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Wie gut schmecken vegane Burger-Pattys? Unsere Autorin hat drei Fleischersatzprodukte getestet. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Merlas

watson-Kolumne

"Sehr viel Schrott": Veganerin sucht den perfekten veganen Burger

"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben

Theresa Schwab
Theresa Schwab

Im Alltag muss Essen bei mir schnell gehen. Ein leckeres Schnell-Gericht? Selbstgemachte Burger. Knackiges Brötchen, Ketchup, Burger-Einlage, Zwiebelringe, Tomatenscheiben und ein Salatblatt. Der Knackpunkt ist natürlich die Einlage. Früher briet ich Hackfleisch-Küchlein, später zauberte ich vegane Walnussbratlinge. Jetzt fehlt mir dazu meistens die Zeit.

Deshalb habe ich fertige Gemüse-Bratlinge getestet – aus Linsen, Bohnen, Süßkartoffeln oder Karotten. Aber diese schmecken eben nach Gemüse. Und leider auch viel zu oft nach "gesund", irgendwie nicht lecker. Obwohl mich der Anblick fertiger Burger-Pattys schon immer abgeschreckt hat, nehme ich mir vor, drei vegane Bratlinge zu testen, die dem typischen Burger-Erlebnis angeblich sehr nahekommen. Nennen wir es beim Namen: Ich wage mich zum ersten Mal bewusst an Fleischersatzprodukte.

"In diesem Bereich gibt es sehr viel Schrott. Denn auch für vegane Burger-Pattys gilt: Je verarbeiteter die Produkte, desto ungesünder."

Vorher recherchiere ich. Und merke schnell: In diesem Bereich gibt es ebenfalls sehr viel Schrott. Denn auch für vegane Burger-Pattys gilt: Je verarbeiteter die Produkte, desto ungesünder. Anders sei es kaum möglich, pflanzliche Proteine in fleischähnliche Strukturen zu verwandeln, schreibt die Zeitschrift "Öko-Test", die 2020 in ihrem "Vegetarisch und Vegan"-Spezial 13 vegane Burger gründlich analysiert.

Jetzt verstehe ich, wieso fast keiner der veganen Burger ein Bio-Siegel enthält: Für die fleischähnliche Konsistenz benötigen fast alle Methylcellulose, ein Stabilisator, der beim Erhitzen Gele bildet und für Bio-Lebensmittel nicht erlaubt ist. Der Test hat jedoch noch einiges mehr offenbart. Es wurden stark erhöhte Mineralölbestandteile, Gentechnik-Anteile, hohe Salzgehalte, Glyphosat und geschmacksverstärkende Hefeextrakte (die Glutaminsäure enthalten), nachgewiesen.

Ich entscheide mich am Ende für keines der herkömmlichen Discounter-Produkte, sondern suche mir drei vegane Burger-Pattys, deren Hersteller, Verpackung oder Gourmet-Vermarktung mich spontan überzeugen. Darunter der vegane "Sieht-Chick-Aus Burger" von The Vegetarian Butcher, der "Frei!Burger" von FollowFood sowie der "Planty of Burger" von Planty-of-Meat.

Drei vegane Pattys im Geschmackstest

Ich beginne mit der Pseudo-Chicken-Variante. Zuerst wollte ich bei Rewe zum Hack-Burger derselben Marke greifen, doch dieser war nur vegetarisch, da Eier enthalten sind. Die Verpackung ist hübsch illustriert, ich mag das Logo und finde es kurz sympathisch, dass der Gründer Jaap Korteweg, "Landwirt in der 9. Generation und Gründer von The Vegetarian Butcher", auf der Rückseite mit Foto persönlich vorgestellt wird. Es scheint, als würde ich ein kleines Manufaktur-Produkt kaufen, doch dann sehe ich weiter unten, dass der Konzernriese Unilever die Marke bereits aufgekauft hat.

