Thomas Tuchel (Mitte) freut sich ausgelassen über einen Treffer seines Teams Chelsea.
Thomas Tuchel (Mitte) freut sich ausgelassen über einen Treffer seines Teams Chelsea.
Bild: imago images / Miguel Pereira
Analyse

Das System Premier League: Warum die beste Liga der Welt das Finale der Champions League dominierte – "Da ist einer, der die Rechnung bezahlt"

30.05.2021, 15:4430.05.2021, 16:15

"Katar spielt gegen Abu Dhabi und ein russischer Oligarch gegen den spanischen Staat", kommentierte die deutsche Trainerlegende Ewald Lienen Mitte April beim Pay-TV-Sender Sky die Paarungen im Halbfinale der Champions League. In den Duellen setzten sich Manchester City und der FC Chelsea eindeutig gegen Paris Saint-Germain und Real Madrid durch. Und so kam es am Samstag in Porto zum englischen Aufeinandertreffen um den Champions-League-Titel. Oder wie Ewald Lienen es vermutlich sagen würde: Abu Dhabi gegen einen russischen Oligarchen.

Doch die Besitzstrukturen ausgeklammert, kam es auf dem Platz dank Top-Spielern wie Kevin de Bruyne, Phil Foden, Thiago Silva, N’Golo Kante und auch den deutschen Nationalspielern Ilkay Gündogan, Timo Werner, Kai Havertz und Antonio Rüdiger zu einem spannenden und spektakulären Endspiel. Zumal mit Pep Guardiola (Manchester City) und Thomas Tuchel (FC Chelsea) zwei der besten und innovativsten Trainer der Welt aufeinandergetroffen sind.

Am Ende holte Thomas Tuchel mit FC Chelsea den Champions-League-Titel 2021 und schaffte das, was ihm mit seinem letzten Team, PSG, knapp nicht gelang. Für das entscheidende Tor war DFB-Star Kai Havertz verantwortlich. So gewann Chelsea gegen Manchester City 1:0 am Samstagabend in Porto.

Die Begegnung war das zweite rein englische Duell in den vergangenen drei Jahren um die Krone im europäischen Vereinsfußball und untermauert eine Aussage, die viele Trainer, Spieler und Experten immer wiederholen: Die Premier League ist die beste Liga der Welt. Und das gilt nicht nur für den Männer-, sondern auch für den Frauen-Fußball.

"Ich habe in Deutschland beim FC Bayern und beim VFL Wolfsburg gespielt, aber West Ham war nochmal eine andere Hausnummer."
Profi-Fußballerin Julia Simic

watson hat mit verschiedenen Experten gesprochen, warum die Premier League für Spieler und eben auch Staaten oder Besitzer so attraktiv ist, wie die Bundesliga diesen Rückstand aufholen kann und ob eine englische Dominanz im europäischen Fußball droht.

"Die Premier League ist so attraktiv, weil dort im Durchschnitt das meiste Geld gezahlt wird", bringt es Prof. Dr. Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling und Vize-Dekan der HHL Leipzig-Graduate School of Mangement, im Gespräch mit watson auf den Punkt.

Marketingreisen seit den 80er Jahren

Und das hat zwei wesentliche Gründe: Die Premier League ist offen für Investoren und hat schon relativ früh auf eine Internationalisierungsstrategie gesetzt. "Globalisierung war schon in den 80er Jahren in der DNA der Klubs verankert. Natürlich auch bedingt durch die Commonwealth-Staaten", erklärt Zülch. "Sie haben früh Marketingreisen unternommen und so den asiatischen und afrikanischen Werbemarkt komplett eingenommen. Jeder Fußballfan hat dort ein Team aus England, das er liebt. Da hat die Bundesliga einfach das Nachsehen", fügt auch Joachim Hebel gegenüber watson hinzu. Er kommentiert für den Pay-TV Sender Sky die Spiele der englischen Premier League.

Die frühe Internationalisierung sorgt dafür, dass die englische Top-Liga seit ihrer Gründung 1992 von stetig wachsenden TV-Einnahmen profitierte. Für die Spielzeiten von 2019/20 bis 2021/22 erhielten die 20 Vereine rund fünf Milliarden Euro aus der Fernsehvermarktung. Dieser Vertrag wurde kürzlich zu gleichen Konditionen bis 2024/25 verlängert. Zum Vergleich: Die Bundesliga kassiert für die nationalen TV-Rechte zwischen 2017/18 und 2020/21 insgesamt 4,64 Milliarden Euro. "Diesen Internationalisierungsdrang hat die Bundesliga erst im vergangenen Jahrzehnt verspürt. Jetzt gehen sie das mit großen Schritten an, aber sie können das nur schwerlich aufholen."

