Unsere Autorin muss sich ihr veganes Frühstück im Urlaub meist selbst organisieren. (Symbolbild)
Unsere Autorin muss sich ihr veganes Frühstück im Urlaub meist selbst organisieren. (Symbolbild)
Bild: Stone RF / Ascent/PKS Media Inc.
watson-Kolumne

Vegane Hotelaufenthalte gelten immer noch als Luxus – warum sich das ändern muss

"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben
20.07.2021, 14:21
Theresa Schwab
Theresa Schwab
Folgen

Wäre meine Einstellung nicht "as vegan as possible", sondern 100 Prozent vegan, wäre es schon eine Frage, wie sich das auf meine Art zu reisen auswirken würde. Könnte ich lediglich noch Unterkünfte mit Selbstversorgung buchen? Würde die regionale Küche des jeweiligen Urlaubslandes für mich entfallen? Oder müsste ich eines der nicht gerade ansprechenden veganen Hotels aus einer Broschüre buchen, die ich neulich im Biomarkt entdeckt habe?

Wer sucht, findet auch im Netz Seiten, die national und international vegetarische und vegane Hotels präsentieren. Bei näherem Betrachten fällt jedoch auf, dass die Bezeichnung vegan nicht bedeutet, dass ausschließlich ein veganes, im besten Fall kulinarisch außergewöhnliches, kreatives und inspirierendes Menü serviert wird. Oft locken Hotels mit der Formulierung "vegan friendly", um dann einige vegane Varianten auf der Speisekarte anzubieten. Oder noch besser: nur nach vorheriger Anmeldung.

"Ich wünsche mir sehr, dass sich der vegane Lifestyle irgendwann wie selbstverständlich durch Pensionen, Drei-Sterne-Hotels und das Frühstücksangebot von Ferienwohnungen zieht."

Vegane Hotelaufenthalte gelten immer noch als Luxus

Einige wenige Hotels gehen neben ihren Speisen noch einen Schritt weiter. Eine Seite wirbt mit "grünen Hotels", die auf Umweltschutz Wert legen und sich nachhaltig engagieren. Die Vegan-Kategorie klingt ein bisschen so, wie ich mir ein ganzheitlich veganes Hotel konsequenterweise vorstelle – von der Architektur über Inneneinrichtung und Kosmetik bis hin zum Essen. Hier wird also auch auf tierische Produkte wie Leder, Seide oder Daunen verzichtet.

Ich klicke gespannt und mir wird weltweit ein einziges angezeigt: Es liegt in Südtirol, Adults-Only. Die saisonal-regionale, biovegane Kreativküche klingt vielversprechend. "Ihr pflanzlicher und biologischer Luxusurlaub" heißt es auf der Website.

Und das ist das Problem. Vegane Hotelaufenthalte gelten immer noch als Luxus – und dementsprechend fallen die Hotelpreise aus. Ich wünsche mir sehr, dass sich der vegane Lifestyle irgendwann wie selbstverständlich durch Pensionen, Drei-Sterne-Hotels und das Frühstücksangebot von Ferienwohnungen zieht. Häufig sind vegane Hotelaufenthalte in Kombination mit Yoga-Retreats oder einer Ayurveda-Philosophie zu finden. Nichts dagegen, aber für einen Sommerurlaub mit Mann und Kind sollte es etwas herkömmlicher sein, auch finanziell.

"Für mich bedeutet Urlaub jedoch: mich versorgen lassen. Deshalb liebe ich Hotels, in denen ich mich um nichts kümmern muss, außer rechtzeitig am Frühstücksbuffet zu sein, bevor es gleich geschlossen wird."

Klar, wer ausschließlich Camping-Urlaub macht oder Ferienwohnungen als Selbstversorger bucht, kann sich jederzeit vegan verköstigen. Für mich bedeutet Urlaub jedoch: mich versorgen lassen. Deshalb liebe ich Hotels, in denen ich mich um nichts kümmern muss, außer rechtzeitig am Frühstücksbuffet zu sein, bevor es gleich geschlossen wird.

Über die Autorin
As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

Ich hätte gerne einen Urlaub mit kreativen veganen Speisen und veganen Kosmetika zum Ausprobieren

Insgeheim träume ich von einem Urlaub, in dem ich von verschiedenen veganen Frühstücks-Bowls über kreative Gemüsesaft-Varianten bis hin zu veganem Sushi überrascht werde. In dem ich neue vegane Shampoos und Körperlotionen testen kann und mich in die hübsche Leinen-Bettwäsche verliebe. Ich möchte mit Aromen, Zutaten und Produkten verwöhnt werden, die im Alltag aus Zeitgründen keinen Platz finden. Und die mir im besten Fall viele neue Inspirationen liefern. Denn mein persönlicher Sinn von Urlaub, neben Entspannung und Erholung, lautet: neuen Input bekommen – in allen Bereichen.

"Am nächsten Tag kaufte ich eine Packung Müsli, Hafermilch, Pulverkaffee und Obst – und bestellte das Frühstück ab. Also alles wie immer."

Die Realität sieht oft anders aus. Diesen Text schreibe ich aus einem kleinen Ort in Oberbayern, wo wir auf einer Hochzeit eingeladen waren und ein paar Tage Urlaub anhängen. Unsere Gastgeber buchten uns in ein typisches Gästehaus ein, mit viel Holz, Geranien und geschnitzten Betten. Um den Tag der Trauung stressfrei zu beginnen, orderten wir das Frühstück, das uns auf den Balkon gebracht wurde. Es kamen weiße Brötchen, Käsescheiben, Schinken, zwei Marmeladensorten, Butter, ein Ei, Kaffee sowie ein Milchkännchen.

Ich überlegte kurz, ob ich ein Marmeladenbrötchen ohne Butter essen sollte, verwarf jedoch die Vorstellung, aß das Ei, schmierte die Marmelade auf Butter und trank den Kaffee mit Kuhmilch. Am nächsten Tag kaufte ich eine Packung Müsli, Hafermilch, Pulverkaffee und Obst – und bestellte das Frühstück ab. Also alles wie immer. Nur, dass ich mein Müsli hier mit Blick auf das Kaisergebirge verzehre.

watson-Kolumne

Veganerin fragt: Soll ich mein Kind seine Ernährung selbst bestimmen lassen?

"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben

Als ich schwanger wurde, befand ich mich auf dem Höhepunkt meiner rein veganen Ernährungsphase. Und ich sah keinen Grund, das zu ändern. Meine Eisenwerte waren völlig in Ordnung, genauso wie meine B12-Werte, die ich kontrollieren ließ. Außerdem nahm ich sowieso Tabletten zu mir, die während der Schwangerschaft den erhöhten Nährstoffbedarf abdeckten, darunter Folat, B12, Omega3, Vitamin D, Eisen, Zink und Jod. Von einigen wenigen Herstellern gibt es rein vegane …

Artikel lesen
Link zum Artikel