Ich konzentriere mich auf die Inhaltsstoffe, ziemlich viele. Der Burger "Typ Hähnchen" beruht auf 63 Prozent Sojabasis und dicken Bohnen. Mir fallen Palmöl, das oben genannte Verdickungsmittel Methylcellulose und Hefeextrakt auf. Nun liegt mein letzter echter Chicken Burger Jahre zurück, doch diese vegane Variante kommt meiner Erinnerung sehr nahe. Lediglich die Konsistenz ist etwas zu weich. Die Oberflächen könnten knuspriger sein. Und das, obwohl ich die Pattys schon drei Mal so lange wie vorgeschrieben gebraten habe.

Bild

null / emmy lupin studio

Über die Autorin

As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

Nächster Versuch: Der tiefgefrorene Frei!Burger von Followfood, den es in jedem gut sortierten Supermarkt gibt. Die Marke, die sich als "Bewegung für nachhaltige Lebensmittel" sieht und mit diesem Produkt einen Bodenretter-Fonds unterstützt, kannte ich bisher nur von Fisch und Pizza. Inzwischen wagt sie sich mit mehreren Fertiggerichten an den veganen Markt. Positiv ist das sechseckige Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung – immerhin. Das bestätigt bisher als einziger Bio-Vegan-Burger, dass keine Methylcellulose enthalten ist. Stattdessen wird das Verdickungsmittel Johannisbrotkernmehl verwendet. Die Geschmacksbasis für diese Variante ist zu 54 Prozent Seitan, bestehend aus Weizeneiweiß. Und wie schmeckts?

"Auch hier hatte ich das Gefühl: Längeres Anbraten nützt nichts."

Okay, aber ein bisschen gesund. Seitan ist eben an sich geschmackslos und die enthaltenen Gewürze und Sojasauce sind scheinbar nicht genug. Auch hier hatte ich das Gefühl: Längeres Anbraten nützt nichts. Auf den Planty of Burger setze ich die größte Hoffnung. Wahrscheinlich weil es so kompliziert war, ihn überhaupt zu bekommen.

Ich hatte von dem deutschen plant-based Food-Start-Up gelesen, das Fleischalternativen aus regionaler Herstellung entwickelt und eine lokale Antwort auf konzerngesteuerte und importierte plant-based Produkte sein möchte. Klang gut. Und die schwarze Verpackung sieht chic aus. Wer in der Nähe eines Frischeparadieses, eines Veganz-Supermarktes oder des Münchner Feinkostladens Käfer wohnt, wird dort fündig. Allen anderen bleibt nur die Online-Bestellung in einem Gourmet-Shop.

Aufwändige Online-Bestellung

Die tiefgefrorenen Pattys werden in einer gekühlten Frischebox geliefert, die 9,90 Euro Porto kostet. Die Basis ist mit 20 Prozent pflanzlichem Proteinkonzentrat angegeben, das aus Sonnenblumen und Erbsen stammt. Ansonsten fällt mir wieder der Stabilisator Methylcellulose auf, also auch hier keine Bio-Qualität.

Rein optisch sah der Patty mit seiner geriffelten Oberfläche und der dunkelroten Färbung (rote Beete!) am authentischsten aus. Auf den Geschmack trifft das ebenso zu. Das Einzige ist zum dritten Mal die Konsistenz. Es wird nicht knusprig, egal, wie sehr ich beide Seiten röste. Doch in Kombination mit den anderen Burger-Zutaten kann ich damit leben.

Da noch Brötchen, Zwiebelringe und Tomaten übrig sind, entscheide ich spontan, am nächsten Tag noch mal eine reine Gemüse-Variante zuzubereiten. Ich schneide eine Aubergine in Scheiben, bestreiche sie mit Knoblauchöl und backe sie im Ofen goldbraun. Fruchtige Chutneys, karamellisierte Zwiebeln oder eine Pesto-Sauce veredeln das Ganze natürlich immer – egal mit welchem Patty. Doch unabhängig von den Beilagen kann ich sagen: Geschmacklich ist die Aubergine mein veganer Burger-Testsieger!

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