Hinzu kommt, dass es in England die Regelung gibt, dass der Erstplatzierte nur 1,8 Mal so viel wie der Letzte bekommt. In der Bundesliga liegt der Verteilerschlüssel aktuell bei 3,5:1. Seit Jahren herrscht zwischen den Bundesligisten ein Streit, um eine gerechtere Verteilung der Gelder.

Henning Zülch ist Vize-Dekan in Leipzig.
Henning Zülch ist Vize-Dekan in Leipzig.

Jeder Premier-League-Klub ist in den Händen eines Investors

Zusätzlich zu den hohen TV-Geldern kommt das Kapital der Investoren. "Jeder Premier-League-Klub gehört einem Besitzer und das ist ganz normal", erklärt Joachim Hebel.

Denn anders als im deutschen Fußball gibt es nicht die sogenannte 50+1-Regel. Diese Regel besagt, dass in Deutschland Investoren zwar 99,9 Prozent der Kapitalanteile eines Vereins erlangen dürfen, aber nie die Stimmmehrheit im Vorstand.

In der Premier League gehören die Vereine hingegen Öl-Oligarchen wie dem Russen Roman Abramowitsch (Chelsea), der Abu Dhabi United Group (Manchester City) oder dem US-Amerikaner John Henry, der als Gründer und Investor einer Investment-Management-Firma nicht nur den FC Liverpool, sondern auch die Boston Red Sox (Baseball) und den "Boston Globe" (Zeitung) besitzt. "Diese Vereine sind wie Unternehmen organisiert. Da wird nicht nur Geld reingepumpt, sondern sie müssen vor allem profitabel sein", sagt Henning Zülch.

"Da ist einer, der die Rechnung bezahlt. Gerade in der Pandemie sieht man den Vorteil – die Schulden eines Vereins, sind die Schulden einer Privatperson"
Premier-League-Experte Joachim Hebel

Aufgrund der Besitzstrukturen können die Verantwortlichen Entscheidungen unabhängig von der Stimmung der Fans treffen. Eine Abwahl des Präsidenten bei der nächsten Mitgliederversammlung ist nicht möglich. "Man kann in der Führungsebene nach bestem kaufmännischem Wissen und Gewissen handeln. Das ist wichtig, wenn man 300, 400, 500 Millionen Euro Umsatz pro Jahr bewegt", erklärt der Wirtschafts-Experte.

Premier-League-Vereine sind wie Unternehmen aufgestellt

Und so ist es auch möglich, dass Vereine wie Manchester City oder Chelsea jeden Sommer mehrere hundert Millionen Euro für neue Spieler ausgeben können. Corona-Pandemie hin oder her – Chelsea holte im vergangenen Sommer Timo Werner (53 Millionen Euro), Kai Havertz (80 Millionen Euro), Hakim Zyiech (40 Millionen Euro), Ben Chillwell (50 Millionen Euro). Manchester City gab ebenfalls fast 170 Millionen Euro für Transfers aus und seit dem Amtsantritt von Guardiola im Sommer 2016 investierte der Klubs fast eine Milliarde Euro in neue Spieler.

Mit Blick auf die Corona-Krise ist es dann ein Vorteil, in den Händen eines reichen Investors zu sein. "Da ist einer, der die Rechnung bezahlt. Gerade in der Pandemie sieht man den Vorteil – die Schulden eines Vereins, sind die Schulden einer Privatperson", sagt Joachim Hebel.

Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch
Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch
Bild: picture alliance / Photoshot

Andererseits wollen die Investoren und weitere zahlungskräftige Sponsoren natürlich auch von ihrem Engagement profitieren. "Die Investoren wollen langfristigen Erfolg sehen und die Sponsoren, die in die Klubs investieren, wollen am Ende für sich ein positives Image erzielen", macht Wirtschaftsexperte Zülch deutlich.

Bundesliga mangelt es an Professionalisierung

Auch in Deutschland gab es in der Vergangenheit immer wieder Investoren, die ihr Geld in Vereine in der 2. oder 3. Liga einsetzen wollten, um diese in die Bundesliga zu führen.

