Unsere Autorin lässt sich von Instagram inspirieren.
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Bild: E+ / mapodile
watson-Kolumne

Informativ, aufwühlend, praktisch: Veganerin empfiehlt drei Instagram-Kanäle

28.07.2021, 14:07

"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben

Theresa Schwab
Theresa Schwab
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Auch wenn ein Schlachthaus-Video vor einigen Jahren bei mir ausgelöst hat, dass ich ab sofort von einem veganen Lebensstil überzeugt war, heißt das nicht, ich würde zwischendurch nicht ins Wanken geraten. Ich stolpere über Familienfeiern, über Einladungen von Freunden, über Restaurantbesuche, über Stress und Zeitmangel im Alltag und manchmal auch über Bequemlichkeit.

All diese Faktoren führen dazu, dass ich nicht ausschließlich Veganerin bin. Ich bemühe mich, möglichst vegan zu leben, weil ich es von innen heraus möchte und für richtig halte. Doch ich lasse Ausnahmen zu, wenn es ansonsten zu Druck oder Stress führen würde. "As vegan as possible" lautet mein Motto.

bild: emmy lupin studioe
Über die Autorin
As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

Doch ich habe gemerkt, dass der Schalter, der damals umgelegt wurde, immer wieder neu beschwert werden muss. Ich benötige regelmäßig Nachschub an schockierenden Bildern, Informationen und praktischen Tipps. Das hilft, mir das Tierleid stetig bewusst zu machen, dazuzulernen sowie neue Inspirationen zu bekommen.

Im Alltag funktioniert das am besten mit Instagram, weil ich hier schnell zwischendurch meine tägliche Dosis in kompakter Form bekomme. Also folge ich einigen Accounts mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Drei davon möchte ich näher vorstellen.

@pflanzlich.stark: Der Informative

Hinter dem Account steckt der Mittzwanziger Julian Yaacov Richter, der zeigt, dass sich eine pflanzliche Ernährung und ein starker – in seinem Fall durchtrainierter – Körper nicht ausschließen. Aber auch für Follower wie mich, die weniger fitnessbegeistert sind, ist der Kanal eine gute Möglichkeit, sich vielseitig zu informieren: Welche Gemüsesorten sind in diesem Monat saisonal? Welche Ei-Alternativen gibt es beim Backen? (Zwölf Stück!)

Es folgen Lifehacks (Frisch gemahlene Leinsamen haben eine deutlich höhere Bioverfügbarkeit ihrer wertvollen Inhaltsstoffe), Infografiken oder übersichtlich fotografierte Schaubilder, zum Beispiel welche Mengen welcher Lebensmittel den Tagesbedarf von 15 Milligramm Eisen decken. Zwischendurch streut er Fakten und Zahlen ein, die aufrütteln. Fazit: Ein bunter Mix, der nie wissenschaftlich wirkt, sondern schnell zu verstehen und anschaulich dargestellt ist.

@soko_tierschutz: Der Aufwühlende

Dieser Account ist nichts für schwache Nerven. Denn die Tierschutz-Initiative zeigt ungeschönt, wie die Realität in Schlachtbetrieben, Tiertransporten, Versuchslaboren und Höfen aussieht. Gründer Friedrich Mülln, der "Anwalt der Tiere" genannt wird, deckt mit seinen Teams undercover regelmäßig grausame Praktiken auf. Die Fälle werden dokumentiert, angezeigt und vor Gericht gebracht – mit einigen Erfolgen.

Auf dem Kanal lässt sich sehr gut mitverfolgen, an welchen Fällen die Undercover-Teams dran sind – und wie man helfen kann. Zum Beispiel durch Protestmails an entscheidungstragende Ministerien oder Mahnwachen vor angeklagten Schlachthöfen. Die Bilder und Videos, die sie posten, sind oft so erschreckend, dass Instagram sie wegen "sensibler Inhalte" vorerst verbirgt. Ich zwinge mich, dieses Leid, das größtenteils in Deutschland gezeigt wird, bewusst anzusehen. Eine Bestärkung im Alltag, mich im Zweifel für das Richtige zu entscheiden.

@eatthisorg: Der Praktische

Vegane Food-Blogs gibt es sicherlich einige. "Eat this" von Nadine Horn und Jörg Mayer ist nicht nur wunderschön fotografiert und gestaltet, sondern überzeugt mich mit außergewöhnlichen Rezepten. Kleine Kostprobe? Reisnudelsalat mit frischem Gemüse und Limetten-Erdnuss-Dressing, Umami geröstete Miso-Zucchini mit veganem Joghurt, frischer Petersilie und pinken Zwiebel-Pickles oder karamellisierter Lauch mit Hirse. Zugegeben, einige Gerichte sind etwas aufwändiger, aber es lohnt sich. Zudem gibt es auch schnelle Inspirationen wie fancy belegte Brote oder eine Wassermelonen-Gazpacho mit Basilikum und Minze, die nur wenige Minuten dauert.

Auf Instagram bekomme ich mit ihren ansprechenden Food-Fotografien jedes Mal Lust, das vorgestellte Gericht sofort umzusetzen. Durch einen Link gelangt man zu dem kostenlosen Rezept auf ihrem Blog, das zusätzlich interessante Hintergrundinformationen und nützliche Tipps enthält. Eine Rezepte-Sammlung die mich täglich daran erinnert, dass vegan ein Geschmackserlebnis sein kann, das die herkömmlichen Alltagsgerichte weit übertrifft.

Gute Nachricht

Nicht nur für Veggies: Burger King in Köln war eine Woche lang fleischfrei

In Köln hat der Fastfood-Riese Burger-King ein Experiment gewagt: Eine Woche lang kamen dort statt Rind- und Hähnchenfleisch Soja-Buletten auf die Teller. Von Montag bis Freitag konnten Vegetarierinnen, Veganer sowie Fleischliebhaber das Plant-Based-Angebot in der Kölner Schildergasse testen. Der Pop-up-Store entstand in Kooperation mit "The Vegetarian Butcher", einem Unternehmen, das nachhaltige Fleischersatz-Produkte herstellt.

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