Unsere Kolumnistin macht sich Sorgen um ihren Wasserverbrauch.
Unsere Kolumnistin macht sich Sorgen um ihren Wasserverbrauch.Bild: iStockphoto / fizkes
watson-Kolumne

Bin ich als Veganerin für Wasserknappheit verantwortlich? Warum ich ein schlechtes Gewissen habe

20.10.2021, 13:4520.10.2021, 13:56
Theresa Schwab
Theresa Schwab
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"As vegan as possible" – die watson-Kolumne zu vegetarischem und veganem Leben

Kürzlich las ich bei dem Online-Magazin Perspective Daily folgenden Artikel von Felix Austen: "Dieses Umweltproblem wird durch Veganismus noch schlimmer".

Weil mich der Inhalt, der sich um eine neue Studie des WWF von August 2021 dreht, sehr beschäftigt hat, möchte ich mich in dieser Kolumne noch mal damit auseinandersetzen. Der Titel der Studie lautet: "So schmeckt Zukunft: Der kulinarische Kompass für eine gesunde Erde. Wasserverbrauch und Wasserknappheit".

Die Kurzversion der Studie: Unsere Essgewohnheiten führen in einigen Ländern zu Wasserknappheit. Die erschreckende Information: Einige Lebensmittel, die vor allem von Veganern konsumiert werden, tragen massiv dazu bei. Meine erste Reaktion? Aber Tiere tragen zu noch viel schlimmeren Umweltkatastrophen bei, darunter der Ausstoß der drei klimaschädlichsten Treibhausgase Kohlendioxid, Methan und Lachgas – weltweit stammen 16,5 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen aus der Tierproduktion. Oder riesige Flächenrodungen für Weideflächen oder den Tierfuttermittelanbau wie Soja.

Über die Autorin
As vegan as possible – das beschreibt Theresa Schwab am besten. In ihrer Kolumne berichtet die freie Journalistin über positive Erkenntnisse, über Anstrengungen und darüber, warum es okay ist, manchmal im Alltag an einem nicht-tierischen Lebensstil zu scheitern.

Bei Peta Zwei lese ich: "70 Prozent der Zerstörung des Amazonasgebietes gehen auf das Konto der Tierwirtschaft." Und was ist mit Wasserverschmutzungen durch den Einsatz von Pestiziden und überhaupt mit Wasserverbrauch? Für ein Kilo Rindfleisch werden doch 15.000 Liter Wasser benötigt.

Also zurück zur Studie, dem Wasser und den Veganern. Werfen wir einen genauen Blick darauf. Wichtig ist, dass hier lediglich der Verbrauch von sogenanntem "blauen Wasser" analysiert wurde. Darunter versteht man Grund- oder Oberflächenwasser, das in trockenen Regionen den Pflanzen hinzugefügt wird und nicht mehr in ein Gewässer zurückgeführt wird – und somit dem Gebiet fehlt. Grünes Wasser wäre dagegen natürlich vorkommendes Boden- und Regenwasser, das in regenreichen Gebieten von Pflanzen aufgenommen wird und verdunstet.

Welche pflanzlichen Lebensmittel die größten Übeltäter sind

Die Studie gibt den jeweiligen "Wasserknappheitsfußabdruck" an und errechnet durch die Berücksichtigung spezieller Faktoren, "wie hoch das Risiko ist, durch den Verbrauch von Wasser für die Bewässerung anderen Nutzern, ob Mensch oder Natur, Wasser zu entziehen." Je höher der Abdruck, desto größer das Trockenheitsproblem.

"Interessant ist nun, welche pflanzlichen Lebensmittel zu den größten Übeltätern zählen und der Fakt, dass nur wenige Produkte den Wasserknappheitsfußabdruck verursachen."

