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Die Organisation Sea Shepherd entfernt Geisternetze aus dem Meer. bild: camino-film.com

Wie Drogenkartelle die Umwelt zerstören: Leonardo DiCaprios Doku-Thriller "Sea of Shadows"

Es ist dunkel, man hört knatternde Bootsgeräusche und Wellenschlagen. Ein junger Mitarbeiter der Meeresschutzurganisation Sea Shepherd entdeckt mit seiner Drohne im Meer von Cortez eine Gruppe illegaler Fischer und alarmiert die mexikanische Marine, denn die Fischer ziehen gerade ihre tödlichen Netze ein. Was folgt, ist eine fesselnde Verfolgungsjagd, die man so nicht in einer Dokumentation erwarten würde.

Der Film "Sea Of Shadows – Der Kampf um das Kokain des Meeres" von Regisseur Richard Ladkani ist mehr als ein Dokumentarfilm – er ist voller Actionszenen, spannend wie ein Politthriller und berührend wie ein Drama. Gezeigt werden echte Verbrecher und echte Helden – im Kampf um Geld, Naturschutz und Gerechtigkeit. Produziert wurde die Doku übrigens von Oscar-Preisträger Leonardo DiCaprio, der sich schon seit den 90er Jahren für Tier- und Umweltschutz engagiert.

Vom Aussterben bedroht: der Totoabo-Fisch und der Vaquita

Wovon genau handelt der Film? Der etwas reißerische deutsche Untertitel deutet an, dass es sich vor allem um Geld- und Machtspiele sowie Drogen dreht. Das ist etwas irreführend, denn im Vordergrund des ambitionierten Doku-Thrillers steht die Rettung von zwei seltenen Meeresbewohnern.

"Sea Of Shadows" dokumentiert die Machenschaften rund um den Totoaba-Fisch, dessen Schwimmblase illegal gehandelt wird und in China bis zu 100.000 US-Dollar pro Stück einbringen kann. Der Fisch ist vom Aussterben bedroht, denn mexikanische Drogenkartelle und die chinesische Mafia haben sich zusammengeschlossen, um ihn im Golf von Kalifornien zu wildern. Er ist so begehrt, dass er auch "Kokain des Meeres" genannt wird. Die Wilderei hat in den vergangenen Jahren ein so großes Ausmaß angenommen, dass das gesamte Ökosystem der Region gefährdet ist.

Andrea Crosta, Mitbegründer der Earth League International (ELI), ermittelt gemeinsam mit Undercover-Agenten, um den illegalen Handel zu stoppen. Gleichzeitig versucht der Journalist Carlos Loret de Mola, die Korruption der mexikanischen Polizei offenzulegen.

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Das Filmplakat von "Sea Of Shadows". bild: camino-film.com

Besonders betroffen von der Wilderei im Kalifornischen Golf ist der Vaquita (Kalifornischer Schweinswal) – der seltenste und kleinste Wal der Welt. Er verfängt sich immer wieder in kilometerlangen Kiemennetzen, die Fischer illegal im Meer von Cortez gespannt haben. Ein Tierschützer der Organisation Sea Shepherd sagt: "Diese Netze sind wie eine tödliche Wand."

"Wir dürfen den Planeten nicht zerstören. Wir müssen umsteuern"

Am Ende des Films gab es den interviewten Wissenschaftlern zufolge weniger als 15 Vaquitas weltweit, die Art könne innerhalb des nächsten Jahres aussterben. Die Vaquita CPR (Conservation Protection and Rescue) Mission, gegründet von der mexikanischen Regierung und einem Team von Naturschützern, angeführt von Cynthia Smith, versucht verzweifelt, das Überleben der stark gefährdeten Art zu sichern. Smith betont: "Mit dem Versuch, den kleinen Vaquita zu retten, wollen wir darauf aufmerksam machen, dass er wegen uns Menschen für immer zu verschwinden droht. Wir dürfen den Planeten nicht zerstören. Wir müssen umsteuern. Nicht nur für den Vaquita, für alle Tiere hier im Golf."

Eine brisante Mischung, die für den Zuschauer erschreckend und mutmachend sein dürfte

"Sea Of Shadows" erzählt aus verschiedenen Perspektiven, was im Kalifornischen Golf vor sich geht. Die Zuschauer sehen einen alten Fischer mit seinem Enkel, die für den Erhalt ihres Zuhauses kämpfen, ebenso Wissenschaftler und Umweltschützer, die sich für die Tiere und die Natur einsetzen und dabei an ihre Grenzen kommen. Dem gegenüber stellt der Film die Dimensionen rund um Schwarzmärkte in China, korrupte Polizisten und die Fischfang-Mafia in Mexiko – eine absolut brisante Mischung, die für Zuschauer interessant, erschreckend, aber auch mutmachend sein dürfte.

Richard Ladkani, der gleichzeitig als Regisseur und Kameramann am Film mitwirkt, begreift die Ereignisse und Strukturen in Mexiko als Teil eines größeren Problems, wie er laut einer Pressemitteilung sagt:

"Was in Mexiko geschieht, ist abermals ein Beispiel für die von Menschenhand ausgelöste Zerstörung, aufgrund der Gier einiger weniger. Indem wir dem Problem durch ein cineastisches und fesselndes Erzählen Aufmerksamkeit verschaffen, während wir ebenso Lösungsvorschläge und faszinierende Helden mit Leidenschaft bieten, hoffen wir, dabei zu helfen, dieses wertvolle Ökosystem vor der Zerstörung zu retten.

Ich glaube, jeder von uns hat die Möglichkeit auf irgendeine Art Teil der Lösung zu sein – wir müssen die Herausforderungen nur annehmen. Ich versuche, meine Fähigkeiten als Filmemacher zu nutzen, um das Publikum zu inspirieren, unseren Planeten niemals aufzugeben und dabei zu helfen, einen Wandel zu einer besseren, zuversichtlichen Zukunft herbeizuführen."

"Sea Of Shadows" gewann auf dem Sundance Festival 2019 den Publikumspreis für die "Beste Dokumentation" und wird am 30. Dezember 2020 zum ersten Mal auf ntv im Free-TV gezeigt.

(sb)

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