In Paris angekommen: Lionel Messi am Dienstagabend.
In Paris angekommen: Lionel Messi am Dienstagabend.
Bild: www.imago-images.de / Pierre Perusseau
Analyse

Messi unterschreibt bei Paris Saint-Germain: Was der Mega-Transfer für den Spieler und die Klubs bedeutet

10.08.2021, 15:2510.08.2021, 18:30

Lionel Messi wollte Barcelona nicht verlassen. Der FC Barcelona wollte den womöglich besten Fußballer nicht gehen lassen, doch nun wird der 34-Jährige nach 21 Jahren in Katalonien künftig für Paris Saint-Germain auf Torejagd gehen. Laut Transferexperte Fabrizio Romano unterschreibt er für zwei Jahre und soll 35 Millionen Euro pro Saison kassieren.

Dass der Transfer dem FC Barcelona sportlich nicht guttun wird, ist klar. Auch Messi zeigte bei seiner tränenreichen Abschiedspressekonferenz, dass er Katalonien definitiv nicht verlassen wollte. Zudem werden weder Paris Saint-Germain, noch die spanische und französische Liga vom Wechsel profitieren.

Eigentlich werden alle Beteiligten aus dem wohl größten Wechsel der Fußballgeschichte nur als Verlierer hervorgehen. Eine Betrachtung aus mehreren Blickwinkeln.

Die Folge für Lionel Messi

Was der Megastar vom Wechsel hält, machte er auf seiner Abschiedspressekonferenz deutlich – mit Tränen und der Aussage: "Ich habe gedacht, dass ich hier nie weggehen würde. Das hier ist unser Zuhause", sagte der Argentinier.

Vor einem Jahr hörte sich das aber noch ganz anders an. Im August 2020, nach der blamablen 2:8-Niederlage im Champions-League-Turnier gegen den FC Bayern wollte Messi bereits eine Klausel in seinem Vertrag ziehen, durch die er am Ende jeder Saison einseitig kündigen könne. Barca lehnte das jedoch mit der Begründung ab, dass die Frist dazu längst verstrichen sei.

Zudem schickte Barcelona mit Stürmer Luis Suaréz einen der besten Freunde Messis zum Liga-Rivalen Atletico Madrid. Während der Hauptstadtklub in der vergangenen Saison die Meisterschaft holte und Suaréz einer der wichtigsten Spieler war, landete Barca lediglich auf Rang 3. Zudem war sein Verhältnis zu Präsident Bartomeu mehr als angespannt.

Jetzt war Messi aber vom Umbruch überzeugt, gewann in der abgelaufenen Saison immerhin den spanischen Pokal und war bereit, bei Barca zu verlängern. Doch nun folgte der Abgang, den alle für undenkbar gehalten hatten.

Die Statuten des Financial Fair Play der spanischen Liga ließen eine Vertragsverlängerung nicht zu. Barcelona ist mit fast 490 Millionen Euro hoch verschuldet. Auch ein Verzicht auf die Hälfte seines üppigen Gehaltes auf rund 50 Millionen Euro hätte den Konflikt nicht lösen können.

Zahlreiche Messi-Freunde bereits bei PSG

Doch auch in Paris hat Messi so einige Freunde, die ihm die Eingewöhnung leichter machen dürften. Ángel Di María und Leandro Paredes kennt Messi aus der Nationalmannschaft, mit Neymar spielte er mehrere Jahre erfolgreich in Barcelona zusammen. Zusammen mit Marco Veratti verbrachten sie sogar bereits gemeinsam einige Tage im Urlaub auf Ibiza.

Für Barca erzielte Messi er in 530 Partien 474 Tore. So viele werden es in der französischen Ligue 1 nicht werden, doch das sportliche Niveau in den Top-Fünf-Ligen Europas ist in Frankreich deutlich am schwächsten. Eine sportliche Herausforderung sieht anders aus.

Sollte der Superstar auch nur annähernd Normalform haben, werden auch 30 Saisontore für den Angreifer kein Problem sein. Viel mehr muss er sich dem internen Tor-Wettkampf mit Kylian Mbappé und Neymar stellen.

