das gesamte Koffergeld aufgebraucht. Nun muss sich die Familie neue Lösungsvorschläge überlegen – denn zu Hartz IV will sie auf keinen Fall zurück.

(ak)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zweiundvierzig 03.10.2019 12:11
    Highlight Highlight Und wieder - die meisten Armen haben kein Einnahmen, sondern ein Ausgabenproblem.
    Seinen 4 Kindern (4 Kinder!!!) wird er dieses "Können" weitergeben.

    Daher könnte H4 auch noch so hoch sein, es würde diesen Menschen nie reichen.

    Geben Sie einem irgendeinen Studenten oder Azubi 15.000€ um was besseres aus seinem Leben zu machen - meinen Sie einer würde losrennen und sich einen Smart für 10.000€ holen?

    H4 Empfänger die arbeitsfähig sind, müssen anders behandelt werden als solche die Arbeitsunfähig sind.
    Statt Geld sollte es für diese knapp kalkulierte Bezugsscheine geben.

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