Chemiker Michael Braungart (l.) und Boris Palmer (r.) zwischen Janine Steegner und Mojib Latif.
Chemiker Michael Braungart (l.) und Boris Palmer (r.) zwischen Janine Steegner und Mojib Latif.
Bild: screenshot/ard

Chemiker greift Boris Palmer an: "Intelligent ist das nicht"

18.02.2020, 12:0628.09.2020, 13:04

Am Montagabend ging es bei "Hart aber fair" um den Klimawandel. Mit Frank Plasberg diskutierten unter anderem Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sowie der Professor und Geschäftsführer des internationalen Umweltforschungs- und Beratungsinstituts Michael Braungart.

Was kann jeder einzelne gegen den Klimawandel tun? Moderatorin Janine Steeger präsentierte sich als gutes Beispiel. Sie schaffte ihr Auto ab und isst viel Gemüse. Und im Großen? In der Sendung wurden die Bemühungen des Grünen-Oberbürgermeisters Boris Palmer gewürdigt.

Was tun für eine klimaneutrale Stadt?

In seiner Stadt will er den Fahrradfahrern durch breitere Wege mehr Platz einräumen, schränkte zeitweise den Autoverkehr in der Innenstadt ein und der Stadtbus ist am Samstag kostenlos. Auch eine Sondersteuer auf Einwegverpackungen soll es geben. Sein Ziel: bis 2030 will er die Stadt klimaneutral gestaltet haben. "Eine beeindruckende Liste", findet Frank Plasberg.

Von den Ideen hält der Chemiker Braungart aber nichts. In seinen Augen helfe man der Umwelt nicht übermäßig, wenn man auf etwas verzichtet. "Die Leute meinen, sie schützen die Umwelt, wenn man weniger zerstört. Aber Greta hat das Klima nicht geschützt, weil sie mit dem Zug gefahren ist. Sie hat nur etwas weniger zerstört."

"Es ist kein Schutz, es ist nur weniger Zerstörung."

In diese Kategorie fallen auch die Bestrebungen Palmers. "Wenn er sagt, die Stadt soll klimaneutral werden... intelligent ist das nicht". Die Erklärung folgt auf dem Fuß: Man könne auch nicht kinderneutral sein, denn dann hätte man keine. Genauso sehe es mit dem Klima aus.

"Klimaneutral kann ich nur sein, wenn ich nicht existiere."

Braungart fasst das Denken der Deutschen zusammen: "Wenn wir denken wir würden uns weniger schlecht verhalten, machen wir was Gutes. Aber: Weniger schlecht ist nicht gut."

Und Palmer? Der staunte zum Teil über die Ausführungen des Chemikers. Palmer hoffte aber, dass die Steuer auf Wegwerf-Verpackungen "Wohlwollen" bei Herrn Braungart auslöste. "Ich bin absolut dafür", sagte Braungart und hatte dann noch ein Kompliment für Palmer über: "Er zeigt, dass man auf kommunaler Ebene ganz vieles machen kann – da hab' ich allen Respekt".

(lin)

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