Ein wenig ulkig ist es schon: Auf Sylt, dem Eiland für Glanz und Gloria, läuft der Tourismusbetrieb nicht rosig. Offenbar knausern die wohlhabenden Besucher:innen. Aus Hedonismus wird Sparzwang. Warum zwei Flaschen Château Petrus, wenn auch ein guter Spätburgunder reicht?
Die Zurückhaltung hat Gründe. Zum einen sind die Preise stark gestiegen, wie viele Gastronom:innen selbst einräumen. Ein Blumenkohl aus dem Ofen kostet im Restaurant Oma Wilma (Keitum) 35 Euro, ein Zanderfilet im Kaamp Meren (Kampen) 36,90 Euro, ein Kotelett in der Vogelkoje (ebenfalls Kampen) 48 Euro.
Auch wenn Appartements und Hotels gut belegt sind, gehen die Gäste deutlich seltener essen. "Früher fünfmal, jetzt eher zwei- bis dreimal pro Aufenthalt", sagt ein Tourismusfunktionär der "Sylter Rundschau". Statt stets das Teuerste zu bestellen, achten viele genauer aufs Budget. "Und statt zwei Flaschen Wein nehmen sie auch mal nur eine", so ein Restaurantbetreiber.
Die Gastronom:innen verweisen auf höhere Kosten für Energie, Lebensmittel und Löhne, die sie an ihre Kundschaft weitergeben müssen. Es geht ums blanke überleben. Und Sylt ist kein Einzelfall.
Auf Usedom etwa kämpfen Hotels mit ähnlichen Problemen. Wegen steigender Kosten haben sie ihre Preise angezogen – und verlieren damit Gäste. Es entsteht eine Teufelsspirale, aus der sie nur schwer entkommen können. Nicht, wenn sich die wirtschaftliche Lage insgesamt bessert.
Das ist aktuell unwahrscheinlich. Zwar steigen die Preise langsamer, doch einen wirklichen Abschwung gibt es nicht. Zudem hat sich das Konsumverhalten gewandelt.
Energiekrise und Preisexplosionen führten dazu, dass Verbraucher:innen Geld eher an die Seite legen, berichtete etwa "ZDF Heute" unter Berufung auf die Konsumforschungsinstitute GfK und NIM. Rücklagen für Notfälle sind immer wichtiger.
Deutschland ist für viele ohnehin nur ein Zweiturlaubsziel. Wer mit knappem Budget reist, spart eher, und zwar zuerst bei Unterkunft und Restaurantbesuchen. Supermärkte sind da die deutlich willkommenere Alternative. So zeigt sich: Selbst an Nord- und Ostsee, wo Luxus eigentlich zu Hause ist, wird Geiz zur neuen Ferienroutine.