Durch die 50+1-Regel hat die Liga aber eine Art eigenes Schutzschild gegenüber der Einflussnahme von externen Investoren. Das beste Beispiel ist da der Traditionsverein TSV 1860 München (4. Liga), der vom jordanischen Geschäftsmann Hasan Ismaik 2011 vor der Insolvenz gerettet wurde. Jedoch gab es zwischen ihm und dem Verein immer wieder Probleme, was den Zeitpunkt und Umfang seiner Zahlungen angeht. Zudem kündigte er bereits mehrmals an, gegen die 50+1 Regel klagen zu wollen.

Laut Zülch werde das Geld der Investoren in Deutschland häufig nicht zielgerichtet eingesetzt: "Sie stopfen nur Löcher, statt es in die Infrastruktur oder das Nachwuchsleistungszentrum zu investieren." Zudem gäbe es in Deutschland in den Vereinen eine zu hohe Unsicherheit, wie und ob man externe Investoren zukünftig zulassen soll. Dadurch würden sich die Vereine aber gegenüber guten, externen Investoren verschließen.

Als weiteres Problem sieht der Wirtschaftsexperte die mangelnde Professionalisierung in den Führungsebenen. "Die Personen sind zumeist aufgrund ihrer regionalen Verbundenheit in den Führungsebenen und haben weder den Weitblick noch die Ambitionen diesen Klub weiterzuentwickeln. Sie machen es nicht aus professioneller Hingabe. Es ist Statusdenken. Sie verharren letztlich in ihrer Position", sagt Zülch.

Dennoch hat die Bundesliga einen Vorteil gegenüber der Premier League: "Durch die 50+1-Regel schafft man implizit eine Partizipation der Fans, ebenso durch ihre Verbundenheit zum Klub die Stadien zu füllen. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal, das die Bundesliga nach oben bringt und die Marke international strahlen lässt", ist sich der Wirtschaftsexperte sicher.

Havertz und Werner mit Problemen, Gündogan in absoluter Top-Form

Den Schritt aus der Bundesliga machten Timo Werner und Kai Havertz aus Leipzig und Leverkusen im vergangenen Sommer. Beide wechselten nach London, hatten in ihrem ersten Jahr in England mit der Anpassung an den komplett anderen Spielstil zu kämpfen und mussten einiges an Kritik von den englischen Boulevardmedien einstecken.

"Wenn ich ehrlich bin, ist es echt hart. Der Unterschied ist groß", sagte Havertz erst vor kurzem dem britischen TV-Sender Sky Sport. "Du spielst hier alle drei Tage. Und die Intensität ist hier noch mal deutlich höher als in Deutschland". Er kam in 27 Liga-Spielen auf vier Tore und fünf Vorlagen.

Timo Werner und Kai Havertz im Chelsea-Dress
Timo Werner und Kai Havertz im Chelsea-Dress
Bild: www.imago-images.de / Mark Pain

Ähnliche Probleme im Laufe der Saison hatte auch Timo Werner, der in 35 Partien auf sechs Tore und zwölf Assists kam. Doch er ließ auch zahlreiche Großchancen liegen und hatte schnell den Ruf als Chancentod. Was aber auch daran lag, dass ihm unglaubliche 14 Tore durch den Linienrichter oder Videoschiedsrichter aberkannt wurden.

Doch vor allem der DFB-Stürmer freute sich über die Ankunft von Thomas Tuchel, der im Februar das Team von Frank Lampard übernahm. "Mir hilft, dass mich jetzt jemand auf Deutsch anschreien kann. Thomas Tuchel ist ein wirklich guter Typ, ich mag seine Ideen bezüglich des Fußballstils, den er uns vermitteln will", sagte Werner damals.

Und Tuchel gelang es, die zuvor anfällige Defensive zu stabilisieren. Zudem ist der 47-Jährige der erste Trainer, der in zwei Jahren in Folge mit zwei verschiedenen Klubs im Finale der Champions League steht.

England-Experte Joachim Hebel erklärte bereits im Februar im watson-Interview, dass die Kombination Tuchel-Chelsea das Potenzial hat, unglaublich zu werden.

"Die Premier League ist von einem hohen Tempo, enormer Physis und harten Zweikämpfen geprägt und das macht die Faszination aus", sagt Joachim Hebel, der in seinem Podcast "Kick and Rush" gemeinsam mit seinem Bruder Uli das Geschehen in der Liga aufarbeitet.