Die Folgen für den
FC Barcelona

Den Abgang von Vereinsikone Messi haben sich die Verantwortlichen des Klubs selbst zuzuschreiben.

Unter Ex-Präsident Josip Bartomeu rutschte der Verein in eine immer kritischere finanzielle Lage. Selbst Neu-Präsident Laporta erklärte, dass er nicht gedacht hätte, dass die finanzielle Situation des Klubs dermaßen schlimm ist.

Dabei reicht allein ein Blick auf einige Transfers, die Barca in den vergangenen fünf Jahren tätigte. Für Spieler wie Frenkie de Jong (86 Millionen Euro), Antoine Griezmann (125), den verletzungsanfälligen Ousmane Dembélé (135) , Philippe Coutinho (135), Paulinho (40), Malcom (41), André Gomes (37), Clement Lenglet (37) und Nelson Semedo (35) gab Barca horrende Ablösesummen aus, ohne wirklich Erfolge zu feiern. Besonders in der finanziell lukrativen Champions League scheiterte Barca stets früh. Viele der Akteure sind bereits gar nicht mehr im Verein und nachhaltig durchsetzen konnte sich bisher nur de Jong.

Ex-Barca-Präsident Josep Bartomeu hat einen großen Anteil an Barcas schlechter finanzieller Lage.
Ex-Barca-Präsident Josep Bartomeu hat einen großen Anteil an Barcas schlechter finanzieller Lage.
Bild: www.imago-images.de / Alejandro Garcia

Noch bis heute muss Barca Zahlungen an die abgebende Vereine leisten, dabei sind einige Transfers bereits über fünf Jahre her. Und unter Ex-Präsident Bartomeu (2014 bis 2020) verließ Barca den Weg, der ihn über Jahre stark gemacht hatte – statt die eigenen Talente aus dem Nachwuchs zu fördern, wurden immer wieder neue Top-Stars mit dem Wunsch nach schnellem Erfolg zugekauft.

"Das Management der letzten Jahre war nicht das beste, das belastet uns. Aber die Geschichte zeigt, dass wir wieder auf die Beine kommen", kritisierte auch Abwehrstar Gerard Piqué.

Erst unter Neu-Trainer Ronald Koeman kam wieder regelmäßig Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zum Einsatz. Das Team wurde mit einem soliden Mix aus erfahrenen und jungen Spielern verstärkt und sollte um Messi neu aufgebaut werden – und der Superstar hatte Lust darauf. Umso bitterer, dass er nun gehen musste.

Die Folgen für LaLiga

Cristiano Ronaldo, Sergio Ramos, Neymar oder eben Lionel Messi. Bis vor Jahren spielten noch absolute Welt-Stars in der spanischen Liga. Die sind jetzt weg und damit sinkt die Attraktivität extrem. Was ist schon das wohl bekannteste Fußballspiel der Welt – Real Madrid gegen den FC Barcelona – ohne Cristiano Ronaldo UND Lionel Messi?

Außerdem wird nun auch die sportliche Qualität nicht mehr mit den international erfolgreichen Jahren von 2014 bis 2018 mithalten können. Damals entschieden Barcelona (einmal) und Real Madrid (viermal) die Finals in der Champions League für sich und unterstrichen dadurch die Vormachtstellung des spanischen Klub-Fußballs in Europa. Eine Tatsache, die sich in den nächsten Jahren ändern könnte.

Zwar hat Barcelona mit Kun Agüero einen Kracher aus Manchester geholt. Aber er ist eben – wenn überhaupt – der zweitbeste Argentinier der Welt und auch schon 34 Jahre alt. Und auch bei Real Madrid strahlen Top-Spieler wie Toni Kroos oder Eden Hazard bei Real Madrid nicht den Glamour-Faktor eines Ronaldos oder Messis aus, geschweige denn derren Leistungen.

Nach Ronaldo hat die spanische Liga nun ihren zweiten Top-Star verloren. Und weder beim FC Barcelona noch bei Real Madrid gibt es aktuell Akteure, die diese großen Fußstapfen auch nur annähernd ausfüllen können.

