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Urlaub in Frankreich: Atlantik-Ort Lacanau muss umsiedeln

Zahlreiche Menschen verbringen den Tag am Strand von Lacanau Oc an Gironde, Nouvelle Aquitaine, Frankreich. Am Atlantikstrand in Lacanau Oc an *** Numerous people spend the day on the beach of Lacanau ...
Wegen der großen Beliebtheit bei Tourist:innen muss ein französischer Badeort handeln.Bild: imago images / bruno kickner
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Badeort in Frankreich startet Umsiedlung wegen Küstenabbruch

17.04.2024, 07:0917.04.2024, 07:12
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Frankreichs Atlantikküste ist vor allem für Surf-Begeisterte ein wahres Paradies. Mit einer Länge von knapp 3000 Kilometern erstreckt sich die Küstenlinie über vier Regionen und zieht jedes Jahr Millionen Tourist:innen an, die neben den Wellen auch die langen Strände schätzen.

Genau diese sind in mehreren Badeorten in der Nähe von Bordeaux allerdings seit Jahren bedroht. Ein groß angelegtes Umsiedlungsprojekt soll in einer der Gemeinden nun nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die wichtigsten Einrichtungen für Tourist:innen schützen.

Französische Atlantikküste von Küstenabbruch bedroht

Der Ort Lacanau zählt zwar gerade einmal 6000 Einwohner:innen, in den Sommermonaten kommen laut den lokalen Behörden aber jedes Jahr gut 100.000 Tourist:innen hinzu. Seit Jahren bekommt jede:r einzelne in dem Küstenort die Gewalt der Natur zu spüren – nach und nach wird ein Großteil des Ortes vom Meer "gefressen".

Bereits im Jahr 2030 sollen daher erste Teile der Gemeinde hinter den Dünen verschwinden, Dutzenden Häusern in unmittelbarer Küstennähe droht in den kommenden Jahren der Abriss. Grund für die sogenannte "rélocalisation" ist der rasante Küstenrückgang in der gesamten Atlantikregion.

Während die Strandabschnitte hier in den 1970er Jahren bei Ebbe noch etwa hundert Meter breit waren, ist heute gerade noch genügend Platz zum Baden, bei Flut steht der gesamte Strand unter Wasser. Berechnungen des Küstenobservatoriums der Region Neu-Aquitanien zufolge verliert der Strand jährlich mindestens zwei Meter.

Zum Schutz baute Lacanau bereits vor Jahren einen großen Deich mit Steinen, viele Geschäfte und Restaurants in direkter Atlantiknähe mussten allerdings trotzdem schon schließen. Wo keine Begrenzung besteht, frisst sich das Meer weiter tief ins Inland hinein.

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Eine zusätzliche Bedrohung stellen heftige Stürme wie im Jahr 2014 dar. Damals wurde ein Großteil des Ortes komplett zerstört, schnell versuchte man zumindest den Deich wieder neu zu bauen.

Badeort Lacanau startet Pilotprojekt für Umsiedlung

Auch im Angesicht der Sturm-Katastrophe startete Lacanau 2018 ein breit angelegtes Pilotprojekt. Eine Kommission an Expert:innen erstellte Pläne für die Umsiedlung der insgesamt 1200 Wohnungen und 120 Geschäfte. Bis 2050 will man die Uferzone wieder vollständig der Natur überlassen.

Ice cream shop close to the beach of Carcans in France, CARCANS, FRANCE - 08-05-2020: ice cream shop, restaurants, refreshment bars and a surf school are located close to the beach of Carcans, near La ...
Zahlreiche Geschäfte in Lacanau werden in den kommenden Jahren abgerissen. Bild: imago images / Panthermedia

Grund sind vor allem auch die Kosten der bisher getätigten Schutzmaßnahmen. Wie ein Verantwortlicher gegenüber watson.ch anmerkt, werden aktuell zwei Drittel des Investitionsbudgets der Gemeinde für den Küstenschutz verwendet.

Auf Dauer würden sich diese Ausgaben als unwirtschaftlich erweisen. Hinzu kommen einschlägige Berechnungen, die dem langfristigen Bestand der Uferzeile eine Absage erteilen.

Französische Kommunen fordern EU-Hilfe für Umsiedlungspläne

Bei einem Großteil der Bewohner:innen kommen die Pläne allerdings nicht besonders gut an. Einige bauen sogar noch immer neue Häuser und Ferienwohnungen in unmittelbarer Küstennähe.

Als Anreiz könnte der Staat den Menschen für die Umsiedlung eine entsprechende Entschädigung auszahlen. In dem wenige Kilometer entfernten Soulac-sur-Mer fand im vergangenen Jahr die erste Enteignung im Zuge des Küstenrückgangs statt, die Eigentümer:innen erhielten hier eine Auszahlung von 70 Prozent des ursprünglichen Wohnungswertes.

In Lacanau würde entsprechend auch die geplante Umsiedlung zunächst heftige finanzielle Folgen haben. Schätzungsweise 500 Millionen Euro müssten als Entschädigung gezahlt werden, hinzu kommen Kosten für den Neubau. Die Kommunen fordern hierfür weitreichende Hilfen vom Staat, aber auch von der Europäischen Union (EU).

Gerechnet auf alle Urlaubsreisen weltweit gilt Frankreich laut der Weltorganisation für Tourismus (UNWT) als beliebtestes Reiseziel. Auch um hiervon langfristig weiter profitieren zu können, sucht die gesamte Atlantikregion nach einer tragbaren Lösung gegen den Küstenrückgang.

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