Anders ist es bei Ilkay Gündogan. Der 30-Jährige spielt wohl die beste Saison seiner Karriere. Aufgrund von einigen verletzungsbedingten Umstellungen bekam er von Pep Guardiola eine offensivere Rolle und hatte mit 13 Toren und drei Vorlagen einen erheblichen Anteil an Citys Meisterschaft. Es ist der dritte Premier-League-Titelgewinn in den vergangenen vier Jahren. "Ich hätte nicht gedacht, dass er so torgefährlich sein kann. Ich glaube, da überrascht er momentan alle. Wichtig war er immer und diese Leistungen kamen jetzt nicht plötzlich", sagte Joachim Hebel bereits im Februar im Gespräch mit watson.

Manchester Citys Ilkay Gündogan feiert den Gewinn des Community Shields, dem englischen Supercup.
Manchester Citys Ilkay Gündogan feiert den Gewinn des Community Shields, dem englischen Supercup.
Bild: augenklick/firo Sportphoto / firo Sportphoto/PSI

Im Vergleich zur Bundesliga, in der der FC Bayern in der abgelaufenen Saison zum neunten Mal in Folge Deutscher Meister wurde, verspricht die Premier League einen meist unberechenbaren Titelkampf zwischen den sechs Spitzenklubs Manchester City, Manchester United, FC Chelsea, FC Liverpool, Tottenham Hotspurs und dem FC Arsenal. "Du hast sechs Top-Teams und mit Leicester City, dem FC Everton und West Ham United Teams, die versuchen, da reinzurutschen", erklärt Hebel. "Es gibt insgesamt also neun, zehn Mannschaften, die richtig gut sind und sechs, bei denen die finanziellen Möglichkeiten zusätzlich richtig groß sind."

Klopp sichert Champions-League-Qualifikation am letzten Spieltag

Wie eng da auch für vermeintliche Spitzenklubs werden kann, zeigt die abgelaufene Saison von Jürgen Klopp beim FC Liverpool. Erst mit einem Sieg am letzten Spieltag schaffte sein Team noch die Qualifikation für die Champions League.

Nachdem der 53-Jährige mit seiner Mannschaft zu Beginn des Jahres noch an der Tabellenspitze gestanden war, gab fünf Heimniederlagen in Folge. Liverpool verlor unter anderem gegen Teams wie Southampton, Brighton und den FC Burnley, die am Ende der Saison auf Platz 15, 16 und 17 landeten.

"Hätte mir jemand vor fünf, sechs, acht, zehn Wochen gesagt, dass wir die Saison als Dritter beenden - das war völlig außer Reichweite und gefühlt unmöglich", sagte Klopp bei Sky nach dem "unglaublichen" Kraftakt seiner Elf und der "schwierigsten Saison" seiner Karriere.

Lange Zeit waren die Champions-League-Ränge und die damit verbundene Startprämie von über 15 Millionen Euro außer Reichweite. Doch mit einem großartigen Schlussspurt zogen sie an den letzten elf Spieltagen an fünf Klubs vorbei und sicherten sich Rang 3 und wichtige zusätzliche Einnahmen.

Frauenfußball erlebt in England einen Boom

Diese finanziellen Möglichkeiten nutzten die Vereine in den vergangenen Jahren nicht nur für ihre Männerteams, sondern sorgten dafür, dass die FA Woman's Super League innerhalb von vier Jahren ebenfalls zur besten Liga der Welt wurde. Damit ist sie die erste komplett professionelle Frauen-Fußball-Profi-Liga in Europa. Auch das Frauenteam des FC Chelsea stand im Finale der Champions League, unterlag jedoch dem FC Barcelona.

"Es hat einen Face-Time-Anruf gebraucht und ich habe gesagt, dass ich das auf jeden Fall machen will", sagt Ex-Nationalspielerin Julia Simic gegenüber watson. Eigentlich wollte sie ihre Karriere in Südeuropa ausklingen lassen, doch 2018 entschied sie sich zum Schritt nach England und blieb bis 2020. Zuvor spielte die 31-Jährige beim VfL Wolfsburg und dem FC Bayern – den beiden absoluten Top-Klubs im Frauenfußball in Deutschland. "Aber West Ham war nochmal eine ganz andere Hausnummer."

