Wieso du NICHT aufhören solltest, dich mit deinem Partner zu betrinken

Sollte man sich in einer Beziehung gemeinsam betrinken? Meine Kollegin ist dagegen – ich sehe das anders.

Bianca Xenia Jankovska
Bianca Xenia Jankovska

"Hello, ich komm um 13:15 in Tegel am Flughafen an", schreibt mir meine Freundin auf dem Weg nach Berlin. "Holst du mich ab? Und gehen wir bitte am Abend feiern? Ich war schon lange nicht mehr." Aber sicher, Bettina! Nachdem wir am selbigen Abend in der Weinschenke landen und unsere Bestellung aufgeben (klingt dann in etwa so: "Zwei Weißweinschorlen, bitte!"), will mir meine Freundin nämlich etwas gestehen.

Ich denke an das Schlimmste. Vielleicht ist ihr Liebster Veganer geworden? Oder, noch ärger: Impfgegner.

Ich liege komplett daneben. Die Überraschung ist:

Meine Freundin geht seit fünf Jahren nicht mehr mit ihrem Freund saufen.

Nicht, weil sie keinen Alkohol verträgt oder nach diversen eskalierten All-Inclusive-Urlauben Verantwortung gegenüber ihrer Leber übernehmen wollte, nein. Sie findet, saufen mit dem Partner ist Weinverschwendung. Ich nicke. Und überlege, ob ich das nicht sehr, sehr ähnlich sehe.  

Denn, seien wir mal ehrlich jetzt: Das Anbandeln funktioniert immer noch allzu oft über Alkohol. Wer kann sich nicht an Dates erinnern, innerhalb derer man in den ersten zwei Stunden fünf gespritzte Weiße geleert hat?

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Die richtige Menge Alkohol lässt jede peinliche Anekdote vom Betriebsausflug cooler wirken und die Hände ganz automatisch gegen Mitternacht in die des Gegenübers gleiten. Kein Wunder also, dass sich Singles so oft betrinken! Nicht nur, um am eigenen Leib erfahrene Phänomene wie Ghosting zu verarbeiten, sondern auch um das nächste Date mit John über die Bühne zu bringen.  

Später sinkt der Alkoholkonsum exponentiell zur Beständigkeit der Beziehung und eintrudelnden Nachrichten.

So ist es wenig verwunderlich, dass viele Paare schon bald in die komplette Ereignislosigkeit der zwischenmenschlichen Koexistenz übergehen und gar nichts mehr trinken. Selbst, wenn gerade niemand schwanger ist. Die Begründung: Wozu noch saufen, wenn es sich ohne sowieso besser vögeln lässt? Und überhaupt: Kostet ja auch Zeit, Geld, Kater und auch mit viel Hyaluron nicht wiederherstellbare Labialfalten.

Was bleibt den Vergebenen also übrig? Richtig. Sie schauen fern oder – realistischer – bingen Netflix. Sie versuchen den verlorenen Weinkonsum irgendwie durch Paprika-Chips und gelatinefreie Gummibärchen wettzumachen und wundern sich dann fünf Jahre später, dass sie dicker geworden sind.

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Nicht, dass das 2018 besonders schlimm wäre – aber auffallen tut es den besagten Paaren dann ja doch, also fangen sie an, "gemeinsam Sport zu machen" und zum Bikram-Yoga zu gehen oder – hier wären wir bei der ärgsten Stufe der kollektiven Verzweiflung angekommen – Tennis zu spielen mit befreundeten Nachbarn, nur damit diese gottverdammten fünf Kilo runterkommen, die gar nicht erst auf die Hüften gelangt wären, wenn sie weiterhin zusammen feiern gegangen wären. Sag ich zumindest.

Aber keine Sorge, ich versteh die Gegenseite auch. Wer kein Alkoholproblem entwickeln möchte, muss ja auch schauen, dass er mit seinem Date ergo Beziehung – das ja jetzt, wo die Gefühlslage geklärt ist, jeden oder jeden zweiten Tag auf der Couch Platz nimmt und die Füße hochlagert – nicht ernsthaft konsumabhängig wird.

Wie würde das bitte ausarten, jeden zweiten Tag saufen zu gehen wie beim ersten Date?

Die Wirtschaft würde zusammenbrechen, niemand würde mehr zur Arbeit, dafür Aspirin C an die Börse gehen und Milliardenumsätze verzeichnen, genauso wie diverse Smoothie-Hersteller, deren babybreikonsistenzartige Bioerzeugnisse Normalsterbliche an einem Samstag schon schlauerweise für den Sonntag eingekühlt haben.  

Aber wieder zurück zu meiner Freundin. Um die völlige geistige und körperliche Verwahrlosung zu vermeiden, wird also lieber mit den Freunden gesoffen, wenn’s wahr ist, weil die sieht man ja wie die Kinder aus erster Ehe auch nur jedes zweite Wochenende. Man trinkt am Freitag oder Samstag und dann vielleicht noch am Dienstag kurz nach Feierabend und dann war's das, damit wäre der Alkoholkonsum der Teilzeitalkoholiker abgedeckt und mehr ist eben nicht drin.

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Während ich uns eine zweite Runde Weißweinschorlen bestelle, die sie heute ganz offensichtlich nicht mit ihrem Freund trinken wird, denke ich daran, wie traurig es ist, irgendwo, sich nie so richtig mit seinem treuen Matratzennachbarn zu betrinken und am nächsten Tag Seite an Seite durch die Spirale an Glücksgefühlen und Selbsthass zu rutschen. Dieses anfängliche, tollpatschige Ansaufen, mit schlechtem Bier und billigen Wein und den nicht ganz so fancy Cocktails in Plastikbechern auf Konzerten, es war etwas ganz Besonderes.

Ja, waren es nicht gute Räusche? Waren es nicht Abende, an die man sich gerne erinnert hätte, wäre nicht irgendwann ein Filmriss eingetreten?

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Waren es nicht genau diese vodkagetränkten Zungenküsse, für die man das Kopfweh am nächsten Tag gerne in Kauf nahm?  

Und, ernstgemeinte Frage, wie viele Beziehungen scheitern letztlich genau daran? Weil man die alkoholgeschwängerte Zuneigung mit jemand anderem austauscht. An einem Abend, an dem der Freund oder die Freundin bewusst nicht eingeladen war, dafür aber Hans aus der Finanzbuchhaltung. Oder Lisa aus dem Personalwesen. Ups!

Und so sehr ich meiner Freundin in den meisten Punkten zustimmen muss (Katerhass, hallo?), ich hab ihr dann später trotzdem vorgeschlagen guten Gin zu kaufen, damit sie ein nettes Mitbringsel hat für ihren Schatzi.

In diesem Sinne: Prost!

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Egal, wie viel ihr miteinander trinkt, hängt danach bitte kein Liebesschloss auf:

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