Mehrwegpfandsysteme sind ein kleiner Gamechanger in Sachen nachhaltigeren Konsum. Keine weltverändernde Maßnahme, aber in einer Welt, in der wir unsere Hände nicht einfach als Schöpfkellen umfunktionieren können – zumindest nicht effizient – ist es doch ganz sinnvoll.
Zwar gibt es mittlerweile Alternativen zum Flaschenkauf, doch ganz vermeiden lässt sich das nicht. Wenn wir zum Beispiel unterwegs einen Kaffee holen oder uns der Durst übermannt, wir aber unsere Trinkflasche vergessen haben, führt das zu einem Problem in Stanley-Cup-Größenordnung.
Viele Städte kämpfen insofern mit der Bechervermüllung. Lissabon startet hier ein Projekt, das es so noch nicht gegeben hat.
Die portugiesische Hauptstadt hat ein Mehrwegbechersystem eingeführt, das Potenzial hat, die hiesige Vermüllung einzugrenzen. "Die Verbraucher erhalten ihre Getränke in wiederverwendbaren Bechern gegen Zahlung eines Pfands (60 Cent), das bei der Rückgabe vollständig zurückerstattet wird, indem sie einfach ihre Karte oder ihr Mobiltelefon an einer Sammelstelle antippen", heißt es in einer Erklärung, über die "Portugal News" berichtete.
Das mag trivial klingen, schließlich wissen Portugal-Urlauber:innen, dass es längst wiederverwendbare Becher in Lissabon gibt. Das Konzept scheint auf den ersten Blick nicht neu. Jedoch gab es, heißt es weiter, bisher kein System, "das die effektive Sammlung, Reinigung und Wiederverwendung dieser Behälter gewährleistet."
In der Stadt verteilte Stationen sollen das nun ermöglichen. Verbraucher:innen können dort ganz einfach ihre Becher abgeben, das Pfand kassieren und weiterziehen. Das Projekt ist Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung Lissabons, eines Unternehmen für Kreislaufwirtschaft, Tomra, sowie eines Hotellerie und Gastro-Verbands.
Bis Oktober will Lissabon die standardisierten Becher in Bars und Einrichtungen in zentralen Stadtvierteln einführen. Zudem sind 17 Rückgabestellen angedacht. In ganz Europa ist das ein Pionierprojekt. Denn ein stadtweites Mehrwegbechersystem hat es bisher noch nicht gegeben, zumindest nicht in dieser Form.
Für Lissabon ist es aber auch ein großer Schritt, da in der Stadt laut Schätzungen in den Vergnügungsvierteln je Nacht 25.000 Becher im Umlauf sind. Eine stabile Menge, zumal diese häufig nicht zurückgebracht werden, heißt: sie landen im Abfall. Die Automaten könnten helfen, genau das einzudämmen.