"In Deutschland wäre es unmöglich, wenn man darüber nachdenkt, dass wirklich nur das Männer- und das Frauen-Team auf einem Gelände trainieren."
Ex-West-Ham-United-Spielerin Julia Simic

Ende 2015 erarbeitete der englische Fußball-Verband FA eine Wachstumsstrategie für die Liga. Sie wollten die Zahl an fußballspielenden Mädchen und Frauen im Land verdoppeln, die Leistungsfähigkeit der Nationalteams sollte verbessert werden und bei der Entwicklung der Zuschauerzahlen und der Vermarktung setzte sich der Verband ambitionierte Ziele. Und diese Vorgaben wurden erfüllt. Allein in der kommenden Saison haben sich Sky und die BBC für zehn Millionen umfangreiche TV-Rechte gesichert und die Liga damit den Schritt zur ersten Frauen-Fußball Profi-Liga in Europa gemacht.

Julia Simic bei West Ham United
Julia Simic bei West Ham United
Bild: EMPICS Sport / Bradley Collyer

Zusätzlich werden die Frauen-Teams von den Klubs nicht nur finanziell unterstützt, sondern profitieren auch von der Infrastruktur. "In Deutschland wäre es unmöglich, wenn man darüber nachdenkt, dass wirklich nur das Männer- und das Frauen-Team auf einem Gelände trainieren", erzählt Simic. Egal, ob Trainingsplätze, sanitäre Anlagen, Fitnessräume, Physios, Ärzte – alles ist für beide Teams gleich zugänglich. "Beide Teams spielen in der höchsten Liga und so vermittelt man im gesamten Verein den Eindruck, dass beides ernst genommen wird." Dies wird auch nochmal dadurch unterstrichen, dass die Frauen-Teams in den großen Stadien der Männermannschaften spielen dürfen.

Doch trotz aller Professionalität der Liga und Vereinsstrukturen klafft nicht nur eine große Gehaltslücke zwischen Männer- und Frauen-Teams, sondern auch unter den Klubs. So würden die Klubs der Top 6 mit großen erfolgreichen Männerteams im Rücken die restliche Liga ein wenig enteilen.

"Wenn du in diesen Vereinen spielst, kannst du auch gut davon leben", sagt Simic. Doch es gibt häufig auch Spielerinnen, die keine 22.000 Pfund pro Jahr verdienen. "Wenn du im Monat mal drei Strafzettel bekommst, wird es schon schwierig, was zu essen zu kaufen", erzählt die ehemalige Nationalspielerin. "Es ist schön, wenn du gute Bedingungen hast, aber wird auch schwierig, wenn du nebenbei nicht arbeiten gehen kannst, weil der Verein zwar professionell aufgestellt ist, aber nicht professionell bezahlt."

Super-League-Teilnahme sorgt für Empörung bei den Fans

Doch trotz der großen finanziellen Möglichkeiten und europäischen Top-Stars im Kader waren auch die Top-6-Teams der Premier League an der kurzzeitigen Gründung der europäischen Super League beteiligt. Und das hat einen einfachen Grund: "Wenn man sich die Verschuldung der Klubs anschaut, dann sind das nicht nur 50 Millionen Euro, sondern mehrere hundert Millionen Euro. Das kann ein Einzelinvestor in diesem Maße nicht allein stemmen", erklärt Wirtschaftsexperte Zülch. Allein das Startkapital an der Super League hätte die Netto-Verschuldung aller teilnehmenden Klubs gedeckt. Jeder der zwölf Gründungsmitglieder hätte vorab 3,5 Milliarden Euro erhalten sollen.

Mit einer Teilnahme an der Super League hätten sich die Teams dem Risiko Profi-Fußball entledigt. Wer in der Premier League in einer Saison ganz oben steht, kann in der nächsten Spielzeit schon wieder nur im Mittelfeld der Tabellen landen und wichtige Einnahmen verlieren. Eigentlich ein zu großes Risiko für die Besitzer, die mit den Klubs als Unternehmen vor allem Gewinn erzielen.

Arsenal Fans protestieren gegen die Gründung der Super League.
Arsenal Fans protestieren gegen die Gründung der Super League.
Bild: ZUMA Wire / Tayfun Salci

Doch lautstarke Proteste zahlreicher Fans der Top-6-Klubs sorgten für ein Umdenken der Besitzer. Einer nach dem anderen zog die Teilnahme am Wettbewerb zurück. Dass die Proteste tatsächlich diese Wirkung entfachen, war selbst für Wirtschaftsexperte Zülch überraschend. "Ich dachte, die Entfremdung zwischen den Klubs und Fans ist mittlerweile so groß, dass die Fans resigniert hätten und sich nicht mehr zu Wort melden würden."

