Die Transfersaga rund um Nick Woltemade schien in diesem Sommer ein für alle Mal beendet zu sein. Schon rund um das Supercup-Duell mit dem FC Bayern hatten die Verantwortlichen des VfB Stuttgart deutlich kommuniziert, dass der Angreifer mit den Schwaben in die neue Spielzeit gehen wird.
Es war vor allem eine klare Absage an die Münchener, die über Wochen so intensiv um die Dienste des Nationalspielers geworben hatten. "Jetzt ist das Ding vorbei, alles geklärt", stellte vor wenigen Tagen auch Deniz Undav im Gespräch mit der "Sport Bild" fest.
Aber Pustekuchen! Denn am Donnerstagabend vermeldeten englische und deutsche Medien auf einmal übereinstimmend, dass Woltemade unmittelbar vor einem Wechsel zu Newcastle United steht. Die Klubs hätten sich demnach auf eine Sockelablöse in Höhe von 85 Millionen Euro verständigt, mitsamt Boni kann sie auf 90 Millionen Euro anwachsen.
Es ist eine Transferwende, die so wohl niemand mehr hatte kommen sehen. Die offizielle Verkündung dürfte indes schon zeitnah folgen. In der Nacht tauchten bereits Aufnahmen auf, die ihn bei seiner Ankunft in England zeigen. Das Transferfenster der Premier League schließt wie in der Bundesliga am Montag.
"Man kann die Führungsetage des VfB nur loben. Sie haben alles richtig gemacht in einem sehr schwierigen, hitzigen Transferfenster", gratulierte Lothar Matthäus den Stuttgartern ob ihrer Standfestigkeit im Gespräch mit der "Bild" zum Transfer.
Aus München hatten die Schwaben schließlich mehrere Angebote abgelehnt, etwas mehr als 60 Millionen wären dabei drin gewesen. An der Vorgehensweise der VfB-Bosse hatte es durchaus Kritik gegeben, nicht zuletzt von Woltemades Berater Danny Bachmann. Der hatte Stuttgarts Forderung von 75 Millionen Euro Ablöse als "marktfremd" bezeichnet. Nun kassiert der VfB sogar noch mehr.
"Ein toller Deal, Kompliment an den VfB, dass man so lange knallhart geblieben ist. Das zeigt den Zusammenhalt in der Führung", lobte Matthäus.
Gleichwohl reißt der Abgang von Woltemade auch eine Lücke in den Kader. Mit Alternativen aber dürften sich die Schwaben den ganzen Sommer über schon beschäftigt haben, schließlich schien ein Abgang die ganze Zeit über möglich zu sein. Und allem Anschein nach reagiert der Klub nun auch sofort auf den Verlust des DFB-Profis.
Denn nach Informationen von Sky will der VfB Stuttgart Brajan Gruda von Brighton & Hove Albion verpflichten. Im Gespräch sei demnach eine Leihe des deutschen U21-Nationalspielers, der vor einem Jahr für 31,5 Millionen Euro von Mainz nach England gewechselt war.
Gruda sei bei Brighton nicht zufrieden mit seinen Einsatzzeiten, der Klub wolle ihn dennoch halten. Für den Fall eines Abgangs sollen die Engländer eine hohe Leihgebühr fordern.
"Nun hat man auch das nötige Kleingeld, sich umzusehen", verwies Matthäus auf den satten Transfergewinn der Schwaben. "Eventuell muss das System etwas umgestellt werden. Gruda oder Weiper wären interessante Offensivoptionen."
Gruda wäre in der Tat ein gänzlich anderer Spielertyp, kommt er als wendiger Dribbler doch über die Außenbahnen. Nelson Weiper vom 1. FSV Mainz 05 wiederum ist ein klassischer Neuner, mehr noch als Woltemade, der seine Rolle oft genug hängend interpretiert hat. Auch deshalb haben beide in der U21-Nationalmannschaft auch schon gemeinsam gestürmt.
In Stuttgart dürfte sich das Offensivspiel ohne Woltemade künftig in jedem Fall ein wenig verändern. Inwiefern Trainer Sebastian Hoeneß mit seinem Personal darauf dann auch unter Druck eine Antwort findet, wird spannend zu sehen sein. Der groß gewachsene Angreifer war schließlich ebenso wie Vorgänger Serhou Guirassy immer eine hervorragende Anspielstation für lange Bälle, wenn das gegnerische Pressing keine andere Möglichkeit ließ.