Leben
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"Ku'Damm 59":

Die Serie "Ku'Damm 59" verharmlost Vergewaltigung

ZDF/ stefan erhard

Aus "Ku'damm 56" wurde Montagabend im ZDF "Ku'damm 59".  (Keine Angst, wer noch aufholen muss, hier geht es fast nur darum, was in Staffel 1 passiert). Drei Jahre sind vergangen seit die selbstbewusste Monika Schöllack (Sonja Gerhardt) zu Hause auszieht, um in den 50er-Jahren ein selbstbestimmtes Leben als unverheiratete Frau zu führen.

Monika ist mutig. Im Gegensatz zu ihren angepassten Schwestern, lehnt sie sich gegen die stockkonservative Mutter und ihre angestaubte Tanzschule auf. Sie fliegt aus der Haushaltsschule, tanzt Rock 'n' Roll ("Negermusik!"), wird von ihrem jüdischen (Skandal!) Tanzpartner unehelich schwanger und deckt unerschrocken auf, dass das herzlose "Muttchen" die Tanzschule von einem enteigneten jüdischen Ehepaar geklaut hat.

Kurz: Monika ist für mich eine heldenhafte Feministin bis… 

sie sich in ihren Vergewaltiger verliebt! Was? Wie passt das denn zusammen? Um das ZDF vielleicht besser zu verstehen, hier die Liebesgeschichte von Monika und Joachim in drei Szenen:

Die Szene: Monika wird vergewaltigt.

Monikas Mutter, Caterina Schöllack, hat neben dem Betrieb ihrer spießigen Tanzschule "Galant" auf dem Ku'damm nur eine Mission im Leben: ihre drei Töchter unter die Haube zu bringen. Doch die rebellische Monika ist für sie ein hoffnungsloser Fall, bis ihre Schwester Helga heiratet und Mutter Schöllack ihren Benimmschüler Joachim Franck (Sabin Tambrea) als Monikas Begleitung einlädt.

Franck ist ein Fabrikantensohn, der von der Aussichtslosigkeit, sich von der Herrschaft seines Vaters zu befreien, depressiv und zynisch geworden ist. Er flüchtet sich in bedeutungslose Affären und bewundert James Dean, wahrscheinlich weil er selbst niemals so cool sein wird. Monika, jetzt noch das hässliche Entlein, langweilt ihn. Irgendwann schläft er im Nebenzimmer ein und Monika bringt ihm netterweise Kaffee vorbei. Als "Dank" vergewaltigt er sie. Die Szene geht mehrere Minuten und ist für mich extrem verstörend.

Ich denke: 

Was für eine krasse Szene. Und gut, dass das ZDF Vergewaltigung so realistisch darstellt. So weit, so gut.

Die Szene(n): Monika sticht zu.

Die Vergewaltigung wird von Joachim geleugnet und Muttchen beschuldigt Monika sogar ihn "wie eine Dirne verführt" zu haben. Monika versucht, sich in einem Berliner See zu ertränken, wird aber gerettet und erholt sich einigermaßen, bis Joachim in der Tanzschule aufkreuzt und nach einem Date mit ihr fragt. Er will mit ihr ins Kino, ausgerechnet in einen Liebesfilm. Monika erstarrt vor Schreck, Muttchen ist natürlich dafür und sucht ihr ein "verführerisches" Kleid heraus. 

Doch jetzt hat Monika die Schnauze voll. Sie versteckt ein kleines Messer in ihrer Handtasche und als Joachim sich ihr im Kino nähert, sticht sie ihm in den Bauch.

Ich denke: 

Go, Monika! Endlich fängt sie an sich zu wehren. Hoffentlich lässt Joachim jetzt die Finger von ihr. 

Monika, die Rock 'n' Roll-Rebellin mit ihrem Tanzpartner Freddy

bild: zdf/ stefan erhard

Die Szene(n): Monika verliebt sich in ihren Vergewaltiger.

Joachim hat den Messerstich überlebt und holt Monika für weitere Dates ab. Das ZDF spielt dazu romantische Streichmusik. Obwohl Monika jetzt auch was mit ihrem Tanzpartner Freddy am Laufen hat, ist sie nicht mehr ganz abgeneigt von Joachim.

Dann hat Joachim einen Autounfall. Monika besucht ihn im Krankenhaus und sagt ihm, wie falsch es war, sie "nicht zu fragen" (bevor er über sie hergefallen ist). Das bewegt Joachim zu einem Sinneswandel. Er emanzipiert sich vom Vater und will Schriftsteller werden. Monika ist inzwischen von Freddy schwanger und Muttchen schlägt als Ausweg vor, Joachim das Kind anzuhängen. Monika zögert, doch bei ihrem nächsten Treffen knutschen sie, er reserviert ein Hotelzimmer, sagt ihr, dass sie die erste Frau ist, die ihm etwas bedeutet, sie sagt ihm, dass sie von einem anderen Mann schwanger ist und nach diesen so ehrlich romantischen Geständnissen, schlafen sie miteinander. 

Monika in Love mit ihrem Vergewaltiger Joachim:

Bild: ZDF/ Stefan erhard 

Ich denke: 

Monika, der Typ hat dich vergewaltigt! Und auch: Wer kommt auf die Idee, Vergewaltigung so zu bagatellisieren? Ich schaue mich auf der Webseite des ZDF dazu um und stelle fest, dass die Ku'damm-Autorin eine Frau ist. Annette Hess, die sich schon bei "Weissensee" einen Namen gemacht hat, scheint ein Faible für die 50er zu haben.

Und auch das ZDF geht falsch mit dem Thema um. Als ich die Szene, in der Monika von Joachim Franck auf grausamste Weise vergewaltigt wird, auf der ZDF-Webseite nachlese, bin ich fassungslos, denn das Wort "Vergewaltigung" kommt keinmal vor. Nein, es ist lediglich von einem "traumatischen Vorfall" die Rede. 

So beschreibt das ZDF die Vergewaltigung von Monika:

ZDF Webseite 

Mein Fazit:

Es mag ja sein, dass in den 50ern das Wort Vergewaltigung nicht existierte. Aber heute gibt es dieses Wort und das ZDF sollte es auch verwenden. Obwohl die Serie gut die Nazi-Vergangenheit behandelt und sogar die Me-Too-Debatte aufgreift, versagt sie beim Thema sexuelle Gewalt auf ganzer Linie. Die Jury des Grimme-Preis schien das auch nicht zu stören. Sie nominierte die Serie für den Fernsehpreis, der den Bildungsauftrag des deutschen Fernsehen betonen soll.

Die Hauptdarsteller von Ku'Damm 59 bei der Premiere in Berlin:

BERLIN, GERMANY - MARCH 07: Trystan Puetter, Sonja Gerhardt and Sabin Tambrea during the premiere of 'Ku'damm 59' at Cinema Paris on March 7, 2018 in Berlin, Germany. (Photo by Tristar Media/WireImage)

Bild: WireImage

Wie ging es in der neuen Staffel weiter?

Das verraten wir hier nicht, falls manche den neuen Dreiteiler noch schauen möchten. Nur eins: Die Vergewaltigung ist kein Thema mehr, denn auch in Staffel 2 ist Monika noch heftig in Joachim verliebt. Und keiner fragt sich, ob das nicht ein bisschen krank ist. 

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