Denn mit dem Verbot der Stehplätze in englischen Stadien nach der Hillsborough-Katastrophe im Jahr 1989, bei der überfüllte Stehplatzblöcke dazu führten, dass 96 Menschen starben und 766 verletzt wurden und den immer weiter steigenden Ticketpreisen, entfernten sich die Klubs immer weiter von ihrer eigentlichen Fan-Basis.

Premier League Vorreiter für innovative Ideen

Doch die Premier League schafft es mit innovativen Ideen immer wieder, die Gunst und Aufmerksamkeit der Fans zu wecken. Und vor allem ehemalige Spieler zu ehren, die dafür dann in ihrem Heimatland und der ganzen Welt Werbung für die Premier League machen und die Internationalisierung vorantreiben.

So gibt es seit diesem Jahr die "Premier League Hall of Fame". In einem Online-Voting konnten die Fans aus 23 ehemaligen Akteuren wählen. Am Ende wurden acht Liga-Legenden wie David Beckham, Ex-Chelsea-Trainer Frank Lampard, Thierry Henry oder Eric Cantona in die Hall of Fame aufgenommen.

"Das macht die Premier League perfekt und ich garantiere dafür, dass es das in fünf bis sechs Jahren auch in Deutschland geben wird", ist sich Joachim Hebel sicher. Immerhin gibt es seit 2018 schon eine "Hall of Fame des deutschen Fußballs".

Spannende Momentaufnahme statt englischer Dominanz

Das letzte und bisher einzige deutsche Duell im Finale der Champions League ist im Gegensatz dazu schon einige Jahre her. Im Jahr 2013 trafen der FC Bayern und Borussia Dortmund ausgerechnet im Londoner Wembley Stadion aufeinander.

Dass das auch noch einige Jahre so bleiben wird und die Premier League auf europäischer Ebene dominieren wird, glaubt Wirtschaftsexperte Zülch nicht. "Die Premier League – wie alle europäischen Top-Ligen - wird die Corona-Krise nicht unbeschadet überstehen. Der Sport hat in den vergangenen eineinhalb Jahren viel Glaubwürdigkeit verspielt. Zwangsläufig werden sich auch in der Premier League wichtige Sponsoren zurückziehen und die TV-Gelder sinken." Große Konzerne würden ihr Sponsoring in den Fußball viel intensiver überdenken, da die Angst vor einem Imageschaden groß sei, denn der Sport und seine handelnden Personen hätten es in den vergangenen Jahren übertrieben.

Auch für Joachim Hebel ist aktuell nur eine Momentaufnahme. Laut ihm seien die englischen Klubs einfach besser durch die Pandemie gekommen als Teams wie Real Madrid, Barcelona oder der FC Bayern, die in den vergangenen Jahren regelmäßig im Finale standen. "Und ich bin mir sicher, dass Chelsea nicht im Finale stehen würde, wenn Thomas Tuchel nicht gekommen wäre", sagt er.

Hennig Zülch ist sich sogar sicher, dass die Bundesliga als beste Liga aus der Corona-Krise hervorgehen wird. "Wir haben die Strukturen und die finanzielle Solidität, die Krise als eine Chance zu verstehen. Die finanziellen Abhängigkeiten von zum Beispiel den TV-Einnahmen sind bei Weitem nicht so ausgeprägt wie in der Premier League."

Dann wird sich Ewald Linien in Zukunft nicht mehr beschweren, dass Staaten und Oligarchen gegeneinander spielen, sondern sich über den internationalen Erfolg deutscher Teams freuen.

Nach Druck von Nagelsmann – Sabitzer geht wohl zu Bayern

Hinter den Bayern-Kulissen gibt es Reibungen: Julian Nagelsmann soll mit dem derzeitigen Kader nicht zufrieden sein, berichtet die "Bild"-Zeitung. Der Trainer soll im Hintergrund Druck auf den Bayern-Vorstand ausüben und hat damit offenbar einen ersten Erfolg. Der Leipziger Top-Spieler Marcel Sabitzer könnte laut "Sport Bild" bald nach München wechseln.

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