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Interview

Generation Z: Influencerin Leoobalys zu Kritik an ihrem Beruf – "mach's doch einfach selbst"

20.10.2022, 16:4224.10.2022, 13:44

Gerade einmal 13 Jahre ist Leonie alt, als sie damit anfängt, Youtube-Videos in ihrem Kinderzimmer zu drehen. Als Leoobalys wird sie bekannt. Heute hat die mittlerweile 18-Jährige rund 1,6 Millionen Follower bei Instagram und 1,4 Millionen bei Tiktok. Jeden Tag postet die Berlinerin Content. Ihre größten Unterstützer sind dabei ihre Eltern Andreas und Sandra.

Ihr Leben als junge Influencerin ist nicht nur geprägt von kreischenden Fans und lukrativen Werbedeals, sondern auch vom Stress, täglich Inhalte zu produzieren oder mit Hasskommentaren fertig zu werden. Die Regisseurin Susanne Regina Meures hat Leonie und ihre Eltern vier Jahre lang begleitet, herausgekommen ist der Dokumentarfilm "Girl Gang", der ab 20. Oktober im Kino läuft.

Im Rahmen der neuen Serie zur Generation Z hat watson mit der 18-jährigen Influencerin und ihrem Vater und Manager Andreas über falsche Eindrücke im Film und ihre Pläne für die Zukunft gesprochen.

watson: Wie war es, einen Film über dein Leben zu sehen?

Leo: Sehr krass, denn so war der Film eigentlich gar nicht geplant. Der Name "Girl Gang" stand schon, aber es sollte ursprünglich um mehrere Mädchen gehen, die mit Social Media zu tun haben. Die eine mehr, die andere weniger. Jetzt ist es eine Familiendoku geworden. Das war für uns sehr krass. Ich wusste zwar, dass ich in dem Film sein, aber nicht, dass ich die Hauptrolle haben würde.

Wie findest du die Darstellung deines Alltags?

Leo: Man hat im Film nicht gesehen, dass damals die Schule und der Fußball auch riesige Themen für mich waren, der Fußball ist es immer noch.

Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Leo: Susanne Regina Meures, die Regisseurin, hat im Park Mädchen gesehen, die Tiktoks gemacht haben und wollte diesem Phänomen nachgehen. Dann hat sie mich auf einer Messe kennengelernt. Meine Eltern haben damals schon mein Management gemacht. Das hat sie dann gesehen und meinte: "Ich filme dich dann auch mit, wenn das in Ordnung ist." Bevor wir uns dafür entschieden haben, bei der Doku mitzuwirken, haben wir uns das aber lange überlegt.

Andreas: Nachdem sie uns eineinhalb Jahre begleitet hat, meinte Susanne, dass sie unsere Situation besonders interessant findet: Dass wir als Eltern quasi das Management von Leo übernehmen. Eigentlich wollten meine Frau und ich gar nicht ins Fernsehen, schon gar nicht ins Kino.

"Ich kann nicht einfach jemanden kennenlernen, denn ich muss immer aufpassen, ob die Person es ernst meint."
Leo, Influencerin

Gab es Szenen, die schwer anzuschauen waren für euch?

Leo: Im Film sieht es jetzt so aus, als würde meine ganze Woche nur aus Druck bestehen, als sei ich immer nur genervt. Und natürlich ist man da mal gestresst, wenn eine Abgabe näher rückt und zwischendurch fallen noch Schulsachen an. Ich finde es schade, dass es im Film so wirkt, als hätte ich keine Freunde. Das ist nicht so und war es auch nie.

Andreas: Die Voice-Over sind manchmal aus dem Zusammenhang gerissen. Wenn ich zum Beispiel sage: "Leo braucht keinen Ausgleich zu Social Media, weil das ihr Leben ist". Ich meinte: Sie muss sich nicht verstellen, um die Follower an ihrem Leben teilhaben zu lassen. Im Film kommt es so rüber, als hätte ich meinen Job an den Nagel gehängt, um Leo hauptberuflich zu managen. Das stimmt nicht: Tagsüber war ich arbeiten und habe mich nachmittags um das Hobby meiner Tochter gekümmert. Das kann man negativ sehen: Er war der Böse, der Manager, der Druck ausübt. Oder man sagt: Was für ein toller Papa, der sich so rührend um das Hobby seiner Tochter kümmert.

Was sind negative Aspekte des Influencerlebens? In der Doku sagt dein Vater, du musst Abstriche bei sozialen Kontakten machen.

