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Supermarkt: Multiresistente Keime in Lidl-Fleisch entdeckt

Lidl Discounter Eingangsbereich der Filiale im süddeutschen Tiengen. Rechts davon hat es eine DHL-Packstation. Waldshut-Tiengen, Deutschland, 30.07.2023 *** Lidl discount store entrance area of the st ...
Tierschutzaktivist:innen haben Lidl-Geflügelfleisch auf Keime getestet. Bild: imago images / dieBildmanufaktur
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Lidl: Schockierende Ergebnisse von Keim-Tests an Geflügelfleisch

17.06.2024, 18:10
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Immer wieder rücken Skandale um Keimbelastungen oder fehlerhafte Hygienestandards bei Lebensmitteln in den Fokus. Von der Produktion über den Transport bis hin zur Lagerung gibt es zahlreiche Gelegenheiten, bei denen Lebensmittel mit Keimen kontaminiert werden können.

Dabei kann der Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln ernste Gesundheitsrisiken mit sich bringen. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Schwangere, Kleinkinder und ältere Personen. Ihnen kann eine Infektion durch Lebensmittelkeime besonders zusetzen und im schlimmsten Fall schwere Erkrankungen verursachen.

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Die moderne Lebensmittelproduktion hat durch verbesserte Hygienevorschriften und engmaschige Kontrollen schon viel zur Sicherheit beigetragen. Doch der ständige Druck, Kosten zu senken und Gewinne zu maximieren, wirkt sich offenbar auch auf die Lebensmittelsicherheit aus. Immer wieder kommen Berichte ans Licht, die zeigen, dass in der Praxis oft nicht alles so reibungslos läuft, wie es sollte.

So hat jetzt auch der "Spiegel" die erschreckenden Ergebnisse eines Tests von verschiedenem Lidl-Geflügelfleisch enthüllt. Verbraucherschützer:innen warnen jedoch auch vor vorschneller Panik.

Ob Beef, Steak oder Filet aus Schwein, Rind, Lamm oder Geflügel: Auch der Supermarkt Lidl bietet seinen Kunden zahlreiche Fleisch-Produkte an.
Multiresistente Keime in Lebensmitteln scheinen keine Seltenheit zu sein.Bild: iStock / Getty Images Plus / VLG

Schockierende Ergebnisse von Keim-Test bei Lidl

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wirft nicht nur ethische Fragen auf, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit. Denn der Gebrauch dieser Medikamente fördert die Bildung resistenter Keime, die dann in unsere Lebensmittelkette gelangen.

Zwischen Dezember und März haben Tierschutzaktivist:innen daher in 22 Lidl-Filialen in Deutschland und vier weiteren europäischen Ländern insgesamt 142 Hühnerfleischprodukte untersucht. Die Untersuchung ergab, dass von diesen Proben lediglich zwei ohne jeglichen Keimbefund waren.

Besonders bedenklich: In etwa der Hälfte aller Proben wurden Bakterien nachgewiesen, die gegen ein oder mehrere Antibiotika resistent sind. Laboranalysen der 24 Proben aus Deutschland zeigten, dass hier ein Drittel antibiotikaresistente Keime enthielt. Insbesondere fanden sich ESBL-bildende Erreger in acht Proben aus deutschen Filialen, die Bakterien gegen mehrere gängige Antibiotika resistent machen könnten.

Proben zeigen multiresistente Keime in Geflügelfleisch

Weitere besorgniserregende Funde umfassen Fäkalkeime wie Enterokokken und Escherichia coli (E. coli), die auf einen Kontakt des Fleischs mit dem Darminhalt der Tiere hinweisen. Auch Listerien und Campylobacter wurden nachgewiesen, während Salmonellen vor allem in Produkten aus Italien und Polen gefunden wurden.

Diese Keime können zu Magen-Darm-Erkrankungen und anderen Infektionen führen, besonders wenn das Fleisch nicht ausreichend erhitzt wird oder Keime über Besteck oder Schneideunterlagen übertragen werden.

Mahi Klosterhalfen, Präsident der Albert Schweitzer Stiftung, bezeichnete die Ergebnisse als "ziemlich erschreckend". Er sieht die Ursache in den schlechten Haltungsbedingungen bei Lidl-Zulieferern, die zu einer vermehrten Nutzung von Antibiotika führen. Dies fördere die Entstehung resistenter Keime. Die Stiftung forderte Lidl auf, seine Lieferant:innen zu höheren Haltungsstandards zu verpflichten.

Lidl wehrt sich gegen Vorwürfe

Lidl selbst wies die Vorwürfe zurück und betonte, dass die eigenen Kontrollen und Qualitätssicherungsmaßnahmen sicherstellen, dass bei üblicher Zubereitung keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher besteht.

Lebensmittelexperte Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg warnte vor Panik. Er betonte aber auch, dass Ergebnisse wie die der Albert Schweitzer Stiftung ernst genommen werden müssen, weil besonders Menschen mit schwachem Immunsystem dadurch gefährdet seien. Verbraucher:innen können sich vor allem schützen, indem sie bei der Zubereitung von Fleisch auf einige Hygieneregeln achten, wie etwa Geflügelfleisch getrennt zu lagern und es vor dem Verzehr gründlich zu erhitzen.

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