Das Verhältnis zwischen Trainer Hansi Flick (l.) und Sportvorstand Hasan Salihamidzic (r.) war in den vergangenen Monaten nicht das Beste.
Das Verhältnis zwischen Trainer Hansi Flick (l.) und Sportvorstand Hasan Salihamidzic (r.) war in den vergangenen Monaten nicht das Beste.
Bild: Florian Ulrich/Jan Huebner / imago images
Analyse

Frieden zwischen Flick und Salihamidzic: Das bedeutet die Aussprache für die Löw-Nachfolge

18.03.2021, 16:25

"Auch in einer Ehe oder Partnerschaft kann es immer mal wieder zu Unstimmigkeiten kommen", damit beschrieb Bayern-Trainer Hansi Flick am vergangenen Freitag sein Verhältnis zu Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

Die "Unstimmigkeiten" in Sachen Spielertransfers, Leistungsbewertungen und einer vermeintlichen Zusicherung an Einsätzen für Ersatztorhüter Alexander Nübel sorgten allerdings zuletzt wohl für lautstarke Auseinandersetzungen. Laut Informationen der "Bild" soll Flick von den Worten des Sportvorstands im Mannschaftsbus genervt gewesen sein und sogar gesagt haben: "Jetzt halt endlich mal dein Maul." Gerüchten zufolge musste eine dritte Person in den vergangenen Wochen als Schlichter zwischen Trainer und Sportvorstand eingreifen.

Auch wenn es die sportlichen Leistungen des Teams nicht beeinflusste, erzählte Joshua Kimmich nach dem 2:1-Sieg über Lazio Rom im Achtelfinale der Champions League am Mittwochabend, dass die Spieler die Diskussionen durchaus wahrnehmen. "Am Ende des Tages wäre es natürlich schöner, bei dem Erfolg, der gerade da ist, wenn auch Ruhe einkehren würde und wenn man vor allem nicht von intern Zündstoff nach außen geben würde", sagte der Nationalspieler bei Sky.

Flick als Löw-Nachfolger im Gespräch

Zumal es seit dem Bekanntwerden von Joachim Löws Rücktritt als Bundestrainer nach der EM im Sommer immer wieder Spekulationen darüber gibt, dass Flick die Münchner im Sommer verlässt und beim DFB anheuert. Ein klares Bekenntnis gab es bisher weder von Flick, noch vom FC Bayern. Beide Parteien verwiesen stets auf Flicks laufenden Vertrag bis 2023. Zumindest bis jetzt, denn am Mittwochabend könnte Flick nun verraten haben, wie seine Zukunft aussieht.

Nach dem 2:1-Erfolg gegen die Italiener erklärte der 56-jährige Coach über die Situation mit Salihamidzic: "Wir sind aufeinander zugegangen." Und sagte weiter: "Wir haben es aus der Welt geschaffen, ganz im Sinne des Vereins." Flick berichtete, dass es "ein kurzes Gespräch" war.

Und dann folgte ein eventuell richtungsweisender Satz. "Wir beide sind, was das betrifft, sehr, sehr optimistisch für den Rest der Saison und für die Zukunft von uns." Ein Abschied im Sommer, um als neuer Nationalcoach beim DFB anzuheuern, hört sich wohl anders an.

Im vergangenen August feierten Salihamidzic (l.) und Flick (r.) den Gewinn der Champions League.
Im vergangenen August feierten Salihamidzic (l.) und Flick (r.) den Gewinn der Champions League.
Bild: Fotoagentur SVEN SIMON / imago images

Zumal Flick versöhnliche Töne für die Arbeit seines Sportvorstandes anschlägt. "Gerade in der Corona-Zeit ist es auch für einen Sportvorstand nicht einfach, Spieler zu holen. Dann haben wir gesagt, wir wollen in der Breite Spieler dazu nehmen. Das haben wir gemacht. Deshalb ist die Breite auch gut besetzt." In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Kritik an den spät verpflichteten Spielern Bouna Sarr, Douglas Costa, Marc Roca und Eric-Maxim Choupo-Mouting, die unter Flick kaum zu Einsatzzeiten kommen.

Wie lange der Frieden zwischen den beiden Alpha-Tieren beim FC Bayern hält, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Für Jürgen Klopp wäre Rangnick der ideale Nachfolger

Beim DFB gilt Flick dennoch weiterhin als absolute Wunschlösung, um Bundestrainer Joachim Löw nach der Europameisterschaft im Sommer abzulösen. Nun muss sich Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff aber wohl weiter nach geeigneten Kandidaten umschauen. Als wahrscheinlichste Nachfolger gelten dann wohl U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz und Ralf Rangnick.

Kuntz wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern. "Ich konzentriere mich jetzt erst einmal auf meine U21. Dann wird man weitersehen", sagte er. Ganz anders ist die Lage bei Ralf Rangnick. "Ralf Rangnick ist interessiert am Job des Bundestrainers", sagte sein Berater Marc Kosicke gegenüber Sport1 vor einigen Tagen. Doch auch Schalke 04 will den 62-Jährigen unbedingt unter Vertrag nehmen. Dort soll der Fußball-Fachmann den abgestürzten Traditionsklub retten.

DFB-Präsident Fritz Keller und der Direktor der Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, machten bereits klar, dass sie sich bei der Suche nach einem Löw-Nachfolger Zeit lassen wollen. "Wir werden es in Ruhe erörtern und besprechen. Wir haben da keinen Zeitdruck", sagte Bierhoff bei einem Medien-Talk des Deutschen Fußball-Bundes am Donnerstag. Doch bei Rangnick – der auch für Jürgen Klopp die optimale Wahl wäre – drängt die Zeit.

Klopp selbst sagte bereits vor einer Woche ab, Hansi Flick könnte seine Zukunft nun auch weiter in München sehen und Ralf Rangnick steht bei Schalke 04 ganz oben auf der Liste. Bleibt eigentlich nur noch Stefan Kuntz als ernstzunehmender Kandidat.

Bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer könnte dem DFB also die Entscheidung nun fast von ganz allein abgenommen worden sein.

(lgr)

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