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Eine Passagierin wird von Stewardess "Miss" statt "Doktor" genannt – und löst Debatte aus

07.09.18, 14:31 07.09.18, 16:52
Elisabeth Kochan
Elisabeth Kochan

Alles begann mit einem Tweet:

Dr. Siobhan O'Dwyer ist eine promovierte Philosophin aus Australien. Sie hat einen Doktortitel – und als dieser beim Einchecken eines Fluges der Linie Qantas von einer Stewardess in ihren Augen absichtlich ignoriert wurde, wandte sich Dr. O'Dwyer daraufhin an Twitter.

"Hey @Qantas, mein Name ist Dr. O'Dwyer. Auf meinem Flugticket steht Dr. O'Dwyer. Seht euch nicht mein Ticket an, dann mich, dann wieder mein Ticket, beschließt dann, dass es ein Tippfehler sein muss, und nennt mich daraufhin 'Miss O'Dwyer'. Ich habe nicht acht Jahre an der Universität verbracht, um dann 'Miss' genannt zu werden."

Dr. O'Dwyers Tweet, übersetzt  twitter.com/Siobhan_oDwyer

Hatte sie geahnt, dass ihr Tweet eine Grundsatzdiskussion über Sexismus und die korrekte Verwendung von Ehrentiteln lostreten würde? Vielleicht nicht. Aber die Australierin erntete für ihren Vorwurf gegen Qantas nicht nur Anerkennung von Akademikerinnen, die sich ebenfalls nicht respektiert fühlten, sondern auch viel Kritik.

Dr. O'Dwyer bei einer Demo der University of Exeter twitter.com/siobhan_odwyer

Ihr Tweet wurde fast 4.000-mal kommentiert.

Viele der Kommentare wiesen Dr. O'Dwyer darauf hin, dass das Bordpersonal ganz andere Prioritäten habe, als die Ehrentitel – oder prinzipiell die vollen Namen – ihrer Passagiere korrekt vom Ticket abzulesen:

"Versuchen Sie mal, 150 bis 350 Leuten in 20 Minuten 'Hallo' zu sagen, und dabei alle Namen und Titel richtig auszusprechen. All das, während man gleichzeitig die Flugnummer, die Abflugzeit und den Ankunftsort sowie das Datum und die Sitznummer auf jeder Bordkarte überprüft. Oh, und zusätzlich noch sicherstellt, dass niemand zu krank oder betrunken ist, um zu fliegen. Fehler passieren. Tut mir leid, Doktor."​

twitter.com/kaffeinenvino

Bild: Giphy.com

Viele warfen Dr. O'Dwyer Arroganz vor – sogar andere Träger von Ehrentiteln.

"Hey @Qantas, mein Name ist Dr. Chrenkoff. Ich habe fünf Jahre an der Universität verbracht, aber Sie können mich 'Mr.', oder eigentlich auch 'Arthur' nennen, oder meinetwegen auch 'Miss', das ist mir ehrlich gesagt egal, denn ich habe diese fünf Jahre nicht deswegen absolviert, um mich für den Rest meines Lebens wie ein Schwachkopf zu verhalten."

twitter.com/thedailychrenk

Natürlich sollte ein Hinweis an dieser Stelle nicht fehlen: Bei diesem Doktor handelt es sich um einen Mann, der im Alltag vermutlich von vornherein weniger mit Sexismus konfrontiert wird als seine weiblichen Kollegen. Aber auch eine Doktorin antwortete auf Dr. O'Dwyers Tweet – und trat mit ihren abwertenden Kommentaren gegenüber Stewardessen eine ganz andere Debatte los.

"In der Sache verdienen Sie alle Solidarität. Ich bin die Erste aus meiner Familie, die die High School abgeschlossen hat (von mehreren Universitätsabschlüssen mal ganz abgesehen) [...]. Zum Teufel, wenn irgendein Servierwagen-Püppchen jetzt auch noch entscheidet, mit welchem Titel man mich anspricht, verdammt nochmal!"

Dr. Mel Thomsons inzwischen gelöschter Tweet twitter.com/drmel_t

Ach, Leute...

Bild: giphy.com

Kein Wunder, dass sich die "Servierwagen-Püppchen" daraufhin selbst zu Wort meldeten.

"Bitte bezeichnen Sie uns nicht als 'Servierwagen-Püppchen'. [...] Ich habe mir immer Mühe gegeben, den korrekten Ehrentitel zu verwenden, wenn ich ihn auf dem Boarding Pass einer Frau gelesen habe, da ich stolz darauf war, die Frau und ihre Erfolge in einer vorwiegend männlichen Welt unterstützen zu können. Sie haben da jetzt mit ihrem verächtlichen Kommentar über uns einfach drauf geschissen. Bravo!"

twitter.com/happylittleveg

Und schließlich kommentierte auch Qantas selbst den Vorfall.

"Wir sind extrem stolz auf unsere Kabinencrew, die unsere Kunden Tag für Tag respektvoll bedient und eine entscheidende Sicherheitsrolle spielt", äußerte sich Qantas in einem offiziellen Statement gegenüber der Daily Mail Australia und sprang so dem angegriffenen Personal zur Seite.

Und Dr. O'Dwyer? Die meldete sich am Ende noch einmal zu Wort und verteidigte sich mit der Behauptung, es sei ihr dabei nicht darum gegangen, ihr Ego zu schützen, sondern um eines vieler Beispiele von Sexismus im Alltag jeder Frau. 

"Das wäre nicht passiert, wenn ich ein Mann wäre", schreibt Dr. O'Dwyer:

Ob ein Mann in derselben Situation im Gegensatz zu Dr. O'Dwyer mit seinem Titel angesprochen worden wäre? Das weiß wohl nur die entsprechende Stewardess selbst. 

So geht es richtig: Dr. Gunda Windmüller macht klar, wie schade es ist, dass sich so viele Frauen für ihren Titel geradezu schämen.

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Ist Dr. O'Dwyers Sexismus-Vorwurf berechtigt?

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  • 89%Nein. Die Stewardess hatte offensichtlich gerade Wichtigeres zu tun und keine böse Absicht.
  • 8%Ich bin unschlüssig. Irgendwie hat sie schon Recht, aber irgendwie hat sie auch überreagiert.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nubiris 07.09.2018 22:07
    Highlight In Eurem Artikel verwechselt Ihr einen akademischen Doktorgrad, der in harter Arbeit an einer Universität errungen wurde und der danach zum Namen gehört und auch im Personalausweis steht, mit der Ehrendoktorwürde, die häufig aus politischen, finanziellen oder anderen Gründen auch an Nichtakademiker verliehen wird. Wenn also jemand stolz auf seinen akademischen Grad ist, sollte er ihn auch gebrauchen. Schließlich hat er dafür lange und hart gearbeitet, und der Doktor ist ja nun wirklich nichts, wofür man sich schämen müsste.
    0 0 Melden
  • DerTaran 07.09.2018 18:51
    Highlight Ich verwende nie, nie, nie den Titel wenn ich mit jemandem spreche, auch nicht bei Kunden, Ärzten, Juristen oder Philosophen.
    9 1 Melden
    • kdirnbach 08.09.2018 14:38
      Highlight Trifft sich exakt mit meiner Meinung! Als "Stammgast" in einer Universitätsklinik durfte ich feststellen, dass nur die "Titelträger" Wert auf dessen Nennung legten, die sich den aus ihrem Fachwissen ableitbaren natürlichen Respekt erst noch erarbeiten dürfen...
      1 0 Melden

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