Die Folgen für
Paris Saint-Germain

Gianluigi Donnarumma, Sergio Ramos, Georginio Wijnaldum holte Paris in diesem Sommer bereits ablösefrei nach Frankreich. Zudem zahlten sie 60 Millionen Euro Ablöse für Achraf Hakimi, der von Inter Mailand kam. Und nun folgt auch noch der sechsmalige Weltfußballer Messi.

Nicht zu vergessen, dass mit Neymar und Kylian Mbappé bereits zwei der besten und begabtesten Offensivstars in Paris spielen. Wer bisher dachte, die Wechsel bei Fußball-Simulationen wie FIFA seien unrealistisch, der wird aktuell vom kompletten Gegenteil überzeugt.

Top-Favorit auf den Champions-League-Titel wäre Paris auch ohne die Verpflichtung von Messi gewesen. Nun wäre alles andere als ein Champions-League-Sieg aber eine Enttäuschung. Auch, wenn sich viele Fans bereits jetzt ein Achtelfinal-Aus erhoffen. Die französische Meisterschaft wird Paris zweifelsfrei gewinnen. Einen weiteren Überraschungsmeister wie in der vergangenen Saison mit dem OSC Lille wird es nicht geben.

Auf Trainer Mauricio Pochettino wartet nun die Mammutaufgabe, die Egos der zahlreichen Superstars unter einen Hut zu bekommen und aus der Mannschaft eine Einheit zu formen.

Besonders spannend wird sein, wie sich Neymar gegenüber Messi verhält. Schließlich wollte der Brasilianer nach vier Jahren in Barcelona mit seinem Rekordwechsel für 222 Millionen Euro aus dem Schatten des Argentiniers treten. Nun stehen sie wieder zusammen auf dem Platz.

Mauricio Pochettino beerbte Thomas Tuchel bei Paris Saint-Germain.
Mauricio Pochettino beerbte Thomas Tuchel bei Paris Saint-Germain.
Bild: www.imago-images.de / Christophe SAIDI

Und der Messi-Wechsel könnte noch einen weiteren Dominoeffekt auslösen, der ausgerechnet Barcas Erzrivalen Real Madrid stärkt. Kylian Mbappés Vertrag läuft im kommenden Sommer aus, den Verantwortlichen bei Paris soll er bereits mitgeteilt haben, dass er nicht verlängern möchte. Somit könnte auch er im kommenden Sommer ablösefrei wechseln.

Financal Fairplay gilt für PSG wohl nicht

Viel spannender ist aktuell zudem noch die Frage, wie Paris seinen mit Stars gespickten Kader überhaupt finanzieren kann, ohne die Regeln des Financial Fairplay zu verletzten. Messi soll 35 bis 40 Millionen Euro jährlich verdienen, bisher war Neymar mit einem Jahresgehalt von 37 Millionen Euro Spitzenverdiener bei PSG. Dahinter folgt Kylian Mbappé mit 25 Millionen Euro, zudem verdienen mehr als zehn Spieler über zehn Millionen Euro.

Die PSG-Bosse haben beim Messi-Angebot wohl genau darauf geachtet, alle Vorgaben des französischen Ligaverbands (LFP) zu beachten. Um das Financial Fairplay der UEFA macht sich PSG unterdessen weniger Sorgen, da der Verband den Klubs aufgrund der Coronapandemie wohl mehr Spielraum lässt. Zudem soll es Treffen mit französischen Regierungsvertreten gegeben haben, die ihre bestmögliche Hilfe angeboten haben.

Nach Druck von Nagelsmann – Sabitzer geht wohl zu Bayern

Hinter den Bayern-Kulissen gibt es Reibungen: Julian Nagelsmann soll mit dem derzeitigen Kader nicht zufrieden sein, berichtet die "Bild"-Zeitung. Der Trainer soll im Hintergrund Druck auf den Bayern-Vorstand ausüben und hat damit offenbar einen ersten Erfolg. Der Leipziger Top-Spieler Marcel Sabitzer könnte laut "Sport Bild" bald nach München wechseln.

Die Vertragsdauer und das Gehalt sollen bereits geklärt sein, aber zu einer Einigung zwischen RB Leipzig und dem FCB ist es demnach bisher noch …

Artikel lesen
Link zum Artikel