Leo: Ich kann nicht einfach jemanden kennenlernen, denn ich muss immer aufpassen, ob die Person es ernst meint. Ich hatte schon oft die Situation, in der sogenannte Freunde mir betrunken ihre ehrliche Meinung gesagt haben. Die waren dann natürlich nicht länger meine Freunde.

Schränkt die Bekanntheit das Leben ein?

Andreas: Als Leo mit 14, 15 diese Fans hatte, die man auch in der Doku sieht, die kreischen und ihr hinterherlaufen, da hatte sie schon Probleme, einfach mal in die U-Bahn zu steigen. Weil sie einfach zu bekannt dafür war.

Leo: Die kreischenden Fans sind nicht unbedingt so negativ. Es sind Leute, die dir ungefragt Kommentare gegen den Kopf knallen. Ich bin immer wieder erstaunt, dass Leute sich das trauen, ich könnte das niemals.

"Lass dich nicht fertig machen, es sind Leute, die dich nicht kennen."
Leo, Influencerin

Wie gehst du mit dem Hass um?

Leo: In solchen schwierigen Phasen habe ich gemerkt, wie viele Leute hinter mir stehen. Meine Familie hat mich immer aufgebaut, vor allem meine Eltern. Sie haben gesagt: "Lass dich nicht fertig machen, es sind Leute, die dich nicht kennen." Diese Perspektive hat mir geholfen.

Was hältst du von dem öffentlichen Vorurteil, dass Influencer kein Talent haben?

Leo: Ich sage dann: "Mach's doch einfach selbst." Jeder besitzt ein Handy. Besonders diejenigen, die Influencer heruntermachen, kennen sich ja gut damit aus. Ich finde, die Doku zeigt ganz gut die negativen Seiten. Man reist nicht von heute auf morgen mit dem Privatjet durch die Gegend. Es ist deine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Leute dich gern anschauen. Du musst interessant bleiben, damit sich jemand für dich interessiert. Du kannst nicht den ganzen Tag auf der Couch liegen, du musst trotzdem eine Fragerunde machen, damit die Leute dranbleiben. Auch, wenn du krank bist.

Hast du also nie eine längere Zeit "Urlaub" von Social Media?

Leo: Nein, ich habe in den letzten fünf Jahren jeden Tag etwas gepostet. Bei Instagram habe ich 2300 Beiträge. Das ist schon irgendwie crazy, so viel Content von sich zu haben. Aber es macht mir halt Spaß. Solange ich den Leuten mein Leben zeige, ist es ja auch keine extra Belastung.

Andreas: Während der Schule, den Hausaufgaben und dem Fußballtraining ist sie nicht in den sozialen Medien. Es sind also wenige Momente am Tag, in denen sie mit Social Media zu tun hat. 99 Prozent der Jugendlichen da draußen beschäftigen sich mit Social Media. Einige schauen eben nur zu, andere posten.

Viele in deinem Alter wollen mal raus von zu Hause und machen zum Beispiel ein Auslandsjahr, wäre das eine Option für dich?

Leo: Ich habe darüber nachgedacht. Es könnte aber Probleme geben: Ich müsste dort erstmal Leute kennenlernen und die dann darum bitten, Bilder von mir zu machen. Dafür wäre ich zu schüchtern. Ich trage ja auch Verantwortung: Teilweise bin ich in Langzeitverträgen und muss Posts und Storys produzieren. Also eher nicht. Vielleicht eine Auslandswoche (lacht).

Gibt es Themen, für die du brennst und für die du deine Reichweite nutzen willst?

Andreas: Ich denke, es gibt einige Themen, die sie besser nicht ansprechen sollte. Dafür ist sie auch noch zu jung. Themen wie Sanktionen oder Impfpflicht, die polarisieren in der Gesellschaft. Warum sollte Leo als junges Mädchen dann Meinungen verbreiten, von denen sie vielleicht nicht so viel Ahnung hat?

Leo: Ich äußere zu vielen Dingen, außer zu politischen Themen, meine Meinung. Und egal, was man sagt, von irgendeiner Seite wird man immer angegriffen. Das nervt.

Was hofft ihr, welche Botschaft der Doku bei den Zuschauern ankommt?

Andreas: Zum Influencersein gehört Disziplin, Fleiß und ein dickes Fell, um mit Hater-Kommentaren umzugehen. Es geht nicht, wenn du nur feiern gehst und Netflix schaust.

Leo: Aber jeder Influencer ist anders. Das ist auch das Schöne daran. Hoffentlich verstehen die Leute, dass der Film nur meine Social-Media-Seite zeigt.

Hier könnt ihr den Trailer zu "Girl Gang" sehen:

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