Interessant ist nun, welche pflanzlichen Lebensmittel zu den größten Übeltätern zählen und der Fakt, dass nur wenige Produkte den Wasserknappheitsfußabdruck verursachen. An erster Stelle stehen Zitrusfrüchte (Spanien), die Hauptverursacher, die gemeinsam mit Mandeln (Spanien, USA) fast die Hälfte ausmachen. Darauf folgen Pfirsiche und anderes Steinobst (Spanien, Italien), Reis (Indien, Thailand), Trauben (Spanien, Italien, Chile) und Walnüsse (USA), Tomaten (Spanien, Italien, Deutschland, Niederlande), Oliven (Spanien, Italien, Griechenland) und Datteln (Tunesien, Pakistan, Iran) sowie Haselnüsse (Türkei, Italien). Genannt werden jeweils die Hauptherkunftsländer.

Meine nächste, zu erwartende Reaktion: Und wer behauptet, dass nicht auch Fleischesser Zitrusfrüchte, Mandeln oder Reis konsumieren? Hier greift der WWF auf bereits entwickelte Ernährungsprofile der EAT-Lancet-Kommission aus dem Jahr 2019 zurück, die deutlich zeigen, dass Vegetarier, Veganer und Flexitarier deutlich mehr Obst und Gemüse konsumieren. Der Nussverbrauch beträgt immerhin das Dreifache.

Vergleich zwischen Omnivoren und Veganer

Das erschreckendste Diagramm aus der Studie: Der Vergleich eines deutschen Fleischessers zu einem Veganer ergibt, dass letzterer 21,33 m³ mehr Wasser durch pflanzliche Lebensmittel verbraucht – gerechnet pro Person und Jahr. Bei einem Fleischesser kommen noch 3,27 m³ durch Fleisch und Wurst sowie 1,86 m³ durch Milch, Käse, Eier und ähnlichem hinzu. Macht also insgesamt einen Unterschied von 16,2 m³. Umgerechnet in den relevanten Wasserknappheitsfußabdruck ergibt das einen Unterschied von 1113,77 m³ pro Person und Jahr.

"Muss es ein frischgepresster Orangensaft am Sonntagmorgen sein, wenn ein Karotten-Apfel-Rote-Beete-Saft genauso lecker schmeckt?"

Mir hat diese Studie gezeigt, dass es nicht in jedem Fall Schwarz und Weiß gibt. Abgesehen von Tierleid, das durch eine verantwortungsbewusste, vegane Ernährung komplett entfällt, sollte ich mir gut überlegen, ob Orangen oder Mandeln Bestandteil meines veganen Speiseplans sein müssen. Haselnüsse und Walnüsse gibt es auch aus deutschem Anbau zu kaufen. Und muss es ein frischgepresster Orangensaft am Sonntagmorgen sein, wenn ein Karotten-Apfel-Rote-Beete-Saft genauso lecker schmeckt?

Frisch aus der Region schmeckt es am besten

Wir haben dieses Jahr das dritte Hochbeet bepflanzt und uns an neuen Gemüsesorten ausprobiert. Wir haben einen Apfelbaum im Garten stehen und werden mit unterschiedlichsten Lebensmitteln aus der Verwandtschaft und Nachbarschaft versorgt.

Je näher ich mich mit der Herkunft und Produktion von Lebensmitteln beschäftige, desto mehr muss ich an den Keller meiner Großeltern denken. Dort wurde je nach Jahreszeit die Ernte aus dem Garten eingekocht, eingelegt, gelagert und eingefroren – für den Rest des Jahres. Woran ich mich nicht erinnern kann: asiatische Gerichte mit großen Mengen Reis, exotische Früchte oder ausgefallene Nussvariationen. Als Kinder haben wir lediglich Walnüsse geknackt, natürlich vom eigenen Walnussbaum.

Gegen unnötigen Papierverbrauch: Schweizer Unternehmen bietet "Postwurfsendung" per SMS an

Postwurfsendungen zählen nach wie vor zu den beliebtesten Marketinginstrumenten. Das spiegelt sich auch im jährlichen Papierverbrauch wider: In Österreich liegt er der Umweltberatung zufolge bei 275 kg pro Person. Davon sind bis zu 100 kg pro Jahr Postwurfsendungen.

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